| Datum | Anlass / Link / Bericht | Quelle |
| 31.August 2008 | Aufregung
um „Moschee“ in christlichem Dorf Sare/Hazak - Der
Mufti
(islamischer Rechtsgelehrte) der Bezirksstadt Hazak sorgt für
Aufregung. Er kam am 9. Juli 2008 nach Sare und diskutierte mit dem
christlichen Bürgermeister über das Haus, das zur Zeit der
Besetzung des Dorfes durch muslimische Dorfw ächter (Mitte der
1990er Jahre bis 2004) als Moschee genutzt wurde. Er beschuldigte die
Bewohner, sich nicht um diese Moschee zu kümmern. Der
Bürgermeister erwiderte, dass nur Christen in Sare leben und das
als Moschee bezeichnete Gebäude ein altes Haus sei, das
unrechtmäßig in eine Moschee umgewandelt worden war.
Quelle: http://www.dioezese-linz.at/einrichtungen/ico/Aktuelles.pdf |
ICO - INFORMATION CHRISTLICHER ORIENT |
| Juli 2008 | Der
gesellschaftliche Druck auf die christliche Minderheit im
Südosten der Türkei nimmt zu. Doch es gibt auch
Anlass zur Hoffnung. Pfarrer Yusuf Akbulut empfängt uns an diesem lauen Juni-Abend mit offenen Armen. Das Zusammentreffen ist herzlich. Wir haben ein bisschen Zeit füreinander, setzen uns hin und tauschen bei einer Tasse Chai (Tee) Erinnerungen aus: Über die zähen und unfairen Gerichtsverhandlungen, die der syrisch-orthodoxe Priester erdulden musste, zum Beispiel. Pfarrer Yusuf Akbulut (2.v.l) mit den Vorstandsdelegierten von Sare e.V Schwierigkeiten über Schwierigkeiten Yusuf Akbulut hat als Vertreter einer christlichen Minderheit einen schwierigen Stand in einem sich scheibchenweise radikalisierenden islamischen Umfeld. Schwierigkeiten, die auch viele andere Christen in der südöstlichen Türkei nur zu genau kennen: Wenn man über die Straße geht und als „Ungläubiger“ beschimpft wird, wenn die eigenen Kinder als Christen in den islamischen Religionsunterricht gehen müssen, weil sie praktisch keine andere Chance haben, ihren Schulabschluss zu machen. Oder wenn plötzlich der Weinberg, die Felder in Flammen stehen und so die wirtschaftliche Grundlage für das karge Leben verloren geht. Angst hat der Mönch, den wir im Kloster Mor Yacub besuchen, nicht. Und das, obwohl er erst vor ein paar Monaten entführt worden war. Kriminelle wollten 300.000 Euro Lösegeld erpressen. Am 28. November 2007 hatten ihn drei bewaffnete Männer verschleppt. Zwei Tage später konnte Bruder Daniel entkommen. Er bemerkt trocken und mit entwaffnender Offenheit: „Ihr Plan war nicht ausgereift.“ Ob er denn angesichts der Bedrohung durch Waffen nicht doch ein wenig Angst gehabt habe, frage ich ihn. „Sie hätten vielleicht meinen Leib töten können, aber nicht meine Seele. Das weiß ich, seit ich vor zwanzig Jahren die Mütze des Mönchs angezogen habe“ antwortet Bruder Daniel mit ruhiger Stimme. ![]() Mönch Daniel Savci hat seinen Entführer schon in seiner Gefangenschaft vergeben. Am 28. November 2007 wurde er verschleppt.
Christen im Tur Abdin Im Großraum der heutigen Südosttürkei lebten bis 1915 über eine Million Christen. Heute existieren dort nur noch rund 3.000 Christen. Die über lange Jahre anhaltende Unterdrückung der christlichen Minderheit in der Südosttürkei hat bis Ende der 80er Jahre zu einem Massenexodus geführt: türkische Armee und Aufständische der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kämpften auch im Tur Abdin, dem Berg der Knechte Gottes. Die Christen gerieten dabei zwischen die Fronten.
Grund zur Hoffnung Vor dem Hintergrund all dieser Schwierigkeiten kann es kaum verwundern, dass viele Christen, mit denen ich im Juni in der Türkei gesprochen habe, resignieren, keine Zukunft mehr für sich und ihre Kinder sehen. Doch es gibt auch eine andere Seite: Menschen, die Visionen haben und die bereit sind, diese Visionen umzusetzen. Im Kleinen macht das Fikri Turan, der Bürgermeister des christlichen Dorfes Sare. Nach einer großangelegten Protestaktion, an der sich viele Hoffnungszeichen-Leser beteiligt hatten, konnten im Oktober 2004 die Christen wieder in ihr Dorf einziehen, das bis dahin von muslimischen Paramilitärs besetzt war. ![]() Der Tur Abdin braucht Menschen wie ihn: Bürgermeister Fikri Turan erläutert die Pläne, die er für sein christliches Dorf Sare hat. Der Bürgermeister ist der einzige, der permanent in Sare lebt. Viele andere Familien kommen für ein paar Monate, bauen an ihren Häusern, gehen wieder für ein paar Wochen nach Deutschland oder Schweden zurück, um dann wieder für ein paar Monate in ihrer Heimat zu leben. Nun will Fikri Turan auch Familien mit Kindern nach Sare holen, denn Kinder sind die Zukunft des Christentums in diesem Landstrich, den die Christen Tur Abdin (Berg der Knechte Gottes) nennen. Fieberhaft arbeiten er und seine Helfer momentan daran, Kanalrohre zu installieren. Auch die Stromleitungen müssen verbessert werden. Zeitlich ein bisschen weiter weg sind noch die großen Pläne des Fikri Turan: „Wir wollen eine Tankstelle an die Straße bauen, ein kleines Hotel. Vielleicht können wir auch einen Handel mit Solarzellen aufbauen.“ Ermutigend ist es auch, wenn Christen in diesen Umständen nach vorne denken, das Leben in die Hand nehmen. So ein anpackender Mensch ist auch Erzbischof Philoxenos Saliba Özmen, der seinen Sitz im 1500 Jahre alten Safran-Kloster nahe der Stadt Mardin hat. Er öffnet zurzeit das Kloster nach außen, lässt es reparieren, erschließt dazu Finanzquellen der Europäischen Union, hat einen Souvenirladen gebaut.
Ein Kirchenmann, der seine Visionen in die Tat umsetzt: Erzbischof Saliba packt an und lenkt die Geschicke seines Safran-Klosters mit Weisheit und Weitblick Und ein Besuchercafé. So wird dieses wunderschöne Kloster zu einem Anziehungspunkt, dessen kulturellen und touristischen Wert auch die muslimischen Nachbarn zu schätzen wissen.
Das Safran Kloster in der Nähe von Mardin wirkt auf den ersten Blick wie eine Schutzburg. Bischof Saliba öffnet das Kloster aber nach außen und weckt so das Interesse für christliche Werte in der Öffentlichkeit. Bischof Salibas neuestes Projekt: In der trockenen steinigen Umgebung des Klosters will er 100.000 Bäume pflanzen – Tröpfchenbewässerung inklusive: Kiefern, Eichen und Zypressen, Mandel-, Pistazien-, Oliven-, Granatäpfelbäume und Weinreben sollen nach dem Wunsch des freundlichen und dynamischen Kirchenmannes die wirtschaftliche und ökologische Basis des Klosters stärken. So wird jede Pflanze, jeder Baum zu einem Zeichen der Hoffnung für die Christen im Tur Abdin. Quelle: Klaus StieglitzMenschenrechtsbeauftragter http://www.hoffnungszeichen.de/protest_tuerkei.html |
Klaus Stieglitz |
| 25.09.2004 | Feierliche
Übergabe im Jahr 2004 durch
den
Gouverneur von Sirnak |
Quelle: Pressebericht "Hürriyet" |
| Mai/Juni 2008 |
Wir stellen vor: Das Dorf Sare
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ICO - INFORMATION CHRISTLICHER ORIENT ICO - Initiative Christlicher Orient und Freunde des Tur Abdin Hier Info über: Hans Hollerweger
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| 2005 | Besetzung
des Dorfes Sare (Gawayto) in der Provinz Sirnak
1994 verließen die letzten christlichen Bewohner das Dorf Sare (türkisch Sariköy) in der Provinz Sirnak (Südosttürkei). Früher lebten in Sare über 30 syrisch-orthodoxe Familien. Seither halten die so genannten Dorfschützer – eine paramilitärische Gruppe von Kurden im Dienste des Militärs im Kampf gegen die PKK – in Einvernehmen mit dem Militär Sare besetzt. Das Dorf liegt strategisch an einer wichtigen Durchgangsstraße, weshalb es vom Militär als "kleiner Wachposten" gegen die PKK benutzt wurde. Nach und nach zogen die Familien der Dorfschützer ein; inzwischen bewohnen etwa 30 Familien die verlassenen Häuser der Christen. Mit der Befriedung des Südostens stieg auch das Interesse der frühren Bewohner von Sare, zurückzukehren; doch die Dorfschützer verweigern ihnen der Zugang und widersetzen sich vehement einer Räumung des Dorfes. Verweise auf das erwähnte Dekret von Ecevit verhallen wirkungslos. Im Mai 2004 hat der Gouverneur (Vali) von Sirnak, Osman Günes, eine Verordnung erlassen, wonach die Dorfschützer Sare verlassen müssen. Trotz Verstreichens von zwei Ultimaten (letzteres am 14. Juli) weigert sich das Militär nach wie vor, den Erlass des Gouverneurs umzusetzen. Die Dorfschützer werden offensichtlich vom Militär zum Verharren ermutigt und scheuen sich nicht, die Bewohner des christlichen Nachbardorfes Bsorino (türkisch Haberli) einzuschüchtern. Osman Günes wurde sogar in Ankara vorstellig, um die Rückgabe von Sare an ihre rechtsmäßigen Bewohner voranzutreiben. Der Fall hat inzwischen hohe Aufmerksamkeit erlangt. Der höchste EU-Repräsentant in der Türkei, Hans-Jörg Kretschmar, sowie die Deutsche Botschaft in Ankara sind bereits auf das Problem aufmerksam gemacht worden. GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch hat in einem Schreiben an die türkischen Außen- und Innenminister vom 24. Juni 2004 gefordert, alles mögliche zu tun, um die Räumung des Dorfes Sare zu beschleunigen und den christlichen Bewohnern die Rückkehr zu ermöglichen. Die türkische Tageszeitung Zaman berichtete am 12. Juli 2004 über den Fall und zitiert den Brief des GfbV Generalsekretärs an die türkischen Minister. Nach langen juristischen Auseinandersetzungen sind die Bewohner des Dorfes Sare im Kreis Idil (Sirnak) nun in der Lage, wieder zurückzukehren. Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker |
Quelle: Gesellschaft für bedrohte Völker |
| Januar 2007 | Politik
Türkei: Hoffen auf Gott und die EU
Türkei: Christen dürfen den Gottesdienst besuchen, doch die Kirchen sind rechtlos Jürgen Wandel Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Türkei reist, entdeckt: Von dem, was Europäer heute unter Menschenrechten und Religionsfreiheit verstehen, ist das Land noch weit entfernt. Die beiden Kleinbusse rumpeln die schmale Bergstraße hoch. Rechts und links sind – soweit das Auge reicht – verkohlte Baumstümpfe zu sehen. Vor einem Jahr standen hier noch Wein-stöcke, dort erhoben sich Obstbäume. Dann vernichtete ein Feuer die Lebensgrundlage der 135 Bewohner von Bsorino und Sare, zwei syrisch-orthodoxen Dörfern im osttürkischen Tur Abdin. |
zeitzeichen. Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft |
| September 2006 | Der Tur
Abdin zwischen Aufbruch, Unsicherheit und Angst Erster Teil des Berichtes
Eindrucke, Beobachtungen und Begegnungen von einem Besuch im Tur Abdin. Pfarrer i.R. Horst Oberkampf,
|
Solidaritatsgruppe Tur Abdin, Bad Saulgau |
| Juni 2005 | Bombenanschlag auf rückkehrwillige
assyrisch-aramäische Christen in der Türkei
Göttingen, 09. Juni 2005 Auf drei
assyrisch-aramäische Rückkehrer ist am vergangenen
Montag im Tur Abdin, im Südosten der Türkei, ein
Bombenanschlag verübt worden. Verletzt wurde niemand. Der
Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) in Göttingen, Tilman Zülch,
verurteilte das Attentat am Donnerstag als "feigen Anschlag nicht nur
gegen die gesamte Religionsgemeinschaft der christlichen
Assyro-Aramäer in der Türkei, sondern auch gegen die
Initiative der Regierung unter Recep Tayyip Erdogan, die
Rückkehr der Assyro-Aramäer aus ihrem
westeuropäischen Exil in den Tur Abdin zu dulden und zu
unterstützen". |
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) |
| 30.06.2005 | Syrische Christen unter DruckKampagne
Syrische Christen unter DruckKampagne islamischer Kräfte: Die Türkei muss zeigen, dass sie die Religionsfreiheit wirklich will Anfang dieses Monats explodierte in der Nähe des syrisch-orthodoxen Erzbischofssitzes im Kloster Mar Gabriel im Südosten der Türkei eine Landmine unter einem Fahrzeug. Syrische Christen, die sich auf Grund der türkischen Aussichten auf einen Beitritt zur Europäischen Union eine Mäßigung des Drucks der Regierung in Ankara auf ihre Kirche erhofft hatten, sind verstört. Einige sprechen bereits von einer sich immer stärker entwickelnden Kampagne islamischer Kräfte in der Regierung von Ministerpräsident Erdogan gegen die Christen im Lande. Am Rande eines Dorfes bei Midyat, nicht allzu weit von Mar Gabriel entfernt, von wo Erzbischof Timoteus Samuel Aktas eine der drei türkischen Erzdiözesen der syrisch- orthodoxen Kirche leitet, haben etwa dreißig islamisch-kurdische Familien ein altes Gemäuer besetzt und mit einem bleistiftspitzen Minarett versehen. Es fungiert seither als ihre Moschee, obwohl es seit mindestens zweihundert Jahren der örtlichen Gemeinde der Syrisch-Orthodoxen ("Syriacs") als ihre Marienkirche gedient hat. Trotz Protesten schweigen türkische Regierungsstellen über diesen Vorgang. Zur syrisch-orthodoxen Kirche zählen mehr als drei Millionen Gläubige, von denen etwa 750 000 indische Christen sind. Durch Auswanderung leben heute viele syrische Christen in Amerika und Westeuropa. Andere sind aus ihren traditionellen Siedlungsgebieten in Südostanatolien nach Istanbul, der Weltstadt am Bosporus übersiedelt, wo sie weniger auffallen und wohl auch mehr Schutz genießen. Das Patriarchat der "Syriacs" war 1924 von seinem jahrhundertealten Sitz in Tur Akdin in die syrische Großstadt Homs und schließlich 1959 in die Hauptstadt Damaskus verlegt worden. Kirchenoberhaupt ist seit 1980 Mor Ignatius Zakka I. Bei den Völkermorden von 1915 in der osmanischen Türkei, deren Opfer vor allem (christliche) Armenier waren, wurden auch mindestens 500 000 syrisch-orthodoxe Christen umgebracht. Die Bemühungen der Türkei um den Beitritt zur Europäischen Union haben den Christen im Lande eine Reihe von Erleichterungen verschafft. Gesetze, die Christen die Reparatur ihrer Kirchengebäude verboten, wurden zurückgenommen. Dies erlaubte beispielsweise den Syriacs die großzügige Renovierung ihres Metropolitan- Klosters Mar Gabriel. Das Parlament in Ankara erließ auch ein Gesetz, das es nicht- muslimischen "Stiftungen" (religiöse rechtliche Einheiten) gestattet, Land zu erwerben. Dessen ungeachtet gibt es inzwischen einen Rechtsstreit über die Veräußerung von Land durch eine islamische Stiftung (wakf), das die Syriac-Kirche als ihr Eigentum betrachtet. Diese schickte umgehend eine Petition an das Ministerium für religiöse Angelegenheiten in Ankara, das darauf seit Monaten nicht geantwortet hat. Die Kirche der "Syriacs" entstand in frühchristlicher Zeit, fast tausend Jahre bevor die ersten Türken nach Kleinasien kamen. Der Umgang der Türkischen Republik mit ihr und anderen christlichen Gemeinschaften ist ein wichtiger Test für die Frage, ob das Land den Begriff Religionsfreiheit inzwischen wirklich versteht. Nachdem durch den Ausgang der Volksbefragungen in Frankreich und Holland zum europäischen Verfassungsvertrag die Chancen der Türkei für eine baldige Aufnahme in die Europäische Union schwinden, ist eine Verhärtung der türkischen Haltung gegenüber den christlichen Kirchen nicht auszuschließen.Autor: KLAUS WILHELM PLATZ Die Tagespost |
Tagespost |
| Juli 2004 | Deutscher Bundestag Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 12. Juli 2004 eingegangenen Antworten der Bundesregierung | Deutscher Bundestag |
| 20.11.2004 | Neue Zürcher
Zeitung, 20.11.2004, Nr. 272, S. 6
Im Tur Abdin, dem "Berg der Knechte Gottes"
in Südostanatolien, hat die Perspektive eines EU-Beitritts der
Türkei eine Aufbruchstimmung ausgelöst. Nach
Jahrzehnten des Exils in Westeuropa planen christliche Assyrer die
Rückkehr in die Heimat. Sie wollen dafür
kämpfen, dass ihre alte Kultur im Zweistromland erhalten
bleibt. Ausweisung
der kurdischen Dorfschützer Der Fall überraschte die
Bevölkerung Südostanatoliens, weil die
Dorfschützer jene staatstreuen Kurden sind, die seit den
achtziger Jahren von der türkischen Armee mit Waffen
ausgerüstet wurden, um gegen die Rebellen der Kurdischen
Arbeiterpartei (PKK) zu kämpfen. Die Dorfschützer
waren gewohnt, in dieser Region Straffreiheit zu geniessen. Mit ihrer
Vertreibung aus Sari aber signalisierte Ankara, dass die im Hinblick
auf einen EU-Beitritt forcierten Reformen diesmal nicht nur im Westen
des Landes umgesetzt werden müssten, sondern auch im Osten. In einem geräumigen Saal des Klosters empfängt der Metropolit und Abt des Klosters, Timotheus Samuel Aktas, allabendlich seine Gäste zu einem Gespräch. Er zog 1961 als junger Mann in Mor Gabriel ein, um Mönch zu werden. Er wurde Zeuge davon, wie im letzten halben Jahrhundert die Assyrer aus ihrer Heimat flüchteten und ihre Dörfer verliessen. Vor allem die Erinnerung an die neunziger Jahre ist bitter. Damals sei er von einem Dorf zum anderen gewandert und habe die Gläubigen angefleht, ihre Heimat nicht zu verlassen, sagt der Metropolit. Er habe den Aderlass aber nicht verhindern können. Am Schluss der neunziger Jahre schien das Ende der assyrischen Kultur im Tur Abdin unausweichlich. Der Metropolit hat einen langen, grauen
Bart und warme, listige Augen. Die Zeiten hätten sich
gebessert, sagt er in bestimmtem Ton. Die Armee und die Ämter
seien heute den Christen wohlgesinnt. Seine Hoffnung schöpfe
er aber mehr von der Jugend. Die jugendlichen Christen wie auch die
Muslime seien heute besser ausgebildet und deshalb weniger fanatisiert.
Zudem werde die Türkei durch die Europäische Union
auf rechtsstaatliche Prinzipien und Religionsfreiheit verpflichtet -
das wirke auch in dieser entlegenen Region. Aktas ist noch
zurückhaltend. Er könne seinem Volk nicht sagen:
"Kehrt zurück!" Er sage nur: "Sorgt euch um eure
Dörfer!" Bedrohte
Sprache Quelle: Neue Züricher Zeitung |
Neue Züricher Zeitung |
| 22.09.2004 | Göttingen/Deutschland,
22.09.2004/APD
Für die christlich-assyrischen Einwohner
des Dorfes Sare (türkisch Sariköy) rückt die
Möglichkeit heimzukehren in greifbare Nähe: Ihr altes
Dorf in der südostanatolischen Provinz Sirnak wurde am 19.
September friedlich von der türkischen Armee geräumt. Quelle: www.Weltmission.de |
WELTMISSION.de |
| 24.09.2004 | Fremd in der eigenen Heimat /
Eine Gütersloher Flüchtlingsfamilie darf erstmals
nach 25 Jahren ihr Dorf in Anatolien besuchen
Von
Andreas Püfke |
Neue Westfälische |
| 26.09.2004 | Süryanis
können in ihr Dorf zurück
Nach langen juristischen Auseinandersetzungen sind die Bewohner des Dorfes Sariköy im Kreis Idil (Sirnak) nun in der Lage, wieder zurückzukehren. Die christlichen Dorfbewohner waren vorwiegend in den 80er Jahren aus dem Dorf abgewandert. Vor ca. 7 Jahren hatten die lokalen Autoritäten dort Dorfschützer angesiedelt, die das Dorf nicht wieder hergeben wollten. Vor einem Jahr hatten die Bewohner daher ein Verfahren angestrengt, mit dem die Dorfschützer zum Verlassen aufgefordert werden sollten. Vor 3 Monaten hatte dann der Gouverneur von Sirnak ein "Machtwort" gesprochen und den Dorfschützern eine Frist zum Auszug gegeben. Die Dorfschützer aber leisteten Widerstand. Deshalb wurde ihnen zuerst der Strom und das Wasser abgestellt. Am 12. September dann ging die Gendarmerie ins Dorf und "entfernte" die Besatzer. Am 24. September übergab der Gouverneur von Sirnak dann das Dorf Sariköy an die eigentlichen Besitzer. |
Özgür Politika |
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„Problematisch ist im Moment, dass das Dorf Sare von sogenannten „Dorfschützern“ und deren Familien besetzt ist. Die Rechtslage ist jedoch klar. Ministerpräsident Ecevit hat am 12. Juni 2001 in einem Rundschreiben rückkehrwillige Christen zur Rückkehr in ihre Heimatdörfer eingeladen. Der Provinzgouverneur (Vali) von Sirnak, Osman Günes, hat mir gegenüber in seinem Büro in der gleichnamigen Stadt am 15. Juni in diesem Zusammenhang erklärt, es sei das „natürliche Recht“ der Christen, in ihre Dörfer zurückzukehren. Er habe weiterhin einen formellen Erlass unterzeichnet, wonach die derzeitigen Bewohner von Sare verpflichtet seien, das Dorf bis zum 15. Juni 2004 zu verlassen, um Christen die Rückkehr in ihre Heimatdörfer zu ermöglichen. Für die Rücksiedlung der „Dorfschützer“ und deren Familien in ihr Heimatgebiet sei gesorgt. Wir
haben am 13. Juni 2004 Sare besucht. Der örtliche
Militärkommandeur untersagte unserem Menschenrechtsteam den
Aufenthalt im Dorf. Das zeigt, wie gespannt die Lage dort momentan ist.
Am 16. Juni haben wir im Dorf noch keine Anzeichen für eine
eventuell bevorstehenden Rückzug der gegenwärtigen
Bewohner beobachten. Unsern Informationen zufolge sind bis heute keine
Umzugsbemühungen erkennbar. Wichtig ist jetzt, die
Entscheidung des Provinzgouverneurs, die wir sehr
begrüßen, umzusetzen. Erst dann wäre eine
Rückkehr für die christlichen Familien in ihr Dorf
möglich. Die de-facto-Rückgabe Sares an die
rückkehrwilligen Familien wäre ein positives Signal
der Türkei hinsichtlich des im Rahmen eines Dialogs mit der
Europäischen Union notwendigen Minderheitenschutzes.“
Nachdem die letzten christlichen Familien Anfang der neunziger Jahre das Dorf, das türkisch Sariköy heißt, verlassen hatten, wurde das an einer strategisch wichtigen Straße gelegene Dorf von der türkischen Regierung mit paramilitärischen „Dorfschützern“ besetzt. Die „Dorfschützer“ sollten die Regierung im Kampf gegen kurdische Separatisten unterstützen. Nach und nach holten die „Dorfschützer“ ihre Familien nach Sare. Von Anfang an machte die türkische Regierung den „Dorfschützern“ klar, dass jeder, der sich in verlassenen christlichen Dörfern niederlässt, keine dauerhaften Investitionen in den Dörfern tätigen soll, da das Grundeigentum bei den ursprünglichen Eigentümern verbleibe. Hoffnungszeichen – Sign of Hope ist eine überkonfessionelle Menschenrechts- und Hilfsorganisation. Für weitere Informationen: Klaus Stieglitz (Menschenrechtsbeauftragter) Quelle: http://www.hoffnungszeichen.de/ |
Hoffnungs-
zeichen.de |
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| Türkei:
Rückkehrwilligen Christen die Heimkehr ermöglichen!
Der Abzug paramilitärischer „Dorfschützer“ und deren Angehöriger aus einem von ihnen besetzten ehemals christlichen Dorf muss durchgesetzt und international überwacht werden. (Singen/Midyat/Sirnak-Türkei, 18. Juni 2004) Hoffnungszeichen begrüßt die Entscheidung des Gouverneurs der südosttürkischen Provinz Sirnak, rückkehrwilligen Christen die Ansiedlung in dem Dorf Sare zu ermöglichen. Dazu der Hoffnungszeichen-Menschenrechtsbeauftragte Klaus Stieglitz: Das Dorf der Vertriebenen - Heimkehr der syrischen Christen -
Flucht nach Europa Für die meisten der Vertriebenen beginnt damit eine Odyssee kreuz und quer durch Europa. Über 60.000 türkischstämmige Christen wurden über den ganzen Kontinent verstreut, viele landeten auch in Deutschland. Doch mit dem Ende des Krieges zwischen der PKK und dem türkischen Militär 1999 wuchs bei vielen von ihnen die Hoffnung, bald in ihre Heimat, in ihre alten Dörfer und Häuser zurückkehren zu können. Vor allem, nachdem der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit im Juni 2001 versicherte, dass alle Vertriebenen ein Recht auf Rückkehr haben.
Doch die türkische Realität fernab der modernen Metropolen Istanbul oder Ankara sieht anders aus. In vielen Fällen weigern sich die "Dorfschützer" die Häuser zu räumen, Platz zu machen für die Rückkehrer. Oftmals werden sie von lokalen Militärkommandanten oder Polizeichefs dabei unterstützt.
Hoffnungsträger EU Das alles soll sich ändern - mit mutigen Reformen will Ankara beweisen, dass die Türkei reif ist für einen Beitritt zur EU. Doch das türkische Hinterland ist noch weit von rechtstaatlichen und demokratischen Verhältnissen entfernt. Davon machte sich in dieser Woche auch der für Erweiterung zuständige EU-Kommissar Günther Verheugen ein Bild. Bei seiner Reise durch die Türkei besuchte Verheugen auch die Dörfer der vertriebenen Christen. Dort mahnte der Kommissar, dass die Türkei in Fragen des Minderheitenschutzes noch einiges aufzuholen habe.
Für die Heimkehrer nach Sare
verbindet sich mit dem Verheugen-Besuch und vor allem einer weiteren
Annäherung der Türkei an die EU der Wunsch, jetzt
doch endlich in die alte Heimat zurück zu dürfen.
Denn eins machten sie in den Gesprächen klar: "Wir bleiben
hier, wir gehen hier nicht noch einmal weg."
Unser Korrespondent Stephan Hallmann berichtet über die Rückkehr der syrischen Christen nach Sariköy und den Kampf um ihre Heimat.
Dieser Bericht wurde am 9.September 2004 im ZDF ausgestrahlt
Quelle: http://huyodo.com/index.php?p=cheats&action=displaycheat&system=56&area=1&cheatid=244
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| Sept. 2006 | Der Tur Abdin
zwischen Aufbruch, Unsicherheit und Angst
Eindrucke, Beobachtungen und Begegnungen von einem Besuch im Tur Abdin im September 2006 http://www.kirche-in-not.de/03_tuerkei_christen_im_tur_abdin.pdf
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Kirche in Not |
| 09/2004 |
Das Dorf der Vertriebenen Heimkehr der syrischen Christen
Es ist ein oft vergessenes Kapitel der türkischen Geschichte. Systematisch wurden syrische Christen während des türkisch-kurdischen Bürgerkriegs in den 90er Jahren aus ihrer Heimat in Anatolien vertrieben. In ihre Dörfer zogen so genannten "Dorfschützer" ein. Diese sollten im Auftrag des türkischen Militärs die kurdische Untergrundorganisation PKK von strategisch wichtigen Straßen fernhalten und ihr so den Nachschub abschneiden.
Flucht nach Europa
Für die meisten der Vertriebenen beginnt damit eine Odyssee kreuz und quer durch Europa. Über 60.000 türkischstämmige Christen wurden über den ganzen Kontinent verstreut, viele landeten auch in Deutschland. Doch mit dem Ende des Krieges zwischen der PKK und dem türkischen Militär 1999 wuchs bei vielen von ihnen die Hoffnung, bald in ihre Heimat, in ihre alten Dörfer und Häuser zurückkehren zu können. Vor allem, nachdem der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit im Juni 2001 versicherte, dass alle Vertriebenen ein Recht auf Rückkehr haben.
Doch die türkische Realität fernab der modernen Metropolen Istanbul oder Ankara sieht anders aus. In vielen Fällen weigern sich die "Dorfschützer" die Häuser zu räumen, Platz zu machen für die Rückkehrer. Oftmals werden sie von lokalen Militärkommandanten oder Polizeichefs dabei unterstützt.
Hoffnungsträger EU
Das alles soll sich ändern - mit mutigen Reformen will Ankara beweisen, dass die Türkei reif ist für einen Beitritt zur EU. Doch das türkische Hinterland ist noch weit von rechtstaatlichen und demokratischen Verhältnissen entfernt. Davon machte sich in dieser Woche auch der für Erweiterung zuständige EU-Kommissar Günther Verheugen ein Bild. Bei seiner Reise durch die Türkei besuchte Verheugen auch die Dörfer der vertriebenen Christen. Dort mahnte der Kommissar, dass die Türkei in Fragen des Minderheitenschutzes noch einiges aufzuholen habe.
Für die Heimkehrer nach Sare verbindet sich mit dem Verheugen-Besuch und vor allem einer weiteren Annäherung der Türkei an die EU der Wunsch, jetzt doch endlich in die alte Heimat zurück zu dürfen. Denn eins machten sie in den Gesprächen klar: "Wir bleiben hier, wir gehen hier nicht noch einmal weg."
Unser Korrespondent Stephan Hallmann berichtet über die Rückkehr der syrischen Christen nach Sariköy und den Kampf um ihre Heimat.
Dieser Bericht wurde am 9.September 2004 im ZDF ausgestrahlt
Quelle: http://www.huyodo.com/heatid=244
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ZDF
HUYODO.COM |
| 14.06.2003 | Die Letzten werden die Ersten
sein
Nur Steine sind
übrig von dem Christendorf Kafro in Anatolien, aber die
Vertriebenen wollen jetzt trotzdem zurück Von
Susanne Güsten Quelle: der Tagesspiegel v.14.06.2003
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Der
Tagesspiegel |
Der "tolerante" Islam in der Türkei"Nagelprobe islamischer ToleranzReligionen:Die kleine Minderheit der Christen in der Türkei erfährt trotz offizieller Lippenbekenntnisse Repressalien. Karsten Jung (http://www.jungefreiheit.de/) Das Christentum auf dem Gebiet der heutigen Türkei hat eine lange Tradition. Im Jahr 48 nach Christus reist der Apostel Paulus von Antiochia am Orontes aus nach Norden, in die römische Provinz Galatien. Dort gründet er die ersten christlichen Gemeinden.Abgesehen von Antiochia selbst und wahrscheinlich Rom sind hier die ersten Christen außerhalb Palästinas. Paulus bereist Städte mit so klangvollen Namen wie Ikonion, Lystra, Antiochia ad Pisidiam, Milet, Smyrna und Ephesus. Er arbeitet geschickt: Er predigt zunächst in den Synagogen, in Ephesus auch im Tempel der Diana. Nach dem Bericht der Apostelgeschichte hat er damit sogar so großen Erfolg, daß er die Andenkenhändler im Tempel in wirtschaftliche Probleme stürzt. Das Christentum muß sich gegen die anderen Religionen behaupten. Das tut es mal besser, mal schlechter. Verärgert schreibt Paulus den ersten Christen in Galatien bald nach der Gründung der Gemeinden einen Brief, der heute als eine der Grundquellen christlicher Lehre gilt. Der Galaterbrief ist das erste Dokument dieser neuen christlichen Religion, die sich von jüdischen und heidnischen Wurzeln emanzipiert hat. Die junge Religion des Christentums hat auf heute türkischem Boden ihren Kern entwickelt: Aus dem Verkündiger Jesus von Nazareth wurde der verkündigte Christus. Aus dem gut jüdischen "Liebe den Herrn und deinen Nächsten wie dich selbst" Jesu von Nazareth wird in Ephesus durch den Evangelisten der Anspruch Christi: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Gegenüber der Gesetzesreligion des Judentums und dem Eudämonismus der griechischen Philosophie entstand in Galatien durch Paulus die Religion, die Gesetzesfreiheit und Selbstbindung, Glaube und Gnade in einem Konzept zu verbinden wußte, das seitdem von keiner anderen Religion wiederholt wurde. Von 68,8 Millionen Türken nur etwa 150.000 ChristenDoch wie sieht die Lage der Christen auf dem Nährboden der Christenheit, den Kleinasien einst bildete, heute aus? Etwa 150.000 Christen machen in der Bevölkerung von 68,8 Millionen gut 0,2 Prozent der Bevölkerung aus. Dabei sind die wenigen Christen noch in insgesamt fünf größere Konfessionen aufgespalten. Neben evangelischen und römisch-katholischen Christen gibt es Orthodoxe verschiedener Nationen sowie mit einem nicht geringen relativen Anteil die armenisch-orthodoxe und die syrischen Kirchen. Armenier und Syrer bilden in der christlichen Welt der Türkei insoweit eine Sondergruppe, als daß sie bereits seit 451 eigene Konfessionen mit eigenen Dogmen bilden, was die Zusammenarbeit mit Protestanten, Katholiken und Orthodoxen zusätzlich erschwert.In der öffentlichen Meinung gilt die Türkei als laizistischer Staat. Gern wird die strikte Trennung von Staat und Religion nicht nur als unerschütterliche Staatsdoktrin vorgestellt, sondern auch als Beispiel eines wandlungs- und an westliche Standards anpassungsfähigen Islam wahrgenommen. Gewiß, verglichen mit manch anderem islamischen Land ist der Einfluß der moslemischen Glaubensgemeinschaften geringer, als es der islamischen Vorstellung der Staatsgestaltung mittels des durch den Koran autorisierten Gesetzes, der Scharia, entspricht. Das darf aber nicht dazu verleiten, daß manches Problem in Deutschland verzerrt oder auch gar nicht wahrgenommen wird. Das Bild von der Türkei als islamischem Musterländle ist in jedem Fall der Nachfrage wert.Ein Beispiel für die Verzerrung der Wahrnehmung ist das Kopftuchverbot, das an türkischen Schulen, Universitäten, in Ämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen gilt. Hierbei handelt es sich in erster Linie nicht etwa darum, daß der Staat seine Unabhängigkeit vom Islam ausdrücken will und daher ein religiöses Symbol verbietet. Das Verbot gilt nicht dem religiösen Symbol, sondern dem auf dem Trittbrett der Religion zum Ausdruck gebrachten politischen Anspruch, eine fundamentale Veränderung hinsichtlich der Rechtsordnung des bestehenden Staates herbeiführen zu wollen. Das türkische Kopftuchverbot ist nicht Zeichen einer religiösen Liberalität, sondern steht in etwa auf der gleichen Ebene, auf der auch in Deutschland das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole verboten ist. Nicht erst seit dem Wahlsieg der islamischen Partei AKP unter Tayyip Erdogan 2003 haben Christen in der vorgeblich laizistischen Türkei einen schweren Stand. Im Gegenteil: Die Befürchtungen, die mit Erdogans Wahl verbunden waren, haben sich nicht bewahrheitet. Erdogan packte kurz nach Regierungsübernahme das heiße Eisen des Christentums an und forderte, daß die Benachteiligung des Christentums ein Ende haben müsse. Wenngleich das wohl ein Lippenbekenntnis war, so hat sich die Situation für die Christen im großen und ganzen weder verbessert noch verschärft. Ihre offensichtliche Schlechterstellung war bereits vorher integraler Bestandteil der türkischen Innenpolitik.Status der Christen ist nur teilweise gesetzlich garantiertDie Grenzen zwischen geduldeter und staatlich geförderter islamischer Religiosität waren stets verschwommen. Daß die Türkei eine massive finanzielle Förderung des Islam betreibt, ist in Europa nur wenig bekannt. Um das Bild des Laizismus nach außen zu wahren, werden Förderungen oftmals mit gewissen Auflagen oder Einschränkungen verbunden. Immer wieder haben sich islamistische Parteien gegründet und wurden einige Zeit später verboten (Refah-Partei 1998, Fazilet-Partei 1999). Gleichzeitig ist die Unterstützung des Islam offensichtlich: So finanziert beispielsweise der Staat die religiös ausgerichteten Imam-Hatip-Schulen und bezahlt den Lehrkörper. Gleichzeitig werden Auflagen bezüglich des Tätigkeitsfeldes gemacht. Der Staat fördert den Bau von Moscheen, Strom und Wasser werden kostenfrei zur Verfügung gestellt, die religiösen Beamten - mindestens 70.000 - werden vom Staat besoldet. Zu diesen religiösen Beamten zählen neben den Fachleuten für den Bau und den Unterhalt von Moscheen auch Imame, Muftis, Prediger, Gebetsrufer und Religionslehrer für Korankurse.Der Status der Christen in der Türkei ist nur teilweise gesetzlich garantiert. Hier spielen die Konfessionsunterschiede eine große Rolle. Der 1923 geschlossene Lausanner Vertrag, der die völkerrechtliche Grundlage für das damals entstandene Staatsgebilde der Türkei darstellt, unterscheidet den Status der Christen je nach ihrer Konfession. Expliziten Schutz genießen nach türkischer Interpretation nur die Gruppen, die in der Türkei bei Abschluß des Vertrages existierten, also die griechisch-orthodoxe und die armenisch-orthodoxe Kirche sowie die Juden. Religiöse Gruppen, die der Vertrag nicht nennt, sind rechtlicher Unsicherheit ausgeliefert. Dies betrifft Katholiken und Protestanten, deren Stellung faktisch besser ist, weil bei ihnen der Anteil an Ausländern, vor allem Diplomaten und Geschäftsleuten, besonders hoch ist. Es betrifft aber auch die syrisch-orthodoxen Christen, deren Lage ausgesprochen schlecht ist. Das Problem für viele Christen liegt darin, daß nach Artikel 24 der türkischen Verfassung zwar die individuelle Religionsfreiheit gewährleistet ist - jeder Mensch kann also an dem religiösen Ritus teilnehmen, den er bevorzugt. Die Zugehörigkeit zum Christentum ist im Personalausweis vermerkt. Im Alltag bedeutet das allerdings zunächst einmal, daß der Christ oftmals Diskriminierungen und einem immensen Assimilierungsdruck durch seine Umwelt, vor allem im Kontakt mit Behörden, ausgesetzt ist.Dieses Recht auf Religionsfreiheit gilt aber nicht für die Religionsgemeinschaft selbst: Das Recht auf Durchführung von Gottesdiensten oder zum Unterhalt der dazu erforderlichen Einrichtung ist nicht verfassungsmäßig garantiert. Dem Neubau, teilweise sogar der Renovierung von Kirchen sind erhebliche Hindernisse entgegengesetzt, die manchem unüberwindlich scheinen.Es ist also zwar offiziell unproblematisch, sich zu einer anderen Religion als dem sunnitischen Islam zu bekennen, ihre Ausübung aber gestaltet sich teilweise schwierig. Davon betroffen sind nicht allein die Christen, sondern auch die Aleviten, eine heterodoxe islamische Gruppe, die etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung ausmacht und die sich staatlicher Missionierung zum sunnitischen Islam ausgesetzt sieht.Ausbildung der Geistlichen ist nahezu unmöglich. Wie sieht nun das Leben der einzelnen christlichen Minderheiten aus? Das Leben der größten Gruppe, der armenisch-orthodoxen Kirche (zirka 65.000, davon 60.000 in Istanbul) ist noch immer bestimmt durch den in der Türkei nicht aufgearbeiteten Völkermord an den Armeniern. Ein Teufelskreis ist die Rahmenbedingung ihrer Lage: Wird aus Westeuropa der Ruf laut, die Türkei möge sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und die offizielle Leugnung des Völkermordes aufgeben, schlagen Wellen der Empörung hoch, die die Alltagssituation der Armenier nicht verbessert. Ähnlich unangenehm ergeht es den griechisch-orthodoxen Christen. Der Patriarch von Konstantinopel ist nach griechischem Verständnis bereits seit altkirchlicher Zeit das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche, der Papst des Ostens. Diese Funktion wird von der Türkei aber nicht anerkannt, die den Patriarchen lediglich als Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Minderheit anerkennt. Das Problem wird auftauchen, sobald eines Tages ein Nachfolger des jetzigen Patriarchen gewählt werden muß: Nach türkischem Verständnis muß dieser türkischer Staatsbürger sein und seine Ausbildung in der Türkei genossen haben. Da aber die Behörden die theologische Hochschule des Patriarchats, die einzige christliche Hochschule des Landes, bereits 1971 geschlossen haben und trotz starker Proteste daran festhalten, wird die Wahl eines Nachfolgers vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt.Die Schließung der Hochschule führt dazu, daß die Ausbildung der Geistlichen nahezu unmöglich geworden ist. Das großzügige Angebot der türkischen Regierung, man könne den theologischen Nachwuchs an staatlichen Universitäten, ähnlich in Deutschland, ausbilden lassen, wurde von den Kirchen abgelehnt. Nicht ohne Grund: denn während in Deutschland Theologieprofessoren selbst Christen sein müssen, schwebte der türkischen Regierung vor, die angehenden christlichen Geistlichen durch moslemische Professoren zu unterrichten.Ein weiteres Problem: Es gibt starke Berufsbeschränkungen für Ausländer. Ein solches Berufsverbot erstreckt sich auch auf den Beruf des Geistlichen, so daß beispielsweise der Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde nur mit Diplomatenpaß als Mitarbeiter des Generalkonsulats einreisen kann. Die Tücken dieser Konstruktion sind dann ersichtlich, wenn es um die Einstellung weiterer Mitarbeiter geht. Das ist in der kleinen deutschen Gemeinde noch erträglich - dem orthodoxen Patriarchen, der als Oberhaupt über dreißig Millionen Menschen eine Reihe von Mitarbeitern unterstellt sind, erwachsen aus dieser Vorschrift massive Probleme. Seine Mitarbeiter müssen alle drei Monate aus der Türkei ausreisen und mit einem Touristenvisum einreisen - das kostet Zeit und Geld. Auch der geistliche Nachwuchs kann nicht aus dem Ausland geholt werden - mit erheblichen Kosten müssen also junge Theologiestudenten mit türkischer Staatsangehörigkeit zum Studium ins Ausland geschickt werden, verbunden mit dem Restrisiko, daß diese dann gleich dort bleiben.Alle christlichen Organisationen sind zudem von einem weiteren massiven Problem betroffen. Eine noch unter Atatürk erlassene Regierungsverordnung garantiert zwar Alteigentum an Grundstücken, verbietet aber religiösen Organisationen den Neuerwerb. Diese Regelung fand bis 1972, also knapp fünfzig Jahre lang, keine Anwendung. Danach wurde sie zur Diskriminierung der Christen hervorgekramt: Wer nicht nachweisen kann, daß seine Kirche auf Grund steht, der bereits vor 1923 erworben war, wird enteignet.Die anhaltenden Diskussionen um den EU-Beitritt der Türkei machen es notwendig, die Situation der Christen in dem vermeintlich laizistischen Land genau zu betrachten. Während von staatlichen Stellen und Menschenrechtsorganisationen der Schwerpunkt auf die Benennung von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang des Umgangs mit der kurdischen Minderheit oder bezüglich der immer wieder auftauchenden Foltervorwürfe gegenüber der türkischen Polizei gesetzt wird, führt die Situation der Christen in der Türkei ein mediales Schattendasein. Interesse findet das Thema oftmals nur in kleinen kirchlichen und konservativen Kreisen. Zu schnell läuft man in Deutschland Gefahr, sich dem Vorwurf des Fundamentalismus oder der mangelnden Dialogbereitschaft auszusetzen, wenn man nach der Lage der Christen in der Türkei fragt. Obwohl sich das Messen mit zweierlei Maß im Bereich der Menschenrechte von Grund auf verbieten sollte, sind die Christen in der Türkei beispielsweise neben den Vertriebenen im öffentlichen Diskurs ein gebranntes Kind. Solange aber in Europa weitgehend die Bereitschaft fehlt, die Situation der asiatischen Christen als Problem auch für die Frage eines engeren Verhältnisses der Türkei zum christlichen Abendland wahrzunehmen, steht jeder Dialog auf einem dünnen Fundament. Nichtsdestotrotz darf auch nicht übersehen werden, daß die türkischen Christen große Hoffnungen in einen EU-Beitritt der Türkei setzen, versprechen sie sich doch davon eine Verbesserung ihrer rechtlichen Lage. Quelle: Junge Freiheit Nr. 37/04 vom 03. September 2004: P.S. Karsten Jung ist evangelischer Theologe." |
http://www.jungefreiheit.de/ | |
| 24.09. bis 01.10.2006 | R E I S E B E R I C H T
Vom 24.09. bis 01.10.2006 fand eine Reise mit Themenschwerpunkt „Menschenrechte und Minderheiten in der Türkei – Entwicklungen im Kontext der Beitrittsverhandlungen zur EU“ in die Türkei statt. Die fünfzehnköpfige Reisegruppe stand unter der Leitung von Klaus Barwig – Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – und Dr. Otmar Oehring – Missio Aachen - |
Diözese
Rottenburg-Stuttgart – und Dr. Otmar Oehring
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Missio Aachen -. |
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