An
dieser Stelle finden Sie ein kleines Tur-Abdin Lexikon, das nach und
nach erweitert wird und die wichtigsten Orte, Persönlichkeiten, Dörfer
und Begriffe rund um Tur-Abdin
verständlich erläutern soll
Tur-Abdin (Suryoye) Lexikon
von A wie bis Z Dörfer, Orte, Kirchen und Heilige aus Tur Abdin
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Begriffen zu kommen.
Die christlichen Syrer bzw. Suryoye sind
ethnisch gesehen Aramäer semitischen Volksstammes, die in Aram Naharaim
(Aram-Nahrin=Mesopotamien) zu Hause sind. Der in der Literatur verwendete
Begriff "Syrer" hat mit der jetzigen politischen Bezeichnung
"Syrien" als arabischer Staat nicht unbedingt zu tun. Die Begriffe
"Syrer" und "Aramäer" sind hier identisch und bezeichnen
ein und dasselbe Volk, sind also ethnisch und nicht politisch-geographisch zu
verstehen. Die Verwendung des Begriffes Syrer für die Aramäer geht auf die
Griechen zurück. Die Griechen bezeichneten das Gebiet "Syria" und
seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, als "Syrer". Mit
Alexander dem Großen (336-323 v. Chr.) fand diese Bezeichnung für die
ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff "Syrer" hat sich
aber erst mit der Christianisierung der Gebiete endgültig durchgesetzt. Die
eigentlichen Bewohner des alten Syrien (Aram) bezeichneten sich selber als
Aramäer, so die berühmten griechischen Historiker und Geographen Poseidonios
und Strabon. Auch die aramäischen Gelehrten sind sich über ihre ethnische
Zugehörigkeit einig. zurück Index
Christianisierung der Aramäer
Die Aramäer Aram-Nahrins (Mesopotamiens) haben bereits in den ersten
Jahrhunderten das Christentum angenommen. Zunächst verbreitete sich das
Christentum von Antiochien bis hin zur zweitgrößten aramäischen
Provinzhauptstadt Edessa, dem bedeutenden Kulturzentrum der Aramäer. Tur-Abdin,
Beth-Zabdai und Umgebung haben das Christentum am Ende des ersten bzw. zu
Beginn des 2. Jh. durch den Apostel Addai (Thaddäus) angenommen. Der
Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V. und Jesus wird von unseren
Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet, dass die Aramäer bereits zur Zeit
Jesu die Frohe Botschaft angenommen haben. Bis heute wird dieser Tag, der 1.
Oktober, in der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien als der Tag der
Christianisierung der Aramäer und als der Neujahrstag der Aramäer gefeiert. Der
Begriff "Tur-Abdin" ist christlichen Ursprungs und meint so viel wie "Berg
der Knechte (Gottes)" oder "Berg der Einsiedler". Geschichtlich
geht dies auf die aramäischen Mönche und Eremiten (Einsiedler) zurück, die sehr
früh hierher zogen und in Klöstern und Höhlen wohnten.
Die syrisch-orthodoxen Aramäer sprechen einen aramäischen Dialekt, genannt
Turoyo. Turoyo wird nur gesprochen, nicht aber geschrieben. In der Liturgie
wird das Alt-Aramäische verwendet. Die Alt-Aramäische Sprache heißt soviel wie:
"Kthobonoyo" d.h. "Buchsprache, Hochsprache" genannt. Die aramäische
Sprache gehört zum semitischen, besonders dem nordsemitischen Sprachstamm und
wird seit weit mehr als 3000 Jahren gesprochen. Diese Sprache war im 6. Jh. v.
Chr. die eigentliche internationale und offizielle Sprache des Orients. Als
zeugen dieser Sprache des Inschriften und Fragmente aus Papyrus und Pergament
in den großen Museen und Bibliotheken der Welt zu sehen. Diese Sprache ist das
Erbe des aramäischen Volkes, das bis heute seine Muttersprache ist; Aramäisch
war ebenfalls die Muttersprache Jesu Christi in Galiläa. Für viele scheint
diese Sprache gestorben zu sein, da sie hier kaum bekannt ist. Außerdem hat sie
ihre frühere Position verloren. Die aramäische Sprache wurde vor allem durch
die Arabisierung und Islamisierung des Orients verdrängt. Dennoch hat sie sich in
manchen Gebieten des Orients erhalten können, wie z.B. im Tur-Abdin (Südosten
der Türkei) und in Syrien (Aram), Die lange Geschichte des aramäischen Volkes
lässt eine Entwicklung der aramäischen Sprache feststellen; es wird daher
unterschieden zwischen Altaramäisch, Mittelaramäisch und Neuaramäisch.
Seit Beginn der Islamisierung der Araber und vor allem unter der Herrschaft der
Mongolen, Osmanen, Türken und Kurden erlebten die Christen im vorderen Orient
eine ständige religiöse und politische Verfolgung und mussten unter der
Missachtung ihrer Menschenrechte leiden. Zu Beginn unseres Jahrhunderts,
1914/15 wurden über 2 Millionen christliche Armenier und etwa eine halbe
Million Aramäische Christen (Syrisch-Orthodoxe, Syro-Nestorianer, heute
Assyrer, Syro-Chaldäer, Syro-Melkiten und Syro-Protestanten) massakriert.
Allein in den letzten Jahren wurden über 35 syrisch-orthodoxe Christen in der
Region Tur-Abdin umgebracht. Der islamisch-religiöse Fanatismus und türkische
Nationalismus haben bis heute kein Ende genommen. Die Konflikte im Nahen Osten
und vor allem die Veränderung der Menschenrechtssituation im Tur-Abdin zwangen
viele aramäische Christen, ihre Heimat zu verlassen. Seit Beginn der 60er Jahre
nutzten viele die Gelegenheit, als Gastarbeiter in europäische Staaten
auszuwandern. Danach, etwa seit der Mitte der 70er Jahre, als sich die Lage im
Tur-Abdin weiter zuspitzte, mussten viele aramäische Christen fliehen und in
den europäischen Staaten Asyl beantragen.
Ainwardo ist eines der bekanntesten Dörfer des Tur
Abdin's, es liegt auf einer Höhe, östlich von Midyat und ist 2 Stunden
zu Fuß zu erreichen. Alle Bewohner des Dorfes waren syrisch-orthodox.
Zur Zeit des ersten Weltkrieges betrug die Zahl seiner Einwohner 200
Familien. In Ainwardo existiert auch die große Mor Hadbschabo- Kirche,
die wie eine unbezwingbare Festung aussieht.
Die Männer aus Ainwardo waren bekannt für ihre
Tapferkeit und ihr Eifer. Kein Dorf von den Ländern von Mesopotamien
konnte sich den Türken und Kurden widersetzten und gegen sie kämpfen,
wie dieses. In der Umgebung gedeihen Getreide, Obst und Wein; wie in
vielen Ortschaften der Türkei betreiben die Bauern hier auch
Viehwirtschaft.
In Ainwardo stehen drei Kirchen: "Mart Schimuni",
"Mar Hodtschabo" und "Joldath Aloho". Wie alle christlichen Ortschaften
im Tur Abdin ist Ainwardo mehr als 1000 Jahre alt. 1248 wurden hier
Mönche und ein Stylit erwähnt. Mehrere Bischöfe, Kopisten und ein
Patriarch stammten aus dem unter dem Namen " 'Ain Quarda" ' Ainwarda
bekannten Dorf. Ein Evangeliar mit Miniaturen aus dem Jahre 1201
befindet sich noch im Besitz der Dorfkirche.
Im Jahr 1453 besetzten die Türken den Ort; im 16.
Jahrhundert erlebte es einen Aufschwung. Damals wurde es mit dem Namen
"Aynwerde" unter den reichen christlichen Siedlungen im Tur Abdin in
den Katasterbüchern aufgeführt. Von 1526 bis 1570 stieg die
Einwohnerzahl von 46 auf 136 Familien. Einige Reisende erwähnten den
Namen des Dorfes unter verschiedenen Schreibweisen.
Das Dorf Arkah ist erstmals in der Lebensgeschichte
des heiligen Malke, der im vierten Jahrhundert gelebt hat, erwähnt. Es
ist eines der Dörfer der früheren Diözese Beth Rische. Es liegt in der
Nachbarschaft zum Kloster Mor Malke von Kluzma, an der Nordseite der
Izlo Berge. Östlich davon liegt das Dorf Arbo, südöstlich Hbob (Habab),
südlich Beth Debe, Sederi und Harabemischka. Nördlich von Harabala
kommt man nach Kafro Tachtayto und nordwestlich nach Anhel.
Zur
Deutung des Namens Arkah haben einige die etwas vage Vermutung
aufgestellt, ihn von einer Kombination des Griechischen ‘arché’ und des
syrischen Buchstabens ‘h’ abzuleiten, was im Syrischen auch die Zahl 8
bedeutet. Das würde die Bedeutung ergeben: ‘Haupt von acht [Dörfern]’.
Oder: Harabale ist eine Zusammenziehung des vollen Namens ‘Harbath
Ayle’, was ‘das zerstörte Dorf der Hirsche’ bedeutet. Der türkische
Name des Dorfes ist Ucköy mit der Bedeutung von ‘Hauptdorf’.
Wie
im Leben des Mor Malke berichtet wird, war Arkah in der Mitte des
vierten Jahrhunderts ein syrisches heidnisches Dorf. Wir lesen dort,
daß Schlemun, der Sohn des Vachbun, durch den Heiligen einem Drachen
entrissen wurde. Dies bezeugt sein Freund Rhimo, der Sohn von Zabday.
Dieses Wunder führte zur Bekehrung des ganzen Dorfes zum Christentum.
Schlemun wurde der erste Schüler von Mor Malke. Sie erbauten das
Kloster, und er lebte dort bis zu seinem Tod.
In dem Buch von
Patriarch Abdallah von Sadad mit dem Namen „Statistiken“, das er im
Jahre 1870 zusammengestellt hat, erwähnt er die drei Priester des
Dorfes: Schemun, Gawriye (Georg) und Michael. Bürgermeister war Yakup
Makko. Die Statistik enthält die Namen von 41 Familien im Dorf.
Wie
mündlich berichtet wird, wurde das Dorf im Verlauf der politischen
Auseinandersetzungen zwischen 1900 und 1926 dreimal niedergebrannt und
von den Bewohnern jedes Mal wieder aufgebaut. Zur selben Zeit verließen
viele das Dorf und die Izloberge und wanderten nach Syrien, in den
Libanon und in den Irak aus. Während dieser Periode der Auswanderung
ging eines Nachts ein schweres Unwetter nieder und 27 Personen, auch
der Bischof Severius Schmuel von Beth Debe, der in Malke residierte,
starben infolge des kalten Wetters. Nicht lange nach dieser Flucht
taten sich die maßgeblichen Männer des Dorfes zusammen und beschlossen,
in das Dorf zurückzukehren. Doch manche blieben in Syrien, im Libanon
und im Irak. Heute gibt es mindestens 70 Familien in Kamischli und in
Kabre Hewore in Syrien.
Im Folgenden wird ein Überblick über die
Namen der Priester, Lehrer und Bürgermeister des Dorfes seit 1920
gegeben. Priester: Pfarrer Dimet, der Sohn von Pfarrer Schemun, Pfarrer
Aho aus dem Hause des Pfarrers Gawriye, Pfarrer Schabo von Aynwardo,
Pfarrer Aho, Pfarrer Lahdo, Pfarrer Afrem von Aynwardo, Pfarrer Qawme
in Mor Malke, Pfarrer Eliyo, Sohn des Marawge von Beth Hawshab, der
gegenwärtig die Gläubigen von Arkah und Anhel betreut. Lehrer waren:
Malfono Gabriel, Malfono David, Malfono Fawlus, Malfono Marawge,
Malfono Shabo, Malfono Mushe, Malfono Ishok and Malfono Shlemun.
Bürgermeister waren: Yusuf Henno, Tade von Beth Cheni, Elyas von Beth
Goge, Patte von Beth Patte, Aho von Beth Henno, Ello von Beth Gamsho,
Abdulmesih von Beth Enes und Marawge von Beth Gamsho.
Im Jahre
1980 gab es im Dorf 80 Familien, von denen 24 bis heute im Dorf
verblieben sind. Gegenwärtig leben etwa 1000 Familien von Arkah in
Europa und in Syrien. (Das kann aber nicht bedeuten, daß 1000 von Arkah
stammende Familien ausgewandert sind! Anm. der Redaktion.)
Folgende
Priester, die von Arkah gebürtig sind, versehen heute ihren Dienst:
Pfarrer Eliyo im Dorf Arkah, Pfarrer Sleman in Kabre Hewore, Pfarrer
Habip Hapsun Isa in Mor Aho in Demkiya, Pfarrer Habib Schao von Beth
Muksi Lachdo in Göppingen (Deutschland). Mönch Aziz Gawriye von Beth
Hawschab und Schwester Zero Isa von Beth Patte leben im Kloster Mor
Malke und Mönch Gabriel Dimet von Beth Kaschischo Schemun und Schwester
Sayde Malke von Beth Hio sind im Kloster Mor Gabriel.
Die staatliche
Schule wurde im Jahre 1961 eröffnet. Die Militärstation verlegte man
1975 vom Dorf Habab (Ehwo) nach Arkah. 1984 wurde ein Tiefbrunnen
gebohrt, um das Dorf und die Militärstation mit Wasser zu versorgen.
Das Dorf kann auf drei Straßen erreicht werden: Eine Straße führt durch
die Dörfer Maare, Harabemischka, Sederi, Beth Debe und Habab; eine
zweite kommt von der Hauptstraße Midyat Cizre und führt durch die
Dörfer Barekwe, Kafnas, Daywan und die Yezidi Dörfer; die dritte wird
von den Dorfbewohnern hauptsächlich benützt. Sie zweigt bei Anhel von
der Straße Nusaybin Midyat ab und führt über Kafro Tachtayto ins Dorf.
Sie wurde in diesem Jahr planiert und asphaltiert.
Das Dorf erhielt
1986 Strom und 1988 Telefon. Der nicht aufgeklärte Mord von Aydin von
Beth Patte und seinen Begleitern im Jahre 1993 in einem Minibus hat
viele aus dem Dorf und den Nachbardörfern bewogen, das Dorf zu
verlassen. Zur Zeit wird für die Jugend des Dorfes ein neuer
Fußballplatz errichtet: der Boden ist planiert, um den Platz ist eine
Mauer im Bau, ebenso werden Duschräume und Toiletten gebaut werden.
Die
wichtigste Erwerbsquelle sind die Weintrauben und die Tierzucht. Das
Dorf ist durch seine Trauben, die Drayso genannt werden, bekannt. Sie
werden frisch oder getrocknet als Rosinen verkauft und sind im
Vergleich zu anderen sehr teuer. Diese Art von Trauben findet man sonst
nirgends im Turabdin. Sie sind viel größer als die sonstigen
Weintrauben und schmecken ausgezeichnet.
Arkah war einst der
Mittelpunkt einiger Dörfer der Umgebung und der Ort, wo sich die
Menschen einfanden, um ihre Probleme zu lösen. Jetzt ist es eines der
wenigen christlichen Dörfer, die im Turabdin übriggeblieben sind. Es
wurde beschützt durch die Vorsehung Gottes gemäß dem Bibelwort: „Wenn
nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.
Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst (Ps
127,1). Jetzt wartet das Dorf auf die Rückkehr seiner Söhne und
Töchter, damit sie darin leben. Es ist das Dorf ihrer Vorfahren, die
für sie Kirchen und Klöstern erbaut und hinterlassen haben. Zusammen
mit dem Kloster Mor Malke in seiner Nähe lädt es zur Rückkehr in die
Heimat ein. Warum sollten die Izloberge, die einst eine blühende
Ansiedlung waren, nicht aufs neue aufblühen.
Im Jahre 307 v.Chr. wurde einige km landeinwärts vom heutigen Antiochia durch
Antigonos I. die Stadt Antigoneia gegründet. Ein Jahr später erfolgte die
Neugründung an der jetzigen Stelle durch Seleukos I. Nikator nach seinem Sieg
über Antigonos I. Seleukos benannte die Siedlung nun zu Ehren seines Vaters
Antiochos um. Antiochia liegt auf beiden Flussufern des Orontes, später kamen
zwei weitere Siedlungsbereiche hinzu (Strabo: „Tetrapolis“). Im Jahre 83 v.Chr.
wurde Antiochia durch den Armenier Tigranes und 64 v.Chr. von Pompeius erobert.
Seitdem war Antiochia römisch; es genoss den Status einer privilegierten
Freistadt.
Um 115 n.Chr. zerstörte ein schweres Erdbeben die Stadt, während sich Kaiser
Trajan dort aufhält.
Im Jahre 260 n.Chr. wurde Antiochia für kurze Zeit durch den Perserkönig Shapur
I. in Besitz genommen, aber bald von den Römern zurückerobert.
Nach der Anerkennung der christlichen Kirche durch ⇒ Konstantin (313) wurde Antiochia Sitz eines Metropoliten,
später eines Patriarchen.
In den Jahren 526 und 528 zerstörten erneut schwere Erdbeben große Teile von
Antiochia, und 540 wurde es durch Chosrau I. erneut von den Persern erobert. Es
folgt die nochmalige römische Rückeroberung durch Justinian, der Antiochia
wieder aufbauen ließ, aber nach weiteren Eroberungen in den Jahren
611(Eroberung durch die Perser) und 628 (Kaiser Heraklios) fältt Antiochia 638
an die Araber, von denen es 969 letztmalig durch den byzantinischen Kaiser
Nikephoros Phokas zurückerobert wird, bevor ab 1084 die Seldschuken über
Antiochia herrschen. Während der Kreuzzüge wurde Antiochia 1098 durch Bohemund
von Tarent erobert und bis 1268 Hauptstadt des Fürstentums Antiochia.
Entstehung und Geschichte der christlichen
Gemeinde im 1. Jahrhundert nach Christus.
Zwischen 35 und 40 n.Chr. gründeten Hellenisten, die aus
Jerusalem vertrieben worden waren (vgl. Apg 6,1-6; Apg 8,1; Apg 11,19-26), eine
erste christliche Gemeinde in Antiochia. Die leitende Figur dieser Gemeinde war
offenbar Barnabas. Die antiochenische Gemeinde war offenbar von Anfang an eine
aktive Missionsgemeinde. Zielgruppe der Mission waren zunächst sicher die
zahlenmäßig sehr stark in Antiochia vertretenen Diasporajuden. Doch wurde schon
sehr bald die Grenze des Judentums überschritten, und es entstand eine aus
ehemaligen Heiden und ehemaligen Diasporajuden gemischte Christengemeinde.
Paulus schloss sich
nach seiner Berufung zum Apostel der antiochenischen Gemeinde an. Daraufhin betrieben
Barnabus und Paulus aktive Mission in Zypern und Kleinasien (Südgalatien).
48 n.Chr. fand das sogenannte Apostelkonzil statt (Gal
2,1-10; Apg 15). Die Vertreter der Gemeinden von Antiochia und Jerusalem
verständigten sich darüber, dass das Bekenntnis zu Christus und die Taufe auf
seinen Namen (also die Vollzugehörigkeit zur christlichen Gemeinde - die sich
ja als Volk Gottes versteht) nicht die Beschneidung zur
Voraussetzung hat. D.h. die Gemeinde von Antiochia konnte ihre
beschneidungsfreie Heidenmission weiter betreiben. Gleichzeitig begann das
frühe Christentum aus dem Rechts- und Religionsverband des Judentums
herauszutreten.
Danach kam es allerdings in der antiochenischen Gemeinde zu
Konflikten über das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in der gleichen
Gemeinde, und zwar über die Frage, wieweit die Gesamtgemeinde - also auch die
Christen nichtjüdischer Herkunft - auf die jüdischen Speisegebote, an die sich
die Christen jüdischer Herkunft gebunden fühlten, Rücksicht nehmen muss (so
genannter Antiochenischer Konflikt, vgl. Gal 2,11-14). Paulus vertrat kompromisslos einen gesetzeskritischen
Standpunkt und musste weichen. Seitdem war Paulus nicht mehr Gemeindemissionar
der Gemeinde von Antiochia, sondern unabhängig wirkender Apostel.
Petrus hielt die Verbindung zwischen Jerusalem und Antiochia
aufrecht. Dass Petrus aber der erste Bischof von Antiochien gewesen sein soll -
wie zuerst von Hieronymus behauptet - ist ein Märchen. 1.: Es gab damals noch
keine Bischöfe. 2.: Petrus hat zu keiner Zeit die Gemeinde geleitet. Die
einzige Leitungsfigur aus dieser Zeit, die uns bekannt ist, ist Barnabas.
Bischof Ignatius von Antiochien
- nach gängiger Auffassung etwa 112 als Märtyrer nach Rom abtransportiert -
schrieb auf dem Transport nach Rom Briefe an die Gemeinde von Antiochia, die
eine wichtige Quelle für die Theologie Antiochias im frühen 2. Jahrhundert
darstellen. Hier zeigt sich eine große Nähe zu paulinisch geprägten
Traditionen.
⇒ Euseb von Cäsarea überliefert eine Liste der Bischöfe von
Atniochien: 1. Euodios, 2. Ignatius, 3. Heros, 4. Kornelios, 5. Eros, 6.
Theophilos, 7. Maximinos Nach Hieronymus ist schon Theophilos der 7. Bischof, weil
Hieronymus die Liste mit Petrus beginnt. Allerdings sind alle diese Listen
weitgehend Konstruktion und besitzen kaum historischen Wert.
Nach Ignatius ist Theophilos von Antiochien der zweite
Theologe aus Antiochia, von dem Schriften überliefert sind. Gestorben ist
Theophilos zwischen 180 und 191 n.Chr.. Überliefert sind von ihm drei Bücher
"Ad Autolycum", eine apologetische Schrift, gerichtet an einen
fiktiven Adressaten Autolycos.
Während der ⇒ Christenverfolgung unter Decius erlitt der antiochenische
Bischof Babylas das Martyrium.
Die nächste interessante Figur ist Paul von Samosata,
261-270 Bischof von Antiochia. Von ihm wissen wir allerdings nur, dass er als
angeblicher oder tatsächlicher Häretiker verurteilt wurde. Wir besitzen von ihm
keinerlei Schriften, so dass gesicherte Aussagen über diese Vorwürfe nicht
gemacht werden können. Paul stammt offenbar aus Samosata, der Hauptstadt des ⇒ Königreichs Kommagene. Er gehörte vemrutlich zur der
Oberschicht an. Angeblich stammte er aus einfachen Verhältnissen, wurde später
aber reich. vielleicht hatte er ein Amt als Staatsbeamter inne.
Paul von Samosata wurde von zwei Synoden abgesetzt, weigerte
sich aber, die Hauptkirche von Antiochia zu räumen. Erst als sich die neue
Gemeindeleitung an den (heidnischen!) Kaiser Aurelian wandte, konnte man ihn
aus der Kirche vertreiben. Die kann wohl erst 272 stattgefunden haben, nachdem
Aurelian Antiochia zurückerobert hatte. Denn Zenobia, Königin von Palmyra,
hatte zwischenzeitlich Syrien, Ägypten und Kleinasien erobert um dort ein
selbstständiges Reich zu etablieren. Paul von Samosata wird auch als
Parteigänger und Berater der Zenobia bezeichnet. Ob das stimmt, lässt sich
nicht mehr überprüfen. Etnweder hat er sich während der Besetzung Antiochias
durch Palmyra mit der neuen Oberherrschaft gut gestellt, oder es handelt sich
um Verleumndung, um ihn bei Aurelian anzuschwärzen.
Ende des 3./4.
Jahrhunderts war Antiochia Sitz theologischer Gelehrsamkeit. Die
antiochenischen Theologen waren weniger spekulativ als die Alexandriner oder
dann die Jungnicäner, sondern sie waren eher exegetisch-biblisch orientiert. In
der Schriftauslegung übten sie deutlich Zurückhaltung gegenüber der Allegorese
(Origenes). Typisch für die antiochenische Theologie ist Theodor von
Mopsuhestia. Auch der Presbyter Lukian († 312 während der ⇒ Diokletianischen Verfolgung), der sich um die Revision der
Septuaginta bemühte, also grammatische Arbeit leistete, kann als typischer
Vertreter der antiochenischen Theologie angesehen werden. Berühmt ist auch Johannes Chrysostomos (* 349 in Antiochia; † 407 in
Konstantinopel). Er war eng mit dem gleichaltrigen Theodor von Mopsuhestia
befreundet. Bevor er im Jahre 386 Presbyter in Antiochia wurde, hatte er
ein asketisches Leben in den Bergen außerhalb der Stadt geführt. Johannes Chrysostomos war ein gefeierter Prediger.
Überliefert sind von ihm 17 Abhandlungen und mehr als 700 Predigten. Ein erheblicher
Teil dieser Predigten stammt aus seiner Zeit in Antiochia, und sie sind auch
eine reiche Quelle für das Leben der Stadt Antiochia, die Beziehungen der
Christen zu Heiden und Juden, über tagespolitische Fragen usw. Seine Beliebtheit drang bis an den Hof von Konstantinopel.
Im Jahre 398 wurde Johannes Chrysostomos
unter einem Vorwand in die Reichshauptstadt gelockt und gegen seinen Willen zum
Bischof von Konstantinopel gemacht. Hier versuchte Johannes seine Ideale vom
einfachen asketischen Leben eines Geistlichen
auch den anderen Priestern und Bischöfen zu vermitteln; er wetterte gegen
Luxus, Verschwendungssucht etc. und hielt sich vom Leben des kaiserlichen Hofes
fern, was ihm Feinde einbrachte. Sein ungeschicktes Verhalten bei
kirchenpolitischen Konflikten führte schließlich im Jahr 403 zu seiner
Amtsenthebung und sogar zur Verbannung nach Kappadokien, wo Johannes
Chrysostomos 407 starb.
Im 4. Jahrhundert gab es in Antiochia eine pagane Gegenreaktion gegen das sich
ausbreitende Christentum. Bedeutendste Vertreter dieser Bewegung war Libanios
(* 314 † 393). Er stammte aus Antiochia und war Abkömmling einer
Patrizierfamilie. Libanios hatte ein Rhetorikstudium absolviert und war so
erfolgreich, dass er bereits mit 25 Jahren Rhetorikprofessor in Athen war. Er
wirkte aber auch in den Städten Konstantinopel, Nikomedien und ab 354 in
Antiochia. Libanios lehnte als Vertreter der paganen Religiosität das
Christentum konsequent ab.
In den Jahren 362-363 hielt sich Kaiser Julian Apostata
in Antiochia auf, um seinen Perserfeldzug vorzubereiten. Libanios gehörte zu
dessen engstem Berater- und Freundeskreis. So ist es auch kaum verwunderlich,
dass Julian Apostata während seines Aufenthaltes in Antiochia den Versuch
unternahm, viele alte heidnische Kulte wiederzubeleben.
Nach dem ⇒ Konzil von Chalcedon (451) begannen sich im Hinterland von
Antiochia monophysitische (antichalcedonensische) Gemeinden zu sammeln. Im
syrischen Hinterland und der Umgebung Antiochias ist zugleich das Mönchtum sehr
wichtig. So siedelte sich der Säulenheilige Symeon Stilites d.J. in den Bergen
bei Antiochia an und gründete dort ein Kloster, das Anziehungspunkt für
zahlreiche Pilger wurde.
Dieser
Ort liegt 9 km nördlich von Midyat auf einem steilen Abhang an der steilen
Piste Midyat - Arnas — Hah. Von den 970 (942) Einwohnern sind 30 Familien
christlich (1980: 28 Familien). Sie sprechen Turojo und Kurdisch. Die
Dorfkirche „Mär Kyriakos" aus dem Jahre 76l ist nur teilweise
restauriert. Ruinen, Säulenreste, Steinblöcke mit Inschriften und Ornamenten
umgeben das Bauwerk. Auch im Dorf stehen zahlreiche Ruinen, darunter die
Überreste einer Burg. Dazwischen nehmen sich einige moderne,
langestreckte Verwaltungsbauten und die Schule wie Fremdkörper aus.
Arnas
war schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt; ein Bischof und ein Metropolit
stammten von hier. Im 16. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung dieses blühenden
christlichen Ortes von 85 auf 188 Familien an. Zwischen dem 16. und dem 19.
Jahrhundert wurde Arnas durch mehrere hier kopierte Handschriften, einige
Bischöfe und einen Maphrian bekannt . Im 19. Jahrhundert hatte der Ort wie alle
anderen christlichen Ortschaften im Tür 'Abdin seine Bedeutung verloren.
Colonel Shiel traf hier um 1835 einen von den Osmanen eingesetzten „wild
aussehenden Bürgermeister" an, ob Christ oder Muslim, ist unbekannt. Um
1870 war jedoch bereits die Hälfte der Bevölkerung muslimisch. Aber die alten
Überlieferungen waren noch lebendig: Parry, die Architektur der Dorfkirche
bewundernd, erfuhr von den Einheimischen, eine Säule im Kircheninnem sei noch
ein Rest eines von der Kaiserin Helena angebrachten Kreuzes.
Die byzantinische Vergangenheit ist bis heute nicht vergessen.
Die
Dorfkirche „Mar Kyriakos" spiegelt das Schicksal der Christen im Tür
'Abdin wider; häufig zerstört, wurde sie wiederaufgebaut und restauriert; Ornamente
und Inschriften verschwanden hinter Putz, wie schon die englische
Kunsthistorikerin Gertrude Bell bemängelte. Trotzdem entdeckte der Franzose
Pognon eine größere Zahl von Inschriften, von denen heute noch die meisten an
der Kirchenwand zu sehen sind. Um 1900 hatte sich das Bevölkerungsgewicht
bereits zugunsten des muslimischen Anteils verschoben (100 muslimische, 90
christliche Familien), die amerikanische Mission konnte zehn Familien gewinnen.
Wie ich bei meinem Besuch 1968 von einem Mitarbeiter der österreichischen
Schule in Istanbul erfuhr, hatte sich ein Teil der christlichen Bevölkerung
irgendwann der unierten Kirche angeschlossen, war Aber wieder zur alten Kirche
zurückgekehrt. 1968 habe der Priester bei ihmangefragt, was die katholische Kirche
für ihn und seine Anhänger tun könne,wenn sie zur syrisch-katholischen Kirche
überwechselten. Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, als auch die katholische
Kirche die westsyrischen Christenmit den verschiedensten Mitteln zum Übertritt
bewegen wollte, winkt sie jetzt zumeist bei solchen Vorstößen der
Einheimischen ab. Deshalb gehörtPriester Schimun Dag (geb. 1923, Priesterweihe
1955) noch der syrisch-orthodoxen Kirche an.
Quelle:Helga
Anschütz-Die Syrischen Christen im Tur Abdin
Arnas
yaklaşık 560 yıl önce sadece Süryanilerin yaşadığı ( Süryanilere ait ) bir
yerleşim alanıydı. Civar köylerdeki bazı Müslüman ailelerin baskılarından
rahatsız olan Arnas'lı Süryaniler Mire BOTA'dan kendilerine yapılan bu
baskıların sonlandırılması konusunda yardımcı olmasını isterler. Mire BOTA,
Arnas'lı Müslümanların atası olan KOÇEK'i Süryanileri kollaması için Cizre'ye
bağlı Derhave köyünden Arnas'a gönderir. Arnaslı Süryaniler KOÇEK'i
Arnas-Mizizex yolu üzerinde Arnastan 3 km mesafede ve şu an kalıntıları duran
ve Xerabe Koçek olarak adlandırılan yere yerleştirirler. KOÇEK'in çocukları
olunca yaşadığı yer dar gelmeye başlıyor ve KOÇEK Arnas'a yerleşiyor KOÇEK'in;
Temir, Hamêd, Şemê, Âlo, Çomerkâ ve Îsko adlı oğulları şimdiki Arnas aile
yapılanmasının temelini oluşturuyorlar. Bu aileler dışında; Hîzolê ailesi
Selhê'den, Cerdo ailesi Îlozê'den, Hêsen ê Êyşan ê Hîzûve'den Arnas'a
gelmişlerdir. Köye 1952 yılında ilkokul, 1970 yılında sağlık ocağı yapılmış.
1966-1969 yıllarındaki artezyen kuyusu açma çalışmaları sonucunda yerin 125 m
derinliğinden su çıkartılmış.Sonraki yıllarda suyun biriktirileceği bir depo
yapılmıştır. Köye 1985 yılında elektrik,1988 yılında telefon geldi. 1994 köy
imamı Mela Abdulvahap'ın öldürülmesinden sonra köy güvenlik güçlerince boşaltıldı.
Boşaltılmadan yaklaşık 6 ay sonra 30 hanelik bir grup köye geri gelerek
yerleşti. 2000 yılı itibari ile köyde yaklaşık 30 hane yaşamını sürdürmektedir.
Wenn
man von Midyat kommend nach Idil (Azakh, Beth Zabday) fährt,
fällt auf
der linken Straßenseite eine Ortschaft auf, deren Häuser sich
einen mäßig
hohen Hügel hinaufziehen. Dieser gegen Westen blickende Ort, der eine
Fülle
von Assoziationen hervorruft und seiner Umgebung ein Lächeln zuwirft,
ist
Bsorino. Wenn man nur ein wenig in die Vergangenheit dieses alten,
großen
Dorfes vordringt, wird man unmittelbar in seinen Bann gezogen und kann
ermessen,
welch hoher Rang ihm auf der Ehrentafel des Turabdin zukommt. Allein
das
Attribut Bsorino, „Haupt der Religion", sagt schon alles über die
historische Bedeutung dieses Ortes.
Der
Name Bsorino kommt von dem Wort Beth Sabro, was auf syrisch "Haus der
Hoffnung" bedeutet. Der türkische Ortsname ist Haberli
wobei
sich diese Bezeichnung von der syrischen Wörtern Sabro (Hoffnung) und
Sbartho
(gute Nachricht) ableitet. Bsorino heißt das Dorf in Turoyo, dem
örtlichen
syrischen Dialekt, Basibrin auf Arabisch und Basibrine auf kurdisch.
Zu
den Besonderheiten dieses Ortes zählen sein Reichtum an Kirchen, der
große
Respekt, den die Bewohner der Kirche und dem Klerus entgegenbringen,
ihr
Vertrauen in die zivile Obrigkeit, die Häufigkeit von Namen wie Gulo,
Gulavi,
Kezo, Kawme, Mahlo, Ceno,Kamco und Hamri, die in anderen Orten gar
nicht oder
nur selten vorkommen, sowie die häufige Verwendung des P-Lautes. Dieser
P-Laut,
der andernorts nicht gebräuchlich, aber im Lokaldialekt von Bsorino
sehr oft zu
hören ist, zeigt, wie sehr den Menschen an der Bewahrung ihrer eigenen
Sprache
gelegen war.
Das Dorf Beth Kustan liegt etwa 28km nord-östlich von Midyat, der Kreisstadt entfernt, umgeben von fruchtbaren Feldern.
Obwohl
Beth Kustan eines der interessantesten Dörfer Tur Abdins ist, findet es
in den Schriften gegenwärtiger Autoren kaum Beachtung. Oft ist nur vom
"Land zwischen Hah und Deyrkube" die Rede, wenn sie über diesen Ort
berichten.
Der Name Beth Kustan oder Kustin
taucht schon in frühen Annalen auf. Es heißt, die Armee Konstantins
durchquerte mehrmals mitsamt ihren Pferden das Dorf Beth Kustan. Unweit
des Dorfes liegt der "Shu'o d-Helane", ein Gestein, das nach Helena,
der Mutter Konstantins benannt wurde. Einigen Legenden zufolge fand sie
das heilige Kreuz Jesu in Palästina.
Es wird manchmal erzählt, dass
Beth Kustan in vorchristlicher Zeit eine Herberge oder eine Raststelle
für Reisende war. Im folgenden soll auf Beth Kustan näher eingegangen
werden.
Die Landschaft
Kaum ein anderes Dorf in Tur Abdin
verfügt über soviel Land wie Beth Kustan. Südlich des Dorfes befinden
sich Höhlenkomplexe, die durch den Abbau des Kalkgesteins vergrößert
wurden. Sie scheinen unendlich komplex zusein. Beim Abbau des
Kalkgesteins wurden Gräber aus vorchristlicher Zeit freigelegt.
Unterdessen tauchte beim Bau einer Strasse, etwa 1984, ein vom Pfeil
durchbohrter Schädelknochen auf. Immer wieder trifft man auf Knochen,
die jedoch aufgrund ihres Alters zerfallen. Die Gräber wurden zum Teil
in den Gestein hineingehauen.
Die ”Berhemiye” liegt 2 km östlich
vom Dorf. Die Mor Barsawmo-Kirche liegt auf einem Berggipfel, von dem
aus man einen großartigen Rundblick über diese Gegend hat. Weinberge,
Eichen und andere Fruchtbäume prägen das Bild der Landschaft.
Weiter nord-östlich von der
"Berhemiye" auf der links gegenüberliegenden Bergseite befinden sich
die “Harbe d-Mor Gabriel”, die Ruinen des Heiligen Gabriel, dem
berühmtesten Sohn dieses Dorfes. Es handelt sich um ein Hof dessen
Mauern aus felsenschweren Steinblöcken bestehen. Die Mauern sind
lediglich etwa ein Meter hoch.
Von Beth Kustan aus erreicht man
in süd-östlicher Richtung eine Gegend, die "Qasroke" genannt wird. Hier
befindet sich vermutlich die Ruine eines sehr alten heidnischen
Tempels. Die Bewohner von Beth Kustan sprechen oft von den "Salme di
Qasroke", d.h. Götzen(anbeter) der Qasroke.
In einer Entfernung von etwa 4km
östlich vom Dorf befindet sich im Berg auf der rechten Seite "i M'artho
da 'ajobe" die Höhle der Wunder. Eine besonders komplexe und unendlich
scheinbare, von vielen Sagen umwobene Höhle. Dessen Eingang wurde
versperrt, um zu verhindern, dass Menschen oder Vieh sich darin
verirren.
In Sarhavdana, so der Name einer
Landschaft, befinden sich die Überreste zweier Kirchen. Eine
Mutter-Gottes-Kirche und Mor Osyo. Die genauere Gegend dieser beiden
Kirchen trägt ebenfalls den Namen "Mor Osyo". Prof. Hans Hollerweger
nennt die Mor Osyo Kirche Mor Esha'yo in seinem Buch "Lebendiges
Kulturerbe Tur Abdin". Die Bevölkerung von Beth Kustan aber spricht
immer von Mor Osyo. Ob es ein Synonym für Mor Esha'yo ist oder eine
Verwechselung mit einer weiter süd-östlich gelegenen Kirchenruine ist,
ist noch nicht klar. Die Kirchen wurden vermutlich vom Tatarenkhan
Timur Lenk und seine plündernden Horden, die um das Jahr 1400 Tur Abdin
heimsuchten, zerstört. Südöstlich von Sarhavdana befinden sich in der
Schlucht auf einen Hügel die Ruinen eine Kirche oder Kloster. Hier fand
man vor einigen Jahren ein altes Weihrauchgefäss.
Die mystische Landschaft "Zini"
befindet sich nord-westlich von Sarhavdana. Hier stößt man auf
beeindruckende Ruinen einer alten Zivilisation, möglicherweise den
Vorfahren der kusnoye. In hartem Felsengestein gehauene Höhlen, Brunnen
und geheimnisvolle Bauten bezeugen eine große Vergangenheit.
Die "Harbe da Hadode", Ruinen der
Schmiede, nord-westlich vom "Zini" gelegen, sind Ruinen eines alten
Dorfes. Große Säulen aus hartem Gestein "geschmiedet", stehen hier
inmitten der Häuser. Wände aus rechteckigen, tonnenschweren Steinen
lassen die Bedeutung dieses Ortes erkennen. Die meisten Wände stehen
noch fast vollständig aufrecht, die Decken hingegen sind alle
eingestürzt. Über die Bevölkerung ist nichts bekannt. Die Kusnoye
erzählen eine Legende über diesen Ort: Die Dorfbewohner sollen sich
während einer Versammlung einstimmig gewünscht haben, dass ihre Häuser
ihnen über ihre Köpfe einstürzen mögen. So soll es darauf geschehen
sein.
Geht man weiter westlich den Berg
hinauf, erreicht man die "Pirhavendo". Hier befinden sich, in zwei
Stellen, ebenfalls alte Ruinen. Etwa 1960 versuchten die Familien von
Beth Kasho-Danho und Beth Haushab diese Ruinen aufzubauen und zu
besiedeln. Die Familie Beth Haushab war zum Teil angesiedelt. Bei Beth
Kasho-Danho kam es zu Unstimmigkeiten innerhalb der Familie, weshalb
das Vorhaben zunächst verschoben wurde. Später verschlechterte sich die
Lage der Christen in der Türkei. Die Bevölkerung begann auszuwandern.
So verließ auch die Familie Beth Haushab die Siedlung.
Die "Dayrinto" nennt man die kahle
Bergseite nord-östlich vom Dorf. Hier befinden sich auch Überreste von
alten Bauten, zu denen auch die Mor Shem'un Kirche gehört. Die Decke
der Kirche ist eingestürzt. Die übrigen Ruinen dürfen viel älter sein
als die Kirche. Dort sollen einst Menschen gelebt haben. Vor langer
Zeit sollen die Kusnoye Tongefäße ausgegraben haben, die mit gelblicher
Erde gefüllt waren. Da die damaligen Gräber hofften Goldschätze zu
finden, zerstörten sie die Gefäße und gruben sie wieder ein.
Nord-westlich des Dorf, in einer
Entfernung von drei bis vier Kilometern ist eine weitere Siedlung.
Diese Siedlung wird "Beylo" genannt. Sie war bis etwa 1900 bewohnt.
Einige Kusnoye-Familien lebten dort. Die Häuser und die Kirche sind
inzwischen zerfallen. Die Familien mussten den Kurden ausweichen und
zogen nach Beth Kustan zurück. Eine davon ist die Familie Beth La'go.
Die Bevölkerung
Die Vorfahren der Kusnoye sind
vermutlich aus den verschiedenen umliegenden Siedlungen
zusammengezogen. Über die vorchristliche Glaube der Kusnoye gibt es
verschiedene Meinungen. Manche gehen davon aus, dass die
vorchristlichen Vorfahren der Kusnoye Götzenanbeter waren, weil die
"Qasroke" ein Tempel solcher Götzenanbeter gewesen sein soll. Beth
Kustan wurde wahrscheinlich wie viele andere Dörfer im Tur Abdin im 4.
Jahrhundert christianisiert. Die Kirche Mor Eliyo ist auf das Jahr 343
datiert. Eine Steintafel enthielt eine Alt-Aramäische Inschrift, die
man lange Zeit dachte, es sei römisch. Erst vor wenigen Jahren wurde
der Text entziffert und festgestellt, dass es altes Aramäisch ist. Bei
Renovierungsarbeiten wurde auch das Grab eines Mönches entdeckt.
Seit dem Einzug des Islams ins
Land mussten die Kusnoye ständig wachsam sein und die Übergriffe der
Moslems, insbesondere ab dem 15. Jahrhundert, abwehren. Beth Kustan
überdauerte viele Schicksalsschläge:
die Eroberung Tur Abdins durch
die Araber um 640, die Herrschaft des Tatarenkhans Timur Lenk um 1400
und den Genozid im "Jahr des Schwertes" 1914/1915. Ihre Hartnäckigkeit
brachte ihnen Hass und Anerkennung gleichzeitig. Kurdisch-islamistische
Extremisten lauerten ihnen ständig auf um sie hinterhältig zu töten.
Besonders im 19. und 20. Jahrhundert töteten Kurden, wie "Ali Qut" Ali
der Kurze, im Schutz der türkischen Politik, die Christen von Beth
Kustan.
Nach 1960 begann die Emigration,
zunächst nach Midyat und Istanbul und später ins Westeuropa und
Skandinavien. Die Auswanderung hat das Dorf fast entvölkert.
Gegenwärtig leben in Beth Kustan etwa 12 Familien. Gabriel Aktas ist
der Pfarrer, Bürgermeister ist sein Bruder Ibrahim Aktas. Malfono Lahdo
Acar leitet den Chor der Knaben und Mädchen.
Aramäischer Name: Bethzabday
Arabischer Name: Azech
Kurdischer Name: Hasach
Türkischer und offizieller Name seit der Ernennung zur Distrikthauptstadt: Idil
Azech befindet
sich in Südostanatolien im Grenzgebiet zu Syrien. Es liegt auf einer Linie
zwischen Mardin und Cizre. Die Entfernung Mardin-Azech beträgt 128, Azech-Cizre
30 Km.
Die Kleinstadt zählt heute rund 15000 Einwohner, überwiegend kurdische Muslime.
Vor 40 Jahren war Azech noch die Heimat Arabisch sprechender Christen. Sie sind
im Ursprung Aramäer und nahmen im Laufe der Zeit die arabische Sprache an.
Neben Arabisch sprachen die Einwohner dieser Stadt die Sprache ihrer kurdischen
Nachbarn. Wer die Schule besuchte, beherrschte Türkisch in Wort und Schrift.
Hocharabisch oder Aramäisch wurden in einer Religionsschule in der
Mariannenkirche illegal unterrichtet.
Die Geschichte der Einwohner in dieser Stadt ist vom Kampf um die Bewahrung der
kulturell-religiösen Identität inmitten einer kurdisch-muslimischen Umgebung
geprägt. Den Alltag mit den kurdischen Nachbarn bestimmten sowohl friedliche
Koexistenz und gute geschäftliche Beziehungen als auch täglicher Kleinkrieg bis
hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in
dieser Region. Unentwegt galt es, sich als christliche Minderheit zu behaupten:
unter dem langen Arm der Hohen Pforte, später unter der straff-bedingungslosen
Hand der Jungtürken und schließlich unter der Ägide gleichgültig abweisender
Beamten der Türkischen Republik. Hinter den Kulissen zogen meist die
eigentlichen Machthaber der Region die Fäden: die kurdischen Aghas. Sie waren
Fürsprecher der christlichen Nachbarn bei der Obrigkeit oder ließen sie fallen
und bekämpften die Christen im Namen der Staatmacht. Nicht selten hatten die
Aghas das Schicksal der Christen in ihrer Hand.
Heute haben bis auf wenige Familien, nahezu alle Christen Azech verlassen. Die
verschiedenen Flucht- und Auswanderungswellen werden im folgenden kurz
zusammengefasst.
Anfang des 19. Jh. leitete Schammas
Stayfo die Geschicke von Azech. Viele Geschichten und Legenden ranken sich um
seine Person. Er genoß höchste Anerkennung als außergewöhnlich mutiger,
gescheiter und zugleich bescheidener Mann. Er sah das Verderben, in das sein
Neffe Shaq Bazo die Stadt führen würde, vorher. Ungeachtet dieser Warnung
ernannten die Stadtbewohner Azechs Shaq Bazo zum Nachfolger von Semmas Stayfo
und beschworen damit die erste große Vertreibung herauf. Shaq Bazo nämlich
verweigerte dem Mire Bota, dem kurdischen Emir von Bota, der seinen Sitz in der
heutigen Stadt Cizre hatte, den üblichen Tribut. Schlimmer noch: Shaq Bazo
machte die Soldaten des Mire Bota zum Gespött und schickte sie gedemütigt
zurück. Der Mir reagierte prompt. Er überfiel Azech gemeinsam mit Mire Kora,
dem "einäugigen Emir" von Rawanduz. Der Ferman Rawenduz, wie der Überfall
noch heute unter den Leuten aus dieser Stadt genannt wird, leitete die erste
große Fluchtbewegung in der Geschichte von Azech ein. Zahlreiche Mädchen und
Frauen wurden in den Irak entführt. Es war der Auftakt zu einer jahrzentelangen
Tragödie von Flucht, Vertreibung und Auswanderung.
Immer wieder gab es bewaffnete Auseinandersetzungen mit kurdischen Stämmen.
Häufig kämpften diese im Namen der Obrigkeit, meist jedoch hatten sie ihre
eigene Unabhängigkeit im Sinn, bisweilen nur schlichte Bereicherung.
Zur Zeit des ersten Weltkriegs, als die Armenier auf der Seite Rußlands gegen
die Mittelmächte und deren osmanische Verbündete kämpften, griffen kurdische
Soldaten im Namen der Osmanen auch andere christliche Dörfer an. Zahlreiche
Dörfer wurden damals zerstört. Nur in wenigen konnte die christliche
Bevölkerung den Angriffen standhalten- Azech war eines davon. Die Alten
berichten nicht ohne Stolz über die entbehrungsreiche Zeit der
"Kurdenangriffe" während des Ersten Weltkrieges und ihren erfolgreichen
Wiederstand gegen die Angreifer. Azech wurde damals nicht zerstört, das
Vertrauen vieler Familien in ihren Ort als sichere Heimat aber war erschüttert.
Viele wanderten aus, vor allem in das nahegelegene Qamischli im heutigen Syrien
sowie in den Libanon.
Nach dem Ersten Weltkrieg verliehen
Kemal Atatürk und seine neue laizistische Türkische Republik Christen und
Muslimen die gleichen Rechte als Staatsbürger. Damit verbesserten sich die
allgemeinen Lebensbedingungen der Christen, und das Verhältnis zwischen
Christen und Muslimen entspannte sich in der Folge etwas.
Die Entspannung jedoch war nicht von Dauer. Mit dem Tod Atatürks und dem
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrten wieder schlechte Zeiten ein. Viele
Männer wurden eingezogen. Eine große Hungersnot herrschte zur Zeit der
Inflation im Tur Abdin. Hinzu kamen immer wieder Auseinandersetzungen mit
kurdischen Muslimen. In ihren Geschichten erinnern die Alten an die schweren
Hungersnot in der es nichts zu essen gab und die Not entsprechend groß war.
Hunderte Familien wanderten zu dieser Zeit in das nur 20 Kilometer südöstlich
liegende Derike (Malikiyye) im heutigen Syrien aus. Heute zählt Derike mehrere
tausend christliche Bewohner, die aus Azech ausgewandert sind.
Ein weiterer Markstein der Auswanderungsgeschichte war die Zypernkrise im Jahr
1964. Vor dem Hintergrund der griechisch-türkischen Auseindandersetzungen wurde
von seiten der Kurden auf die Christen des Tur Abdin erneut verstärkt Druck
ausgeübt. Von den damaligen Übergriffen berichten die Alten von Azech in ihren
Erzählungen von Entführungen und Morden. Wieder verließen viele Christen Azech.
Meist folgen sie bereits ausgewanderten Verwandten nach Derike und Qamischli.
Neben Handwerk betrieben die Bewohner dieser Stadt hauptsächlich Landwirtschaft.
Sie lebten vom Anbau von Getreide, Wein, Obst und Gemüse sowie von der Vieh-
und Bienenzucht. Mit Ackerbau und Viehzucht konnten keine Reichtümer angehäuft
werden. Die Äcker waren steinig und nicht übermäßig ertragreich. Plünderungen
von Feldern und Weinbergen und die Abholzung von Obstbäumen durch Kurden kamen
erschwerend hinzu. Die Lebensgrundlage der Bauern schwand nach und nach.
Als zu Beginn der 60er Jahre ein Rekrutierungsbüro in Diyarbakir Fremdarbeiter
für Deutschland anwarb, meldeten sich auch einige Männer aus Azech. Sie wollten
von Deutschland aus ihre Familien in der Heimat unterstützen, Diesem Beispiel
folgend schickten immer mehr Familien ihre erwachsenen Söhne zum Arbeiten nach
Deutschland, damit diese so zum Lebensunterhalt der Familien in Azech beitragen
konnten.
Auswanderung nach Europa hatten die Bewohner der Stadt, zum damaligen Zeitpunkt
nicht im Sinn. Zwar war das Verhältnis zu den Kurden nach wie vor kompliziert
und die ökönomische Lage der meisten Familien schwierig, aber die Mehrzahl der
Leute wollten die Heimat nicht aufgeben.
Als im Jahre 1974 im Vorfeld der Bürgermeisterwahlen auf offener Straße ein
Attentat auf den Christlichen Bürgermeister und einige einflussreiche Männer
verübt wurde, und ein Muslim sich anschickte den "traditionell"
christlichen Bürgermeister abzulösen, waren viele Christen verunsichert. In den
folgenden Jahren fand die bisher größte Auswanderungswelle, diesmal nach Europa
statt. Sie erreichte ihren Höhepunkt 1978, als ein Muslim das Amt des Bürgermeisters
übernahm. Nun sahen die meisten Christen in Azech keine Zukunft mehr. Land und
Besitz waren ohnehin übernommen worden. Was noch nicht in kurdischer Hand war,
wurde von den Auswanderern an die neuen Leute von Azech verpachtet.
Heute leben die Christen aus Azech überall, nur nicht in Azech. So lebt ein
großer Teil in Syrien, in den grenznahen Orten Derike (Malikiyye) und
Qamischli.
Größere Gemeinden haben sich in einigen Orten und Gegenden Schwedens, der
Schweiz und Deutschland gebildet. So gibt es im schwedischen Norrköping eine
Gemeinde von etwa 200 Familien, in der Nähe von Zürich (Baden und Umgebung)
etwa 120 Familien, im Tessin (Lugano, Locarno und Bellinzona) etwa 100
Familien. In Deutschland leben in Stuttgart und Umgebung etwa 100 Familien, in
Bad Vilbel und Umgebung etwa 100 Familien, in Pfullendorf etwa 100 Familien, in
Böhl-Iggelheim und Umgebung etwa 30 Familien. Einzelne Familien finden sich in
Aalen, Augsburg, Hamburg, Gelsenkirchen, Calw, Balingen und Göppingen. Auch in
Frankreich, Österreich, Italien, Australien und den Vereinigten Staaten haben
sich einzelne Familien niedergelassen.
Etwa 50 Pfarrer der syrisch-orthodoxen Kirche halten heute in ganz Deutschland
regelmäßig Gottesdienste ab und kümmern sich um das Seelenheil der Gläubigen.
1997 wurde für die syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland eine Diözese
gegründet. Die Diözese Deutschland hat ihren Sitz im ehemaligen
Dominikanerkloster in Warburg (Nordrhein-Westfalen), Oberhaupt ist Metropolit
Mar Dionosius Isa Gürbüz.
Glaube, gemeinsame Herkunft und nicht zuletzt ein eigenständiger Dialekt
vermitteln den Leuten von Azech auch in ihren neuen Gemeinden ein Gefühl der
Zusammengehörigkeit.
Bnebil liegt 12 km
östlich von Mardin an den südlichen Abhängen des Tur 'Abdin unterhalb einer
etwa 200 m hohen Felswand. Die 276 (285) Einwohner sprechen Mardin-Arabisch; 30
Familien waren
1980 noch christlich.
Ihr Priester ist Jakub Günay (geb. in Keferzi, Priesterweihe 1954). Dorfkirche
ist „Mor Jakub".
An dieser Stelle
stand in byzantinischer Zeit die Festung „Benabelon". Das aus der
syrischen Kirchengeschichte bekannte Kloster „Mor Stephanus", heute Ruine,
befindet sich in der Nähe des Dorfes .Im 16. Jahrhundert war Benabil
überwiegend christlich; seine Bevölkerung wuchs von 1518 bis 1554 um 87 auf 102
Häuser an .
Der Ort wurde im
Zusammenhang mit kopierten Handschriften und deren Kopisten mehrfach erwähnt.
Als der Missionar Pany um 1895 Benabil besuchte, erlebte er einen heftigen
Streit um ein Mädchen, das seinem Verlobten weggelaufen war, um einen anderen
Mann zu heiraten. Nur das Machtwort des Patriarchen konnte den Streit dadurch
schlichten, daß er eine größere Geldsumme an die Familie des verlassenen
Bräutigams durch den jungen Ehemann zahlen ließ.
Zwar hat der
Patriarch im fernen Damaskus heute in dieser Region kaum noch Einfluß auf sein
Kirchenvolk; der Bischof Philoxenos Hanna Dolabani aber wurde bis kurz
vor seinem Tode 1969 noch häufig bei Streitigkeiten hinzugezogen. Eine solche
Persönlichkeit fehlte den Christen im Tur 'Abdin seit der Pensionierung von
Bischof Juavannes Afrem Bilgic; sein Nachfolger Jakub AI Ain-wardi vermochte
wegen seiner häufigen Abwesenheit diese Lücke nicht zu füllen. Auch deswegen,
weil sie ihres Haltes beraubt waren, suchten die syrischen Christen vom Tür
'Abdin ihr Heil in der Auswanderung. Die weitere Entwicklung seit der Weihe
eines neuen Bischofs 1982 bleibt abzuwarten.
Quelle: Die Syrischen Christen vom Tur Abdin-
1985/Helga Anschütz
Eine große Säule der Syrisch-Orthodoxen
Kirche ist gefallen, seine Eminenz Mor Julius Cicek Metropolit Zentral-Europas
und der Benelux-Länder ist am 29. Oktober 2005 entschlafen und übergegangen von dieser irdischen
Welt zur himmlischen Welt.
Herzliches Beileid an seine Heiligkeit Moran Mor Ignatios Zakka Iwas, das
Oberhaupt der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien und den restlichen
Bischöfen und allgemein an den Klerus der Syrisch-Orthodoxen Kirche
Herzliches Beileid an die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
Herzliches Beileid an jeden Syrer/Suryoyo (Syrisch-Orthodoxen) und allgemein an
jeden Christen.
Herzliches Beileid an uns alle
Deine Gebete mögen mit uns sein unser geistlicher Vater Mor Julius Cicek !!!
Möge Gott dich würdig machen mit den Heiligen zusammen einzutreten zum Fest
deiner Himmelsherrschaft. AMEN
Das ganze syrisch-aramäische Volk trauert und
weint und bemitleidet unseren guten und wahren Hirten der Syrisch-Orthodoxen
Kirche, seine Eminenz Abun Mor J. J. Cicek.
Würdig wurde ihm der Titel "Mor Yakub des 20. Jahrhunderts" verliehen
von seiner Heiligkeit Moran Mor Ignatios Zakka des Hauses Iwas I. Der
wahrhaftig einer der Reorganisatoren der Syrisch-Orthodoxen Kirchen war. Eine
große Säule, die die Syrisch-Orthodoxe Kirche hielt und festigte ist gefallen
und gestürzt durch seinen plötzlichen Tod der über uns alle kam, sie der
unerwartete Dieb der Nacht, der Jesus selbst versinnbildlicht, wenn Jesus
seinen Engel des Todes aussendet um sein Pfandgut zu ihm zu holen.
Es ist ein großer Verlust für die Syrisch-Orthodoxe Kirche und für das
syrisch-aramäische Volk. Mögen seine Gebete uns stets begleiten.
Metropolit Mor Julius Yeshu Çiçek mit dem Aram-Preis
für die aramäische Sprache und Literatur ausgezeichnet
SOLNews – Stockholm (Januar 2004). „The Association of the
Academic Arameans“ verlieh am 12. Dezember 2003 den
Aram-Preis des Jahres 2003 seiner Eminenz Mor Julius Yeshu Çiçek, dem Metropoliten der syrisch-orthodoxen Diözese
Mitteleuropas, wegen seines großen Verdienstes an der
Belebung und Pflege der syrisch-aramäischen Sprache und Literatur. Mor Julius
schrieb eine große Anzahl syrischer Handschriften in seinem eigenen
kalligraphischen Stil ab und gab über hundert syrische Bücher heraus. Er machte
einen großen Teil der syrischen Literatur den interessierten Lesern zugänglich
und bereicherte das Studium der syrischen Sprache und Bücher, indem er den
syrischen Bibliotheken viele schöne handgeschriebene Faksimileausgaben
bescherte, so die Begründung der Jury in der ihm verliehenen Urkunde.
1. Januar 1942 - 29. Oktober 2005
Nicht nur literarisch hat sich Mor Julius Yeshu Çiçek
einen Namen gemacht, sondern auch im pastoralen Dienst für die
syrisch-orthodoxe Kirche. Seit Übernahme der Leitung der neu gegründeten
Diözese von Mitteleuropa im Jahre 1977 als Patriarchalvikar und seit 1979 als
Bischof investierte er viel Kraft in den Aufbau der Kirchengemeinden der
Diözese, welche sich über sechs Länder erstreckt: Holland, Deutschland (seit
1997 selbstständige Diözese), Belgien, Frankreich, Schweiz und Österreich. Er
erwarb vierzig Kirchen und drei Klöster: Mor Ephrem der Syrer 1981 (NL), Mor
Augin 1996 (CH) und Mor Jakob von Serug 1996 (D); er weihte zahlreiche
Priester, Diakone, Mönche, Nonnen und Subdiakone sowie Lektoren. Darüber hinaus
veröffentlichte er bislang 113 Werke und gibt seit 1978 die Zeitschrift Kolo
Suryoyo kontinuierlich heraus. Für den Bar ‘Ebroyo Verlag erwarb er 1986
eine eigene moderne Druckerei, die leider nur ungefähr vier Jahre in Betrieb
gehalten werden konnte. Wegen seiner hervorragenden Leistungen verlieh ihm der
Patriarch Mor Ignatius Zakka Iwas den Titel „Mor Jakob Burd‘ono des 20.
Jahrhunderts“ und begründete dies damit, „dass Mor Julius seine Diözese mit
großem Eifer leitet, Gemeinden baut und das syrische Volk im Glauben stärkt.
Daher ist er würdig, seinen Namen mit Buchstaben aus Licht in das Buch
der Geschichte einzutragen“. Der heilige Mor Jakob Burd‘ono († 578) war
derjenige Bischof, der die syrische Kirche im 6. Jahrhundert mit über achtzig
von ihm geweihten Bischöfen reorganisierte, als die syrische Kirche auf Grund
ihrer Verurteilung der Lehre des Konzils von Chalkedon (451) von den
Chalkedonensern massiv verfolgt wurde.
Mor Julius Yeshu Çiçek, der 1942 geboren ist, stammt
aus einer Priesterfamilie aus dem Dorf Kafro ‘Eloyto im Tur Abdin. Seine
Eltern, Priester Barsaumo und Bathqyomo Sayde, waren ab 1951 im Pastoraldienst
in der nördlich vom Tur Abdin gelegenen Region Besheriye tätig. Seine Mutter
war eine geweihte Bathqyomo (1), ein seltenes Amt in der gesamten
damaligen Syrischen Kirche, und hatte die Aufgabe, einen Priester zu
unterstützen, vor allem bei der Taufe der erwachsenen Frauen. Um seinen Eltern
bei seelsorgerlichen Aufgaben zu helfen, ließ sich Mor Julius von 1951-1955 im
Kloster Deir Za‘faran theologisch ausbilden und war zwei Jahre lang im Dienst
des gelehrten Bischofs Mor Philoxenos Hanna Dolabani († 1969) in Mardin, der
ihn durch seine Spiritualität und sein Engagement für die Herausgabe syrischer
Bücher entscheidend beeinflusste.
Er vertiefte sich in dieser Zeit vor allem in das
Studium des Syrischen und des Arabischen und erlernte auch den Umgang mit der
Druckerei. 1957 hatte er seinem Vater bei der Betreuung syrischer wie auch
armenischer Familien in den zerstreuten Dörfern des Besheriye beizustehen. Nach
Verlauf eines Jahres weihte ihn Bischof Hanna Dolabani 1958 zum Diakon und
schickte ihn in die Regionen Bitlis und Seert, wo er ca. 270 Menschen taufte
(ohne den heiligen Myron, der nur einem Priester vorbehalten ist) und sie
seelsorgerlichen betreute. Nach dem Massaker an den Syrern im Jahre 1915
blieben die wenigen Überlebenden dort ohne geistliche Betreuung und damit ohne
Empfang der heiligen Sakramente und gerieten so in Vergessenheit.
In dieser Zeit entschied sich Mor Julius für ein Leben
als Mönch. Als er 1960 in das Kloster Mor Gabriel kam, wurde er Mönch und 1969
Priester, geweiht durch den Bischof vom Tur Abdin, Mor Iwannis Afrem Bilgiç (1891-1984). Nach dem Ableben
des Abtes Şabo Güneş übernahm
Mor Julius 1962 die Leitung des Klosters und begann, wie Mor
Shmuel und sein Schüler Mor Shemun, die ersten Gründer dieses Klosters vor 1607
Jahren, das Kloster wieder zu beleben. Er renovierte die verfallenen Gebäude,
schuf Neubauten, befestigte das Kloster mit einer Mauer, gründete ein
Priesterseminar (1963), trug das Kloster und seine Immobilien ins Grundbuch des
türkischen Staates ein (1964), baute eine Autostraße (1966), versorgte das
Kloster mittels eines Generators mit dem damals in der Region nur selten
vorhandenen Strom (1972) und gab die Klosterchronik in arabischer und
türkischer Sprache heraus (1971). Um dies alles zu finanzieren und die
Klostergemeinschaft zu versorgen, unternahm er zweimal Spendenreisen: 1964 nach
Syrien und 1972 nach Europa. Während seines zwölfjährigen Dienstes bereitete
Mor Julius Yeshu das Kloster Mor Gabriel auf die Mönchsgemeinschaft und die
vielen Seminaristen vor, so dass es heute als Perle im Herzen des Tur Abdin
glänzen kann.
Das Kloster Mor Gabriel ist bekannt für die
vorbildliche Pflege der syrischen Sprache sowie dafür, dass die in ihm
ausgebildeten Seminaristen als Bischöfe, Priester und Lehrer der syrischen
Kirche dienen, wie das Kloster und seine Mönche damals im 7. und 8. Jh. die
einzigen in der Region waren, die in ihrer theologischen Haltung und weltlichen
Politik gegen die Unterdrücker der syrischen Kirche eine entscheidende Rolle
spielten.
Als Mor Julius 1973 in den Libanon reiste, um für das
Kloster Mor Gabriel eine syrische Druckerei zu erwerben und einzurichten, wurde
er unerwartet vom mittlerweile verstorbenen Patriarchen Mor Ignatius Jakob III.
(† 1980) beauftragt, die Syrer in der westlichen Diaspora zu betreuen. So kam
er 1974 nach Deutschland und hielt sich von 1975-1977 in den USA bei Mor
Athanasius Yeshu Samuel auf. Dann kehrte er wieder nach Europa zurück und
betreute von der niederländischen Stadt Hengelo aus all die zerstreuten syrischen
Gemeinden in den europäischen Ländern, deren Mitglieder in den 1960er und
1970er Jahren als Gastarbeiter zum großen Teil aus dem Tur Abdin kamen. Als die
zwei Diözesen von Mitteleuropa und Skandinavien im Jahre 1977 gegründet wurden,
übernahm Mor Julius Yeshu Çiçek endgültig die Leitung der Diözese
Mitteleuropas.
Der Aram-Preis des
Jahres 2003 ist ein deutliches Zeichen für die Anerkennung und Dankbarkeit im
Hinblick auf das geistige und literarische Werk seiner Eminenz Mor Julius Yeshu
Çiçek, der seit 45 Jahren im
Dienst der der syrischen Kirche und für die Pflege des syrisch-aramäischen Erbes
unermüdlich tätig ist.
(1) Bathqyomo wird als „Tochter des Bundes“ übersetzt
und bezeichnet eine Frau, die ein Gelübde abgelegt hat. Eine geweihte Frau mit
dieser Bezeichnung lebte ursprünglich asketisch und für den Dienst an den
Armen. Zum ersten Mal finden wir diesen Namen bei dem ältesten syrischen
Kirchenvater, Bischof Aphrahat dem Weisen (ca. 280-367), und ist nur in der
syrischen Kirche bekannt. Diese Weihe hat im Laufe der Zeit ihre Bedeutung
verloren und wird heute nicht mehr vollzogen. Jedoch wird die Frau eines
Priesters auch heute noch gewöhnlich als Barthqyomo bezeichnet, auch
wenn sie nicht geweiht ist.
Das größte und bedeutendste Kloster des Tur Abdin liegt
unweit der Stadt Mardin und trug ursprünglich den Namen Deir Mar Hanania
(Ananiaskloster). Heute wird der Komplex allgemein Deir az-Zafaran genannt, was eine Anspielung auf die safrangelbe Farbe seiner
Außenmauern ist.
Die ältesten Gebäudeteile stammen aus dem 4. Jh. n.Chr. Hierzu zählt auch das sog. Beit Qadishe (Haus
der Heiligen). Hierbei handelt es sich wahrscheinlich ursprünglich um einen
Unterrichtsraum für Medizin. In seiner heutigen Gestalt zeigt es sich
allerdings als Grabgebäude, zu dem es wohl im 13. Jahrhundert umfunktioniert
worden ist. Es sind sieben Arkosolnischen zu sehen, in denen insgesamt ca. 50
Patriarchen und über 100 Metropoliten beigesetzt sind. Die Amtsträger wurden in
vollem Ornat beigesetzt, wobei jeweils der zuletzt verstrobene sitzend
bestattet wurde. Der gesamte Raum ist von einer Kuppel überwölbt.
Aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. stammt die Marienkirche, die heute für Taufen benutzt wird. Es ist noch ein geosteter
Steinaltar mit einem Holzaufsatz (wohl aus dem 16. Jh.) erhalten. Vor diesem
Altar sind noch einige Mosaikreste zu sehen, die ins 5./6. Jahrhundert n.Chr.
datiert werden.
Die eigentliche Klosterkirche, die
dem Heiligen Ananias geweiht ist, stammt ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert
n.Chr.. Sie war ursprünglich größer, ist aber nach der Zerstörung durch die
Mongolen kleiner wieder aufgebaut worden. Es handelt sich um einen Bau mit drei
Apsiden. In großer Höhe über dem Boden befindet sich eine Holzempore, auf der die Menschen den Gottesdienst
verfolgen konnten, wenn die Kirche sehr voll war. Direkt neben dem Eingang ist
ein Fresko aus dem 9. Jh. erhalten, das den Ananias zeigt. In der Hauptapsis
befinden sich ein Metropolitenthron und der Thron des syrisch-orthodixen
Patriarchen, der auch als Patriarch von
Antiochia bezeichnet wird. Da das Kloster aufgrund der gefährlichen Situation
der Christen in der Türkei heute nicht mehr der Patriarchensitz ist (der
Patriarch lebt seit 1959 im Exil in Damaskus), wird der Patriarch durch ein
Foto repräsentiert, das den Thron ziert. Bemerkenswert ist noch ein Friesband,
das den ganzen Raum umzieht. Es zeigt Rankenmuster und korbähnliche Motive.
4.Patriarchal-Vikariat
von Adiyaman-Kharput u. Umgebung
Metropolit: Mor Gregorius Malke Ürek (seit 10.12.2006)
Mitteleuropa
1.Patriarchal-Vikariat
von Holland
Metropolit: Mor Polykarpos Avgin Aydin (seit 15.4.2007)
Erzdiözese von Mitteleuropa und Benelux (bis 28.10.2006)
Vorgänger: Mor Julius Yeshu' Çiçek († 29.10.2005)
Webseite: www.morephrem.com
1.Erzdiözese
von Schweden und Skandinavien
Metropolit: Mor Julius 'Abdalahad Gello Shabo
2.Patriarchal-Vikariat
von Schweden
Metropolit: Mor Dioskoros Benjamen Ataş
Großbritannien
1. Patriarchal-Vikariat
von Großbritannien Metropolit: Mor Athanasius Touma
Dawud Dakama
USA
1.Patriarchal-Vikariat des Ostens der USA
Metropolit: Mor Kyrilos Aphrem Kerim
Vorgänger: Mor Athanasius Yeshue Samuel
Webseite: www.syrianorthodoxchurch.org
Das älteste Kloster im TUR ABDIN ist Mar Augin, das an
den Abhängen des Izlo-Gebirges erbaut wurde. Der heilige Augin gilt als der
Begründer des monastischen Lebens im TUR ABDIN und als dessen zweiter
Missionar. Mor Augin lebte zu Konstantinos Zeiten, also im 3. Jahrhundert.
Er war bekannt für seine Teufelsaustreibungen, rettete ein Kind aus den Klauen
der wilden Wölfe im tiefen Wald und auch die von ihm bestandene Feuerprobe
lässt ihn nicht in Vergessenheit geraten. Mor Augin hatte 72 Schüler (Jünger),
darunter waren Heilige wie z.B. Mor Isayo.
Dieses in seiner langen Geschichte häufig zerstörte
Kloster wurde erst nach dem 2. Weltkrieg von den christlichen Bewohnern
der umliegenden Dörfer wiederaufgebaut. Es liegt 4 km südlich von
Harapali und etwa 20 km südöstlich von Midyat in der "Raite" oder im
"Izala", dem gebirgigen Teil des südlichen Tur 'Abdin. Am Fuße des
Hügels, auf dem Deir Mar Malke errichtet wurde, entspringt der
Av-i-Spi, ein Quellfluß des Djaghdjagh, der die Sümpfe bei Nusaybin
bildet. Obst-, Wein-, Gemüse- und Tabakanpflanzungen umgeben das
Bauwerk, ein umfangreicher Landbesitz gehört dazu.
Das von den einheimischen Christen als Wallfahrtsort
verehrte Kloster wird dem heiligen Malke, einem Verwandten des
Klostergründers Mar Augen, zugeschrieben. In der Kirchengeschichte
wurde es verschiedentlich erwähnt.
Bis vor kurzem wurden noch
manchmal Epileptiker hierhergebracht, die, an eine Kette gefesselt, in
einen tiefen Brunnen hinabgelassen wurden, wo sie mindestens 24 Stunden
verbringen mußten. Wie man mir bei meinem Besuch versicherte, seien
verschiedene Geisteskranke auf diese Weise geheilt worden.
Über diesen Ruf des Klosters berichtete schon Niebuhr
um 1760: Epileptiker seien durch die Fürbitte des heiligen Malke und
die Gebete der Mönche geheilt worden. Gertrude Bell beobachtete an eine
Kette gefesselte Geisteskranke, bei denen "wirksame
Teufelsaustreibungen" vorgenommen worden waren. Als sie zu Beginn des
20. Jahrhunderts dort war, traf sie noch einen Bischof an, der in
diesem mehrfach von Kurden geplünderten und nur noch teilweise
restaurierten Bauwerk residierte.
Bis 1981 war das Kloster dagegen
nur von Schabo Bilgic, Mönch aus dem Kloster Mar Gabriel, und einer
Familie bewohnt. (Als ich das Kloster 1968 besuchte, hatte der Mönch
Jakub Kurt /heute in Hah/ eine Klosterschule für die Dorfjugend aus den
umliegenden christlichen Siedlungen eingerichtet; sie mußte jedoch
geschlossen werden, als er das Kloster verließ.) Nach einem Überfall
der Kurden verließen alle Bewohner 1981 das Kloster.
Das früher so bedeutende Kloster hat auch besonders
in den Kämpfen zwischen Zentralregierung und kurdischen Aufständischen
in den Jahren von 1924 bis 1928 gelitten. Damals verschanzten sich die
Kurden hinter den Klo-stermauern und forderten dadurch ein Bombardement
heraus, das den größten Teil des Klosters zerstörte. Erst in den
fünfziger Jahren wurde das Bauwerk durch die benachbarte
Dorfbevölkerung wiederaufgebaut. Dabei blieb zwar die Architektur
erhalten, etwa noch vorhandene Ornamentik wurde jedoch durch den
Mauerverputz verdeckt. Als erster Mönch zog der alte Kaume mit einer
Familie in die restaurierten Räume ein. Er ist inzwischen verstorben.
Quelle: Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur Abdin, 1984
Einer der
faszinierendsten Orte in der Geschichte des frühen Christentums ist Ephesos (heute Selcuk) an der
Westküste der heutigen Türkei. Die pulsierende Metropole der Antike mit
imposanten Bauten, wie dem Artemision - einem der sieben Weltwunder - war
zugleich ein Zentrum christlichen Lebens.
Historischer Überblick
Den ältesten Fund im
Gebiet des heutigen Ephesos stellt ein mykenisches Grab aus dem 14. Jh. v.Chr.
dar; es lässt auf eine mykenische
Ansiedlung am Ayasoluk um 1500 v.Chr. schließen.
In hethitischen Quellen begegnet eine Ortschaft Apasa, in einer
Landschaft Arzawa an der Westgrenze des hethitischen Einflussgebiets. Sie
könnte mit Ephesos identifiziert werden.
Nach dem Zusammenbruch
der mykenischen und der hethitischen Herrschaft entstand eine ionische Ansiedlung. Gemäß einer Chronik aus dem Jahre 264/3 v.Chr. soll sie
am Nordhang des Koressos erfolgt sein. Der sagenhafte Stadtgründer war
Androklos, Sohn eines griechischen Königs. Eine weitere griechische Ansiedlung
mit dem Namen Smyrna befand sich entweder am Fuß des Theaters oder östlich der
heutigen Staatsagora. Daüber hinaus gab es eine Ansiedlung von Ureinwohnern um
den Kultbezirk des späteren Artemision, sowie eine karische Siedlung, die
weiter landeinwärts lag. Diese Siedlung wurde von den Griechen zerstört.
Ab 800 v.Chr. gehörte
Ephesos zum ionischen Städtebund. Im 6. Jh. v.Chr. kam es unter lydische
Herrschaft (unter Kroisos, 560 - 547 v.Chr.). Die besondere Bedeutung
des Kroisos für die Siedlungsgeschichte von Ephesos bestand darin, dass er die
Einwohner der ionischen Siedlung am Koressos zwang, mit den Bewohnern der
Ansiedlung um den Kultplatz in der Ebene zusammen zu ziehen. Er gestaltete
diesen Ort als Heiligtum der Artemis aus. Sein Ziel war es, ein Gegengewicht
gegen Milet, den großen Tempel in Didyma und das Hera-Heiligtum auf Samos zu
schaffen. 546 v.Chr. erlitt Kroisos eine Niederlage gegen die Perser, und
Ephesos wurde persisch. Es war nicht am ionischen Aufstand beteiligt.
386 v.Chr. gelangte Ephesos unter persische Oberhoheit, nach der Schlacht am Granikos (334) wurde es
makedonisch-griechisch, nachdem es zwischenzeitlich auf die Seite der Griechen
übergewechselt war und dem attisch-delischen Seebund angehört hatte.
Um 300 v.Chr. gehörte Ephesos - nach der Konsolidierung der
Diadochenreiche - zum Machtbereich des Lysimachos. Auch
Lysimachos lenkte die Siedlungsgeschichte in besonderem Maße. Zwischen Pion und
Preon gründete er eine neue Stadt, die er nach seiner Frau Arsinoe nannte. Die
Bewohner der bisherigen Ortsanlage um das Artemision herum siedelste er dorthin
um, auch die Einwohner von Teos, Lebedos und Kolophon zwang er, sich zu Gunsten
der neuen Stadt dort anzusiedeln. Der Grund für die Neugründung war in erster
Linie der verlandete Hafen von Ephesos. Darüber hinaus wurde das alte Siedlungsgebiet
häufig überschwemmt, und der Grundwasserspiegel stieg. Den Namen Arsinoe trug
die Stadt nur kurze Zeit und wurde bald wieder Ephesos genannt.
281 v.Chr. wurde die Stadt seleukidisch, kurzfristig auch ptolemäisch. 188 v.Chr. gehörte sie zu Pergamon, 133 v.Chr. wurde sie zur römischen Provinz.
Zwar hatte Ephesos noch einige Privilegien, aber durch das Steuersystem wurde
es ausgebeutet. Nachfolgend eroberte Mithradates VI. die
Stadt, wurde aber von Sulla besiegt. Es folgte der römische Bürgerkrieg und 31
v.Chr. die Neuordnung des Römischen Reichs. Ephesos war Hauptstadt der Provinz Asia und die Steuererhebung stand unter direkter Kontrolle des
Augustus, so dass der Missbrauch eingeschränkt wurde.
Ab 220 n.Chr. kam es zum langsamen Niedergang des Römischen Reichs. 262 n.Chr. wurde Ephesos von den Goten von See her angegriffen und geplündert. 431 n.Chr. fand das Konzil von Ephesos statt.
Die Verlandung des Hafens und die zunehmende Versumpfung der
Umgebung förderte die Malariagefahr. Im 6. Jh. n.Chr. entstand daher die
Siedlung auf dem Ayasoluk, unterhalb der Johannesbasilika. Dort gab es zudem
eine größere Sicherheit vor arabischen Piratenangriffen.
Ende des 11. Jh. folgt der nächste größere Einschnitt: Die Seldschuken siegten 1071 in der Schlacht bei Malazgirt über Ostrom. Ephesos
wird 1090 für kurze Zeit seldschukisch. 1147/48 überwinterte Konrad III.
während des 2.
Kreuzzuges in Ephesos, 1304 wurde Ephesos
wieder seldschukisch, 1389 osmanisch. 1402 wurde es durch die Mongolen erobert
und 1426 endgültig osmanisch und bedeutungslos. Der heutige Ort Selcuk wurde im
20. Jh. gegründet.
Die Forschung am Lukasgrab, das sich in der Nähe des
Magnesischen Tores befindet, ist noch nicht abgeschlossen, es ist aber
gesichert, dass dieses Bauwerk zwei
wesentliche Bauphasen erlebt hat. In der ersten Phase handelte es sich um eine römische Brunnenanlage, einen Monopterusbrunnen, der in der Mitte des 2. Jh. n.Chr.
errichtet worden war. Das Podium hatte einen Durchmesser von 15,15 m. Auf der
Sockelmauer sind 16 Pfeiler errichtet worden, die mit Orthostatenplatten
verkleidet waren. Bei den Ausgrabungen wurde an der aus byzantinischer Zeit
stammenden Südtreppe eine dreisträngige Wasserleitung freigelegt, die auf den
Mittelpunkt des Rundbaus zulief. Diesen bildete ein Mittelpfeiler, der innen
hohl war. Die Zugänge befanden sich an der Ost- und Westseite, die heute
byzantinisch überbaut sind. An der Nordseite zwischen zwei Pfeilern hat sich
ein in den Boden eingelassenes Wasserbecken (70 x 35 x 50 cm) zum Ablauf des
Brunnens befunden.
Auffällig sind die
T-förmigen Verlängerungen der Säulenfundamente in Richtung Mitte. 14 Zwischenräume
waren von außen durch Türen zu betreten, von denen vier in den Umgang um die
Mittelsäule führten, die übrigen führten in Kammern, die hinten verschlossen
waren. Die Nutzung dieser Kammern ist unklar. In der 1. Hälfte des 5. Jh. n.Chr. wurde die römische
Brunnenanlage byzantinisch
umgestaltet.
Eine Unterkirche im östlichen
Sockelbereich und eine oberirdische Kirche entstanden.
Dazu wurde die Brunnenanlage nicht nur durch den Einbau einer ringförmigen
Fundamentmauer erweitert. Auch entstanden ein Narthex an der Stelle der
westlichen Treppenanlage und eine Apsis an der östlichen Treppenanlage. Damit
der Kirchenraum der Unterkirche, für den die radialen Mauern im östlichen
Sockelbereich entfernt wurden, eine hinreichende Raumhöhe erhielt, wurde das Bodenniveau
um 40 cm tiefer gelegt. Der Zugang zur Unterkirche lag zwischen Säule 12 und
13. Er war von zwei Pfeilern mit Kreuz bzw. Stier und Kreuz umgeben. Bei den
Pfeilern handelt es sich um Spolien; auf der Seite des Pfeilers mit Kreuz und
Stier ist noch eine ausgeschlagene Personendarstellung zu erkennen, womöglich
eine Person im Redegestus.
Im Jahre 431 n.Chr. tagte das 2. Ökumenische Konzil in der Marienkirche, die durch den Umbau der Südhalle des Temenos
des Olympieion entstand. Die besonders repräsentativ gestaltete dreischiffige
Halle war 263 m lang. Sie bot sich zu dem Umbau in eine Kirche an.
Die sogenannte
Paulusgrotte ist eine 7 x 3 m große Höhle, von der aus ein ca 15 m langer Gang
in den Berg hinein führt. Die Paulusgrotte trägt diesen Namen aufgrund eines Freskos mit der Darstellung von Paulus, das sich an der
westlichen Längswand befindet. Zu Beginn des Ganges ist zunächst eine Darstellung
Abrahams mit Isaak zu finden. Die Fresken wurden von Hirten, die diese Höhle
als Unterstand und Feuerstelle nutzten, mit einer Kreideschicht versehen. Vor
der christlichen Nutzung dieser Grotte scheint sie auch bekannt gewesen und
genutzt worden zu sein. Darauf lässt eine Gipsschicht unter den Fresken
schließen, die zwar nicht bemalt wurde, auf der aber noch Fingerabdrücke und
Graffiti zu erkennen sind. Die Fresken stammen aus dem 6. Jh. n.Chr. Am Eingang kann man auf einem roten Hintergrund eine Fürbitte
lesen. Im Gang befindet sich ein Fresko, das die Legende von Paulus und Thekla wiedergibt.
Paulus ist recht ungewöhnlich dargestellt, nämlich
mit geteiltem Bart. Damit soll er vermutlich als jüdischer Schriftgelehrter
dargestellt werden. Links von ihm ist im Obergeschoss eines Hauses am Fenster
Thekla zu sehen, die der Predigt des Paulus zuhört. Auf der anderen Seite ist
Paulus von Theokleia flankiert, die nach den apokryphen Paulus- und Theklaakten
ihre Tochter davon abzuhalten versucht, den asketischen Predigten des Paulus
zuzuhören und zu folgen. Der erwähnte Gang führt zu einer weiteren Höhle. Am Ende des
Ganges waren wohl vor dem eigentlichen Altarraum Chorschranken angebracht. In
der Mitte des Altarraums ist Christus dargestellt, rechts und links von ihm
sind jeweils drei lebensgroße Gestalten mit einem Nimbus abgebildet.
Einer Legende nach sollen sieben Männer während der Decischen Verfolgung (249-251)
in eine Höhle geflüchtet sein, in der sie dann von den Verfolgern eingemauert
wurden. Unter Theodosius II. (408-450) sollen diese Männer wieder
hervorgekommen sein. Ebenso wie viele andere Orte, beansprucht auch Ephesos für
sich, Schauplatz dieses Vorfalles gewesen zu sein. In der Höhle sind heute noch 10 Grabkammern zu erkennen.
Über diesen ist wohl gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr. eine Kirche
errichtet worden, die mit der unterirdischen Anlage über eine Treppe im
nördlichen Vorhof verbunden war. Am Eingang des Coemeteriums befindet sich ein
Sarkophag, der als letzte Ruhestätte der Maria Magdalena
verehrt wird.
Epehsos ist geprägt von einer sehr starken Johannes-Tradition (die Gelehrten streiten darüber, um welchen Johannes es sich
handelt. zur Auswahl stehen u.a. der Jünger Johannes, der Verfasser der
Apokalypse, der sog. Presbyter Johannes, der Zebedaide Johannes...). Eine
Grablege auf dem Ayasoluk-Hügel wurde von den frühen Christen als die letzte
Ruhestätte dieses Johannes verehrt, und so wurde bereits im 4. Jh. n.Chr. ein Memorialbau mit Basilika über dem Grab errichtet. Justinian ließ die vorhandenen Bauten im 6. Jh. niederreißen, um eine neue
Basilika zu errichten. Diese orientierte sich architektonisch stark an der
Apostelkirche in Konstantinopel. Es handelt sich dabei um eine
Kreuzkuppelkirche in Form eines lateinischen Kreuzes, deren Hauptkuppel sich
direkt über der Grablege erhob. Das Baptisterium des
Vorgängerbaus wurde beibehalten. Auch heute noch sind in zahlreiche
Bodenmosaiken zu erkennen, und auch das Taufbecken ist noch erhalten.
Dieser
Ort liegt mit seinen mehrheitlich christlichen 1520 (1426) Einwohnern 10 km
südlich von Midyat an dem alten Verkehrsweg Midyat-Nusaybin auf einem
Kalkfelsen. In neuester Zeit erhielt der 1968 noch rein christliche Ort
muslimischen Zuzug. 1980 lebten hier noch 120 christliche Familien.
Im
Dorf stehen mehrere alte Kirchen und ein Kloster: "Mar Kyriakos"
(Priester: Ibrahim Özkaya, geb. 1924, Priesterweihe 1953, Landwirt. Er wanderte
1979 in die Bundesrepublik Deutschland aus und lebt heute im Frankfurter Raum.)
- "Mar Eschaya" (Priester bis 1973: Abdulahat Isik, geb. 1895,
Priesterweihe 1927, gest. 1973. Sein Nachfolger wurde Priester Aho). Im Kloster
"Mar Schimun" werden nur an besonderen Feiertagen Gottesdienste
abgehalten. Mehrere Kirchenruinen befinden sich in der Umgebung des Ortes, u.a.
noch die Überreste der Kirche "Mar Gewergis".
Enhil gehört zu den größten Dörfern des Tur 'Abdin und beherrscht dessen
südlichen, "Raite" genannten Teil. Einige Läden und Handwerksbetriebe
haben sich hier angesiedelt.
Enhil war auch in der Geschichte ein bekannter Ort. Aus dem Mittelalter haben
mehrere Handschriften, darunter zwei Bücher mit Heligenviten aus dem 9.
Jahrhundert, die wechselvolle Geschichte überdauert. Seit dieser Zeit fand der
Ort unter verschiedenen Namen häufige Erwähnung (Bet Nahle an-Nahl - Deboraita
- Anchill - Anhel - Enhil). In den Katasterbüchern des 16. Jahrhunderts wurde
Enhil unter den reichen, christlichen Siedlungen aufgeführt. Seine
Einwohnerzahl stieg zwischen 1526 und 1570 von 68 auf 108 Familien.
Im 17. Jahrhundert gingen aus Enhil ein
Sonderpatriarch und ein Maphrian hervor; im 19. Jahrhundert war es
Bischofssitz. 1821 wurde ein Maphrian aus Enhil von Kurden getötet. Mehrere
Kopisten und Autoren stammten noch im 19. Jahrhundert aus diesem Dorf;
Kurdenscharen unter der Führung von Massur Beg plünderten und brandschatzten
Enhil 1855; dabei kamen drei Priester um.
Von diesen Kriegsereignissen erholte sich das Dorf nur schwer und wurde deshalb
von den verschiedenen europäischen Reisenden für unbedeutend gehalten. Preusser
beschrieb es sogar als "echtes Räubernest", das von "wild
aussehenden Kurden" bewohnt war.
Wegen seiner günstigen Lage konnte Enhil im 1. Weltkrieg erfolgreich verteidigt
werden; während der Kämpfe wurden ein Bischof und viele Dorfbewohner getötet.
Im Zusammenhang mit der kurdischen Rebellion nach dem Krieg erlitt Enhil durch
den kurdischen Führer Hadjo erneute Brandschatzungen. Nach der Vertreibung der
Kurden aus Beirut 1976 belagerten die Rückwanderer wochenlang das Dorf und
veranlaßten viele Christen zur Flucht nach Europa.
Quelle: Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur Abdin, 1984
"Gabriel, der guten Männer Haupt,
der erweckte die Toten und der befreite
alle Besessenen, war ein Segen!"
Der heilige Gabriel ist der berühmteste
Sohn Beth Kustans und der Hauptheilige des Tur Abdin. Sein Leben stellt
einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Klosters von Kartmin dar, das
später nach ihm benannt wurde. Von diesem Kloster aus leitete er zwei Diözesen,
die von Tur Abdin und jene von Dara. Während der Eroberung Tur Abdins durch die
Araber handelte er mit dem raschidischen Kalifen Umar einen Vertrag aus, der
die Rechte der Christen in diesem Gebiet sicherte.
In der Erinnerung lebte Mor Gabriel als ein heiliger Mann, dem Propheten Elia
gleich. In der Chronik von Kartmin lesen wir, dass er mit Gottes Hilfe drei
Tote zum Leben erweckte: Seinen Freund und Abt des Klosters "Dayro
Daslibo", den Sohn einer Witwe aus Sigun und einen Jungen aus Olin.
Im Alter von 70 Jahren schickte der Heilige
Gabriel einige Männer mit Ochsen nach Beth Debe (Badebe), um einen Stein ins
Kloster zu transportieren. Der Stein war so schwer, dass die Ochsen ermüdeten
und vier Meilen vor dem Ziel aufgeben mussten. Als der Heilige Gabriel den
schweren Stein sah, befahl er allen Leuten im Kloster, beim Transport des
Steines mitzuhelfen. Auf diesen Befehl Gabriels verließen sogar die Toten ihre
Ruhestätte um mitzuhelfen.
Er sah sie voller Verwunderung an, denn er hatte diese Männer noch nie zuvor im
Kloster gesehen. Als sie ihm erzählten, dass sie Tote seien und auf seinen
Befehl auferstanden sind, warf sich der Heilige vor ihnen nieder und bat um
Vergebung.
Auch ein Besessener, der im Kloster angekettet war, befand sich unter ihnen.
Die Toten hatten ihn von seinen Fesseln befreit. Auf ihre Gebete und mit Gottes
Hilfe wurde der schwere Stein schließlich ins Kloster transportiert und in der
großen Kuppel der Theodora abgelegt.
In einem Traum sah er, dass seine Zeit zu sterben gekommen war. Er rief seine
Schüler zu sich und begann zu beten und zu bitten für alle, die im Namen Gottes
leben. Am 23. Dezember 668 starb der Heilige Gabriel um 9 Uhr im Alter von 74
Jahren.
Die gesamte Bevölkerung Tur Abdins nahm an seiner Beerdigung teil, darunter
auch 10 Bischöfe, 2700 Priester und Ministranten. Wegen des großen Andranges
wurde dabei ein 10-jähriger Junge zu Tode getrampelt. Auf seine Fürbitten
wurde der Junge wieder zum Leben erweckt. Die Legende sieht in Mor Schemun
d-Zayte (Simon von den Oliven) diesen Knaben.
Die bemerkenswertesten Taten des Heiligen
Gabriels sind aber diejenigen, die er nach seinem Tode bewirkte und zwar
mittels seiner Reliquien: Übernatürliche Energie schien aus seinen Knochen
hervorzutreten, besonders aus dem rechten Arm und den Fingern der rechten Hand.
Als die Pest im Tur Abdin wütete, wurde der Leichnam Gabriels exhumiert und
aufrecht in der Kirche aufgestellt, um der Pest ein Ende zu erbitten. Sein
rechter Arm wurde abgetrennt und nach Hah gebracht, um auch dort ein Ende der
Pest herbeizuführen. Und so geschah es auch.
Dieses Wunder geschah 126 Jahre nach seinem Tod.
Ihm sind drei Feiertage gewidmet: der 23.
Dezember, der Neue Sonntag sowie der 31. August.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem
Heiligen Geist, der dich, Heiliger Gabriel, auserwählt hat.
Mehr über das Leben dieses großen Mannes:
» Die Geschichte von Mor Schmuyel, Mor Schemun und Mor Gabriel von Dr.
A.Palmer., Verlag Bar Hebräus, Losser-Holland, 1983
» Die Geschichte des Klosters Mor Gabriel von F.Y. Dolabani, Bar
Hebräus-Verlag, Losser-Holland, 1991.
Zu
den ältesten noch heute bestehenden Klöstern gehört Mor Gabriel
(Qartmin),
eine Gründung des 4. Jahrhunderts sowie das Ananiaskloster ("Dayr
Za'faran") mit der Kirche aus dem 6. Jahrhundert, das für Jahrhunderte
auch Sitz des Patriarchen bzw. Gegenpatriarchen der Jakobiten war.
Beide Klöster
sind bis heute Bischofssitze der Syrisch-orthodoxen Kirche.
"Gesegnet bist du, Kloster der Heiligen Samuel und Simon! Schätze des Lebens erfüllen deine Mauern. Zwölftausend sind im "Haus der Heiligen", Achthundert, die aus Ägypten kamen. Berühmt und gefeiert heiliger Bischof Gabriel! Zugleich verherrlicht ihr Heiligen Aksenoyo und Simon von den Oliven. Halleluja! Ihre Gebete mögen unsere Hilfe sein."
Das Kloster Mor Gabriel, vor 1600 Jahren (397) von Samuel
gegründet, zeichnet sich dadurch aus, dass es eines der ältesten, wenn nicht
das älteste bestehende Kloster der Welt ist. Um mindestens 400 Jahre älter als
eines der Athosklöster, reicht seine Gründung hinter die des Klosters Mar Saba
in Palästina um etwa 80 Jahre und die des Katharinenklosters am Sinai um 150
Jahre weiter zurück. Das bedeutet, dass die Mönche und Nonnen des Klosters Mor
Gabriel, die dort heute das monastische Gebet singen, eine Tradition
fortsetzen, die, wenn man von einigen Perioden absieht, in denen das Kloster
einem Überfall zum Opfer gefallen und für einige Zeit verwaist war, sich über
einen Zeitraum von etwa 1500 Jahren erstreckt.
Schon aufgrund dieses Umstandes verdient das Kloster Mor Gabriel von der
gesamten christlichen Welt in Ehren gehalten zu werden. Für die
Syrisch-Orthodoxe Kirche aber hat das Kloster eine besondere Bedeutung, da es
ein Zentrum syrisch-orthodoxer Liturgiesprache und Tradition bildet. Über die
Jahrhunderte hinweg sind viele berühmte Namen mit dem Kloster verbunden, wie
Mor Aksenoyo (Philoxenos), Mor Shemun d-Zayte (Simeon von den Oliven), Mor
Gabriel aus Beth Kustan, dem das Kloster seinen gegenwärtigen Namen verdankt,
und viele andere.
Ein Zeugnis der Bedeutung des Klosters als kulturelles Zentrum über die
Jahrhunderte hinweg stellen die vielen Manuskripte dar, die von hier ihren Weg
in Bibliotheken des Westens gefunden haben. Ein frühes Beispiel dafür ist das
schöne Estrangelo Manuskript, das die biblischen Bücher Esra und Nehemia
enthält. Es wurde von einem gewissen Emmanuel im Herbst des Jahres 770 kopiert.
Im Mittelalter befand sich dieses Manuskript, wie einige andere, die im Kloster
entstanden waren, in der Bibliothek des syrischen Klosters in der Nitrischen
Wüste. Heute befindet es sich in der British Library.
Die British Library besitzt auch ein anderes wichtiges Manuskript, das in Mor
Gabriel geschrieben wurde. Dieses enthält ein theologisches Kompendium des Bar
Hebräus mit dem Titel "Das Buch der Strahlen". Dieses wurde von einem
gewissen Barsaumo im Jahre 1364 kopiert, weniger als ein Jahrhundert nach dem
Tod des Autors. In jüngster Zeit spielt das Kloster eine sehr wichtige Rolle,
indem es Syrischlehrer für syrisch-orthodoxe Gemeinden für viele Teile der Welt
zur Verfügung stellt.
Die Schule wurde 1956 durch Abt Shabo Gurash wiederbegründet; sie hat sich
unter seinen Nachfolgern sehr ausgeweitet: Abt Yeshu Cicek (von 1962-1973,
jetzt Metropolit Mor Yulius) und Abt Samuel Aktas (ab 1979, jetzt Metropolit
Mor Timotheos).
Es erübrigt sich festzustellen, dass der Erfolg jeder Schule von den Lehrern
abhängt. Im Falle der Schule von Mor Gabriel ist dem Direktor Malfono Isa
Gülten für seine unermüdliche Arbeit und sein Engagement in besonderer Weise zu
danken.
Die Legende von der Gründung des Klosters Mor
Gabriel findet man in der Lebensgeschichte der Heiligen Samuel und Simon. Diese
beginnt so:
Gegen Ende des 4. Jahrhunderts verließ Samuel, der aus Esthin in der Nähe von
Savur stammte, in jungen Jahren sein Dorf und seine Verwandten und fasste den
Entschluss, allein als Mönch zu leben. Er zog sich in die
Einsamkeit am Umrin Berg in der Nähe von Nusaybin (Nsibin) zurück und
verbrachte dort zehn Jahre in Gebet und Betrachtung. Als die Perser das Gebiet
eroberten, zog er nach Osten und erbaute bei einer Quelle in der Nähe
von Kartmin eine einfache Behausung aus Stein. Durch ein Wunder heilte er ein
Kind mit Namen Simon, das von einer bösartigen Krankheit befallen war. Er nahm
Simon als seinen Schüler zu sich.
Der heilige Samuel liebte die Einsamkeit. Deshalb zog er weiter weg vom Dorf
und nahm Simon mit sich. Die beiden Heiligen wanderten in nordöstlicher Richtung.
Während sie auf ihrem Weg Psalmen beteten, gelobten sie, dort ein kleines
Kloster zu bauen, wo sie das ganze Buch der Psalmen beendet hätten. Als sie
alle Psalmen gesungen hatten, waren sie, nur einen Steinwurf entfernt, bei den
Ruinen eines heidnischen Tempels angelangt. Wie sie kurz zuvor versprochen
hatten, blieben sie an dieser Stelle. Die beiden Heiligen, die von ihrer
Wanderschaft sehr müde waren, fielen in einen tiefen Schlaf. Sie nahmen sich
vor, beim Anbruch des Tages mit der Errichtung ihres Klosters zu beginnen.
Als sie in tiefem Schlaf versunken waren, erschien dem Simon ein Engel des
Herrn in der Gestalt des heiligen Samuel: "Simon, mein Sohn, steh auf!
Lasst uns das Fundament für das Kloster legen!" Simon stand auf und
ging mit dem Engel. Der Engel wies auf einen Stein im Westen und sagte: "Das
soll das nördliche Tor sein." Der Engel bezeichnete dann einen Stein
in südlicher Richtung und sagte: "Und das soll das südliche Tor
sein."
Dann gab der Engel dem Simon eine Messschnur und die beiden maßen eine
ausgedehnte Fläche ab: von Ost nach West und von Nord nach Süd. Als der heilige
Simon sah, wie groß der Platz war, wunderte er sich und fragte bei sich selbst:
"Warum einen so großen Platz für zwei Menschen?" Der Engel
wusste, was er dachte und sagte: "Mach dir keine Sorgen! Das wird in
Zukunft der Ort sein, wo viele Menschen beten und wohnen werden! Hast du nicht
von der Offenbarung gehört, die der Prophet Sacharja erhielt? Dort heißt es:
'Lauf und sag dem jungen Mann dort: Jerusalem wird eine offene Stadt sein wegen
der vielen Menschen und Tiere, die darin wohnen'. (Sach 2,8) Ebenso heißt es:
'Die künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die frühere'.
(Hag 2,9)." Daraufhin sagte Simon: "Gut, aber wer wird ein so
großes Haus bauen?" Der Engel nahm einen großen Stein und hob ihn etwa einen Meter in die Höhe
und sagte: "Die Kraft, die diesen Stein mitten in der Luft hält, wird
diesen Bau errichten."
Nachdem der Engel und der heilige Simon das Fundament gelegt hatten, kehrten
sie zu dem Platz zurück, wo Samuel schlief. Der heilige Simon legte sich wieder
schlafen ohne bemerkt zu haben, dass es ein Engel gewesen war. Dann wachte der
heilige Samuel auf. Sobald er sein Gebet beendet hatte, weckte er den heiligen
Simon auf und sagte: "Steh auf, mein Sohn, lasst uns Steine sammeln,
die wir brauchen, um das Haus des Gebetes zu bauen." Der erschöpfte
Schüler aber sagte: "Meister, die ganze Nacht haben wir gearbeitet und
das Fundament gelegt. Wir haben doch drei Steine als Markierung an verschiedenen
Stellen aufgestellt." Als er das hörte, begriff er, dass Simon eine
Erscheinung gehabt hatte. Er sagte: "Gut, dann gehen wir zu diesem
Platz und setzen unsere Arbeit fort." Als sie dort ankamen, sah der
greise heilige Samuel den Stein in der Luft schweben und hatte eine große
Freude. Sie begannen miteinander mit der Errichtung des Hauses des Gebetes.
Dies trug sich im 708. Jahr nach Alexander dem Großen, dem Sohn Philipps von
Mazedonien (d.i. im Jahr des Herrn 397) und zur Zeit Falabyanos, dem Patriarchen
von Antiochien.
Quelle: Yuhanon Dolabani,Geschichte
des Klosters Mor Gabriel, Mardin 1959
Gertrude
L(owthian) Bell (* 14. Juli 1868 in Washington Hall, County Durham;
† 12. Juli 1926 in Bagdad) war eine britische
Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin,
Archäologin, Alpinistin und politische Beraterin. Auf Grund
ihrer auf einer Reihe von Reisen gewonnenen Kenntnisse des Nahen und
Mittleren Ostens spielte sie ebenso wie der als Lawrence von Arabien
bekannt gewordene Thomas Edward Lawrence während und nach dem
Ersten Weltkrieg eine große Rolle in der politischen
Neuordnung dieser Region.
Als zunächst inoffizielle
Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes, später als
politische Verbindungsoffizierin und Orientsekretärin war sie
maßgeblich an der Gründung des heutigen Iraks
beteiligt und gehörte zu den engen Vertrauten des irakischen
Königs Feisal. Auch an der Entstehung des
archäologischen Museums in Bagdad hatte sie wesentlichen
Einfluss.
Quelle:wikipedia
Etwa 30 km östlich von Midyat liegt das Kloster Hah. Besonders die der Maria geweihte Klosterkirche ist bemerkenswert. Wie alle Marienkirchen des Tur Abdin wird sie
auch El Adhra genannt (etwa "die Verehrte"). Hierbei handelt es sich
um einen kubischen Bau, der ursprünglich von einer großen Kuppel überwölbt
wurde. Heute lassen sich zwei Bauphasen ausmachen: Der untere Teil bis zur
ersten Arkadenreihe im Giebel, auf dem früher die Kuppel ruhte, ist sehr alt,
lässt sich aber nur schwer datieren. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts
wurde das obere Stockwerk vollständig erneuert und mit einer weiteren
Arkadenreihe ergänzt, auf die eine neue, kleinere Kuppel gesetzt wurde.
Der Legende
nach haben sich hier 12 Könige aus dem Orient getroffen (die
μάγοι απο
ανατολων aus Mt 2,1), aus
denen drei ausgewählt wurden, um das
Jesuskind anzubeten. Als sie dies getan hatten, nahmen sie ein
Stück der Windel
Jesu mit und versuchten, diese unter sich aufzuteilen. Doch es war
ihnen
unmöglich, die Windel zu zerteilen. Als sie sie daraufhin
verbrennen wollten,
wurden aus dem Windelstück drei Amulette, die auf der Vorderseite
je einen
König und auf der Rückseite ein Abbild Marias zeigten. Aus
diesem Anlass
gründeten die drei Könige an diesem Ort die Marienkirche.
Das Kirchengebäude
gehört zum Typus der Querschiffkirche. Vorgelagert ist ein weiteres Querschiff,
das eine Art Narthex bildet. Biede sind mit je einer Quertonne überwölbt, wobei
diese im Hauptschiff durch die Kuppel durchbrochen wird. Diese wird vom Oktogon
durch Trompenbögen zur vollkommenen Rundung geführt. An das eigentliche
Kirchenschiff schließt sich im Osten eine Apsis an, in der sieben Nischen durch reich verzierte
Blendarkaden aus der frühesten Zeit dieser Kirche gebildet werden.
Der Bischofssitz der ersten
Diözese vom
Tur Abdin war Hah, damals die Metropole vom Tur Abdin und
Königsstadt.
Hier ist
auch die älteste christliche Kirche (Mutter-Gottes-Kirche), die nach
aramäischen Bewohnern von Hah von den aus Betlehem zurückkehrenden
Königen
gebaut wurde.
Die
Kirche Mor Schemun am Ostrand des Dorfes Habsus sieht man schon von weitem,
wenn man von Midyat kommt. Man betritt durch den an der Südseite vorgelagerten
Hof eine später hinzugefügte Vorhalle, von der aus man durch eine Türmit
reichverziertem Rahmen in den Narthex gelangt.In Habsus wurde um die Mitte des
7. Jahrhunderts Mor Schemun d-Zayte, der Erbauer der Kirche, geboren.
Er
wurde Abt von Mor Gabriel und im Jahre 700 Bischof von Harran. Er starb
734.Eine später entstandene Legende sieht in ihm den Knaben vom Kloster Mor
Gabriel, der bei der Beerdigung des Abtbischofs Gabriel wegen des großen
Andranges zu Tode getrampelt, aber auf dessen Fürbitte wieder zum Leben erweckt
wurde. Er wird „d-Zayte" (von den Oliven) genannt, weil er in der Ebene
südöstlich vom Turabdin 12.000 Olivenbäume gepflanzt hat. Das war ein so
gewinnbringendesUnternehmen, daß das Kloster, sein Dorf und der ganze Turabdin
im späten 8. Jahrhundert wohlhabend wurden.
Hah liegt 29 km östlich von Midyat im Zentrum einer
fruchtbaren, hügeligen Landschaft, die von kleinen Wäldchen, Obst-, Walnuss-
und Mandelbäumen und Weinfeldern geprägt ist. Ruinenfelder umgeben den Ort
kilometerweit. Obwohl es auch im Norden des Tur-Abdin und in einem Gebiet
liegt, das heute hauptsächlich von Kurden beherrscht wird, nimmt es doch im
Bewusstsein der Syrern einen solchen Platz ein, dass es von ihnen trotz aller
Schwierigkeiten noch gehalten wird. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen war
Hah früher bis in den christlichen Jahrhunderten eine der bedeutendsten Städte
und Zentren Tur-Abdins.
Der Name Hah stammt vom vorchristlichen Namen Habhi(a).
Dieses war früher möglicherweise die Bezeichnung auch für die umliegende
Region/Land, das dem heutigen Tur-Abdin entspricht. Die Formulierungen Habi,
Habhi oder Habhia kommen bereits zur Zeit des assyrischen Plünderers
Assurnasirpal II. vor, der die aramäische Bevölkerung vom Tur-Abdin im Jahre
879 v. Chr. tyrannisierte. Kirchengeschichtlich spielte Hah, einst die größte
Metropole Tur-Abdins, eine nicht geringere Rolle: Sie war die erste Diözese im
Tur-Abdin; erst 1089 wurde das Gebiet in die zwei Diözesen Kloster Mor Gabriel
und Hah aufgeteilt.
Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts residierten hier nicht
weniger als 18 Bischöfe. Die bekanntesten Autoren, die aus Hah stammten, waren
u.a. Metropolit Sargis (Serkis), Sohn des Priesters Qar`uno († 1508), Priester
Yeschu` Bar Kaylu († 1309) und nicht zuletzt der berühmte Priester Saliba Bar
Khayrun († 1340), der das Kalendarium der Syrischen Kirche gänzlich erneuerte.
Von einer ehemals großen Metropole wurde Hah schließlich ein kleines Dorf. Um
1870 lebten in Hah 81 und heute nur noch 18 syrisch-aramäische Familien bzw.
114 Seelen (Stand: Juli 2002). Die meisten Bewohner von Hah wanderten in den
1980er Jahren nach Europa, die meisten von ihnen wohnen in
Bietigheim-Bissingen. Das Dorf hat ab 1984 Strom, Telefon und fließendes
Wasser. Die syrisch-orthodoxe Gemeinde wird heute vom Mönch Musche Gürbüz
seelsorgerisch betreut.
Dieser Bezirksort
blickt auf eine große Vergangenheit zurück, besteht jedoch heute größtenteils
aus Ruinenfeldern, einigen alten Bauten, mehreren neuen Häusern und
Höhlenwohnungen. Er liegt 50 km nördlich von Midyat und ist seit jeher ein
wichtiger Tigris-Übergang gewesen. Die neu angelegte und asphaltierte Straße
Midyat - Batman - Diyarbakir hat Hasankeyf mit einer neuen Brücke wieder an das
Verkehrsnetz angeschlossen. Fluss aufwärts stehen die Überreste der mächtigen
Brücke aus frühosmanischer Zeit. In dem engen Tal mit dem rasch dahinströmenden
Wasser ist nicht viel Platz für die Siedlung.
Südlich der Brücke
drängt sich die Altstadt mit dem Bazarviertel um eine Moschee aus der
Orthokidenzeit (14. Jahrhundert). Das Minarett ist mit Inschriften und
Schlangenornamenten versehen; früher war das würfelförmige Hauptgebäude der
Moschee eine Kirche. Oberhalb der Altstadt erreicht man auf einem gewundenen
Pfad eine Schlucht mit großen Höhlen; früher lag hier der Hauptteil des Bazars,
heute sind es Magazine und Ställe. Dahinter führen steile Serpentinen und
Treppen zu einer Burgruine hoch auf Felsen mit zwei Toren, auf denen man
Schlangen- und Löwenreliefs erkennen kann. Durch die schießschartenähnlichen
Fenster der Burg überblickt man das Tal mit der Stadt; auf dem
gegenüberliegendem Tigrisufer stehen in einer Flußschleife die Überreste einer
Türbe mit blauer Kachelornamentik im persischen Stil aus dem Ende des 15.
Jahrhunderts.
Westlich und östlich der Stadt erstrecken sich auf der
kahlen Hochfläche mehrere Ruinenfelder mit Minaretts, Türmen und
Festungsmauern. Eine in den steilen Felsen eingehauene Treppe führt direkt von
der alten Brücke zu einer der Ruinenstädte oberhalb des Tigris. Flußabwärts
ragen die Überreste; einiger Moscheen und Minaretts mit schöner Ornamentik aus
der Orthokiden- und Osmanenzeit zwischen den Trümmern hervor. Von oben aus
erblickt man auf der nördlich gelegenen Hochfläche mehrere Ölpumpen im
Fördergebiet von Batman.
3 363 Einwohner, zumeist Kurden, aber auch einige
arabisch- und türkisch sprechende Familien, wohnen in den Höhlen am Tigris und
in den neuen Häusern beiderseits von Brücke und Straße. Sie leben von der
Landwirtschaft, auch von Handel und Handwerk und den kleinen Restaurants und
Teehäusern, die durch die neue Straße Midyat - Batman einen bescheidenen
Aufschwung erlebten. Eine Erinnerung an die früher bedeutende Flößerei und
Flussschiff- fahrt auf dem Tigris vermittelt die kleine Anlegestelle unterhalb
der Altstadt, wo Flöße aus aufgeblasenen Ziegenbälgen und Baumstämmen
zusammengebunden und fluß abwärts nach Cizre verschifft werden. Wie in alter
Zeit so exportiert der Tur 'Abdin noch heute Holz als Baumaterial,
hauptsächlich von den Pappelanpflanzungen in den Talauen. Bis zum 1. Weltkrieg
und vor der neuen Grenzziehung von 1923 wurden Holz, Wein, Trockenfrüchte,
Getreide und Nüsse von Armenien den Tigris abwärts bis nach Mosul und Bagdad
befördert.
Die Höhlen von
Hasankeyf waren bereits in assyrischer Zeit um 800 v. Chr. bewohnt; in
römisch-persischer Zeit stand hier eine bedeutende Zitadelle. Römer, Perser und
Armenier wechselten sich in der Herrschaft über Burg und Stadt ab. Auf dem
Konzil von Chalcedon 451 war „Cepha"/„Kiphas" (der häufig erwähnte
Name für die Stadt) durch einen Bischof vertreten. In byzantinischer Zeit
gehörte es zu den wichtigsten Grenzfestungen im Osten des Reiches. Die Araber
besetzten die Burg und Stadt nach 636. Kurdische Dynastien herrschten ab 944,
die Ayyubiden ab 1232. Seit dem Mongolensturm von 1260 konnte sich die Stadt
bis zur Heimsuchung durch die Tataren 1394 und auch später nicht mehr richtig
erholen. 1471 kam als erster Abendländer der Venezianer Josafa Barbaro durch
Hasankeyf, das er als „recht ansehnlich" schilderte. Der Wohlstand wurde
aber immer wieder durch lokale Kriege beeiträchtigt.
Seit 1514 gehörte die
Stadt zum Osmanischen Reich; sie war der Hauptort eines „Sanjaks", eines
Bezirks, der auch den Tur 'Abdin umfaßte. Um diese Zeit lebten hier 787
christliche, 519 moslemische und 20 jüdische Familien; die Bevölkerung war also
in ihrer Mehrheit noch christlich. Jedoch erschien der Ort äußerlich eher
islamisch, da es in der Stadt allein vier große Freitags- und 30 kleinere
Moscheen gab. Die mystischen Strömungen jener Zeit fanden ihren Ausdruck in 11
Derwischklöstern innerhalb der Stadtmauern.
Bis zum 16.
Jahrhundert blieb Hasankeyf („Hesna", „Hesna dhe Kephe")
westsyrischer Bischofssitz. Die Christen hatten häufig unter kurdischen
Übergriffen zu leiden. Der Sonderpatriarch und Schriftsteller Mas'oud von Salah
wurde bei einem Besuch von dem Fürsten von Hasankeyf vergiftet. Die
muslimischen Herrscher ließen häufiger christliche Untertanen von den Felsen
stürzen oder auf andere Weise töten; viele Christinnen wurden entführt.
Zu ihrem Patriarchen im Kloster Deir-ez Za'faran
hatten die westsyrischen Christen ein gestörtes Verhältnis und schlossen sich
deshalb erst dem Sonderpatriarchen in Salah, nach der Beendigung dieses
Schismas aber dem neuerlichen Sonderpatriarchen Sohdo von Midyat an. Innerhalb
dieses bis 1621 andauernden Schismas bildeten Hasankeyf und Midyat ein
Bistum".
Im 14. und 15. Jahrhundert wurde Hasankeyf auch durch
mehrere syrische Manuskripte und Autoren bekannt. Zu den berühmtesten hier
verfaßten Werken gehört „Das Geistige Schiff des Bischofs und späteren
Patriarchen Basil Mas'oud, Bischof seit 1481.
Von den vielen
Kirchen, die einst in Hasankeyf standen, sind aus den Quellen und bei den
Christen im Tur 'Abdin „Joldath Aloho", „Mor Zoche", „Deiro
Makarius" und die Kirche der „Vierzig Märtyrer" bekannt. General
Moltke berichtete um 1835 über seine Eindrücke von einer Fahrt mit dem Floß
über Hasankeyf nach Cizre. In Hasenkeyf fielen ihm die Reste der großen Brücke
und die Ruinen der Altstadt auf. Offenbar war der Ort bereits ' im 19.
Jahrhundert in einer ähnlichen Verfassung wie heute; die Ruinen der Bauwerke
beeindruckten auch Taylor und Parry. Im Gegensatz zu dem früheren Glanz führte
die Bevölkerung in den Höhlen ein ärmliches Leben.
Hier wohnten vor allem Armenier, deren Oberhaupt die
amerikanische Missionsschule in Mardin besucht hatte und daher presbyterianisch
beeinflußt war. Für den Gottesdienst stand nur eine kleine „kuriose"
Kirche zur Verfügung. Die Muslime lebten hauptsächlich in den Häusern am
Tigrisufer. Außer den armenischen lebten hier noch 50 westsyrische Familien.
Im 1. Weltkrieg
wurden die Christen aus Hasankeyf vertrieben oder getötet; die Westsyrer
flüchteten nach Midyat, Syrien und Beirut - von den Armeniern fehlt jede Spur.
Nach dem Krieg wurde der Ort nochmals zum Kriegsschauplatz zwischen den Truppen
der Zentralregierung und den Kurden, die hohe Blutverluste erlitten.
(Anmerkung von Huyodo.Com: Im Zuge des
Südostanatolien-Projekts, das die Schaffung vieler Staudämme – wie auch des
Ilısu-Staudamms – im Süd-Osten der Türkei zum Ziel hat, plant der türkische
Staat, Hasankeyf unter Wasser zu setzen..)
Quelle: Helga Anschütz – Die Syrischen Christen vom
Tur Abdin
Ainwardo ist eines der bekanntesten Dörfer des Tur
Abdin's, es liegt auf einer Höhe, östlich von Midyat und ist 2 Stunden
zu Fuß zu erreichen. Alle Bewohner des Dorfes waren syrisch-orthodox.
Zur Zeit des ersten Weltkrieges betrug die Zahl seiner Einwohner 200
Familien. In Ainwardo existiert auch die große Mor Hadbschabo- Kirche,
die wie eine unbezwingbare Festung aussieht.
Die Männer aus Ainwardo waren bekannt für ihre
Tapferkeit und ihr Eifer. Kein Dorf von den Ländern von Mesopotamien
konnte sich den Türken und Kurden widersetzten und gegen sie kämpfen,
wie dieses. In der Umgebung gedeihen Getreide, Obst und Wein; wie in
vielen Ortschaften der Türkei betreiben die Bauern hier auch
Viehwirtschaft.
In Ainwardo stehen drei Kirchen: "Mart Schimuni",
"Mar Hodtschabo" und "Joldath Aloho". Wie alle christlichen Ortschaften
im Tur Abdin ist Ainwardo mehr als 1000 Jahre alt. 1248 wurden hier
Mönche und ein Stylit erwähnt. Mehrere Bischöfe, Kopisten und ein
Patriarch stammten aus dem unter dem Namen " 'Ain Quarda" ' Ainwarda
bekannten Dorf. Ein Evangeliar mit Miniaturen aus dem Jahre 1201
befindet sich noch im Besitz der Dorfkirche.
Im Jahr 1453 besetzten die Türken den Ort; im 16.
Jahrhundert erlebte es einen Aufschwung. Damals wurde es mit dem Namen
"Aynwerde" unter den reichen christlichen Siedlungen im Tur Abdin in
den Katasterbüchern aufgeführt. Von 1526 bis 1570 stieg die
Einwohnerzahl von 46 auf 136 Familien. Einige Reisende erwähnten den
Namen des Dorfes unter verschiedenen Schreibweisen.
Das größte und bedeutendste Kloster des Tur Abdin liegt
unweit der Stadt Mardin und trug ursprünglich den Namen Deir Mar Hanania
(Ananiaskloster). Heute wird der Komplex allgemein Deir az-Zafaran genannt, was eine Anspielung auf die safrangelbe Farbe seiner
Außenmauern ist.
Die ältesten Gebäudeteile stammen aus dem 4. Jh. n.Chr. Hierzu zählt auch das sog. Beit Qadishe (Haus
der Heiligen). Hierbei handelt es sich wahrscheinlich ursprünglich um einen
Unterrichtsraum für Medizin. In seiner heutigen Gestalt zeigt es sich
allerdings als Grabgebäude, zu dem es wohl im 13. Jahrhundert umfunktioniert
worden ist. Es sind sieben Arkosolnischen zu sehen, in denen insgesamt ca. 50
Patriarchen und über 100 Metropoliten beigesetzt sind. Die Amtsträger wurden in
vollem Ornat beigesetzt, wobei jeweils der zuletzt verstrobene sitzend
bestattet wurde. Der gesamte Raum ist von einer Kuppel überwölbt.
Aus dem 4. Jahrhundert n.Chr. stammt die Marienkirche, die heute für Taufen benutzt wird. Es ist noch ein geosteter
Steinaltar mit einem Holzaufsatz (wohl aus dem 16. Jh.) erhalten. Vor diesem
Altar sind noch einige Mosaikreste zu sehen, die ins 5./6. Jahrhundert n.Chr.
datiert werden.
Die eigentliche Klosterkirche, die
dem Heiligen Ananias geweiht ist, stammt ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert
n.Chr.. Sie war ursprünglich größer, ist aber nach der Zerstörung durch die
Mongolen kleiner wieder aufgebaut worden. Es handelt sich um einen Bau mit drei
Apsiden. In großer Höhe über dem Boden befindet sich eine Holzempore, auf der die Menschen den Gottesdienst
verfolgen konnten, wenn die Kirche sehr voll war. Direkt neben dem Eingang ist
ein Fresko aus dem 9. Jh. erhalten, das den Ananias zeigt. In der Hauptapsis
befinden sich ein Metropolitenthron und der Thron des syrisch-orthodixen
Patriarchen, der auch als Patriarch von
Antiochia bezeichnet wird. Da das Kloster aufgrund der gefährlichen Situation
der Christen in der Türkei heute nicht mehr der Patriarchensitz ist (der
Patriarch lebt seit 1959 im Exil in Damaskus), wird der Patriarch durch ein
Foto repräsentiert, das den Thron ziert. Bemerkenswert ist noch ein Friesband,
das den ganzen Raum umzieht. Es zeigt Rankenmuster und korbähnliche Motive.
Kafro ist ein aramäisches Wort und bedeutet übersetzt „Dorf“. Um es
nicht mit dem gleichnamigen und nahe gelegenen Dorf zu verwechseln wurden sie
mit einer zusätzlichen Bezeichnung „tahtaito“ und „helaito“, was „unten“ und
„oben“ bedeutet ergänzt.
Kafro tahtaito erhielt nach der Entstehung der türkischen Republik den
türkischen Namen Elbegendi. Das Dorf erlebte noch folgende weitere Benennungen
wie Harapkefri, Kharap Kefre und Harabe Kefre.
Nachfolgend verwenden wir aber den althergebrachten Namen Kafro und
verzichten dabei bequemlichkeitshalber noch auf den Anhängsel „tahtaito“.
GEOGRAPHIE
Das Dorf Kafro liegt in der
Provinz Mardin, im Südosten der Türkei und 15 km südöstlich von Midyat
entfernt. Es wurde auf einer leichten Anhöhe gebaut und befindet sich ungefähr
900 M.ü.M. Kafro ist umgeben von den anliegenden Dörfern Enhil, Harabale, Arbo
und Sivrice, welche kaum mehr als 9 km entfernt sind. Als kleine Provinzstadt
bietet Midyat mit 15 km Entfernung die nächste Einkaufs- und
Handelsmöglichkeit. Man erreichte sie früher zu Fuss oder mit Esel. Später
pendelten Minibusse. Die Grenze zu Syrien liegt lediglich 20km von Kafro
entfernt. Vielfach wurde in der syrischen Provinz Kamisli Handel betrieben. Man
pflegte das grenzüberschreitende nachbarliche Verhältnis aus zwei Gründen.
Einerseits bot Kamisli nicht nur einen guten Absatzmarkt für die
erwirtschafteten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, sondern auch viele Handelsgüter,
die in der Türkei nicht erhältlich waren. Andererseits lebten/leben in Kamisli
ebenso syrische Christen, die in der Nachkriegszeit durch die Grenzziehung
voneinander getrennt wurden. Somit beruhte die Beziehung zu Kamisli nicht nur
auf den Handel; sie war oft auch verwandtschaftlich bedingt.
Unter dem Begriff 'Rayite'
versteht man den Überbegriff der örtlich angrenzenden Dörfer Kafro, Harabale,
Harapmeski, Sederi, Badibe, Ehwo und Arbo. Sie alle waren ausschliesslich von
Christen bewohnt.
Als Bestandteil des Tur Abdins war das Dorf Kafro ebenso vom tragischen
Schicksal betroffen. Infolge der Vielzahl von Kriegen, Verfolgungen und
Schändungen des Dorfes durch fremde, v.a. muslimischen Völker blieben über die
geschichtliche Entwicklung von Kafro nur noch mündliche Überlieferungen
erhalten. Bücher und andere schriftlichen Dokumente wurden entwendet, verbrannt
und vernichtet. Die vielfachen gesellschaftlichen Bedrängnisse brachten nicht
nur dem Dorf Kafro, sondern auch allen anderen Dörfern aus dem Tur Abdin den
Niedergang.
Laut mündlicher Überlieferung hat das Dorf Kafro seinen Entstehungsursprung
noch vor Christi Geburt. In dieser Berichten beschränken wir uns jedoch
nur auf den Zeitraum zwischen 1900 und heute.
Im Jahre 1900 war Kafro von 30 Familien besetzt. Im 1. Weltkrieg 1914/15 waren
die syrischen Christen von dessen Folgen zu tiefst betroffen. Alle, die sich
retten konnten, flohen in Höhlen und fanden dort ihren Schutz. Kafro war in
diesem Zeitraum unbewohnt. Erst um 1916 kehrten die ersten 8 Familien von den
Höhlen in ihr Heimatdorf Kafro zurück. Kafro erlebte 1970 mit 46 Familien die
Spitze der Bevölkerungszahl. Nach der in den 80-er Jahren beginnenden
Auswanderungswelle, vorwiegend in Richtung Europa, schrumpfte die Zahl der
Bewohner im Jahre 1992 auf nur noch 5 Familien zurück. Mit der Ausreise der
drei letzten Familien im Jahre 1995 steht Kafro seither leer und unbewohnt.
Heute (2004) leben etwa 180 Familien aus dem ursprünglichen Dorf Kafro in
Europa, mehrheitlich in Deutschland, Schweden und in der Schweiz. Sollte unser Rückkehrprojekt planmässig
laufen -was wir natürlich sehr hoffen- so wird das Dorf Kafro bereits nächstes
Jahr von von den 15 rückkehrenden Familien bewohnt werden.
Kfarburan liegt am Ende der von Midyat kommenden
Asphaltstraße. Von den umliegenden Hügeln kommt reichlich Wasser. Seine
Wassermühlen wurden von den Dörfern aus nah und fern benützt. Diese
günstige Lage machte Kfarburan zu einem wichtigen Ort, in dem es
syrisch-orthodoxe, syrisch-katholische und protestantische Christen
gab, die oft unter dem Druck der kurdischen Muslime zu leiden hatten.
Während des Ersten Weltkrieges wurde sogar der
Bischof ermordet. Die in den folgenden Jahren erfreuliche Entwicklung
im Verhältnis zueinander wurde bald wieder zunichte gemacht. 1970 waren
noch zwei Drittel der ca. 2000 Einwohner christlich, 1979 verließen die
letzten Christen den Ort.
Das
Dorf Keferze liegt etwas 15 km nordöstlich von Midyat oberhalb der
neuangelegten Piste Midyat – Hah. Unter den 1622 Einwohnern leben 70
Syrisch-Orthodoxe Familien (1980 waren es 30 christliche Familien). Im Dorf
wird Turojo und Kurdisch gesprochen. Priester ist Melke Gümüs (geb. 1929,
Priesterweihe 1959).
Die Kirche Mor Izozoel wurde 934 errichtet und gilt als ein bemerkenswertes
Beispiel syrischer Baukunst. Von den aus der Geschichte überlieferten Kirchen
Mor Eliyo und Mor Malke gibt es kaum Überreste. „Kefr Zeh“ wird seit 935
erwähnt. Um 1413 plünderten Jesidi und Kurden den Ort; andere Nachrichten
stammen aus dem 15. und 19. Jahrhundert.
Von
der vergangenen Zivilation und dem verlorenen Wohlstand fand Gertrude Bell um
1900 nur die Überreste der Kirche Mor Izozoel; ein Vergleich dieser
prachtvollen Kirche mit den „erbärmlichen Hütten“ vermittelte ihr ein
„eindruckvolles Bild von Glanz und Niedergang einer Kultur“, eine Aussage, die
heute noch für die meisten Ortschaften des TurAbdin zuftrifft, aber ebenso für
viele andere versunkene Kulturstätten. Jedoch erscheint der heute Zustand
vieler von den Reisenden vor dem 1. Weltkrieg geschilderten Dörfer trotz aller
Erscheinungen des Niedergangs besser als damals.
Wie
Bischof Semun im Jahre 1855 in einem Evangelium von Keferze schrieb. Griffen
der Fürst Asdin Schin Buqtoyo und Masurbak das TurAbdin und unsere Kirchen an
und zerstörten sie. Sie töteten vier Pfarrer,Mönche und viele Christen.
Vor
und Während des Völkermordes 1914 / 1915 gab es in Keferze ca. 160
syrisch-orthodoxe und 70 moslemische Familien. In dieser Zeit sorgten 3 Pfarrer
gleichzeitig für den moralischen und geistigen Segen des Dorfes. Pfarrer
Yuhannun, der Sohn von Pfarrer Sabo, Pfarrer Circo, der Sohn von Pfarrer Yauno
und Pfarrer Gauriye. Die Bürgermeister zu jener Zeit waren Iskender Marauge be
Kawatscha und Danho be Chupano.
Quellen:Kferze.de,
Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur'Abdin, Würzburg, 1985;
Mor Ignatius I Afrem Barsaumo, Tur'Abdin Tarihi, Holland, 1985;
Aziz Günel, Türk Süryaniler Tarihi, Diyarbakir, 1970.
Deiro Mor Abrohom
wird manchmal mit dem Kloster gleichen Namens bei Midyat verwechselt. Es ist
als das „Große Kloster auf dem Berg Izala" in die syrische
Kirchengeschichte eingegangen und wurde nach seinem Gründer Abrohom von
Kaschkar (gest. 588) benannt.
Hier war ein Zentrum
des ostsyrischen Mönchswesens. Das Kloster liegt etwa 40 km nordöstlich
oberhalb von Mirab an einem steilen Abhang; aus seiner Schule gingen mehrere
bekannte Persönlichkeiten hervor.
Heute ist nur das
hohe Tonnengewölbe der Kirche mit einem Altarbogen und Säulen erhalten, die
reiche Ornamente aufweisen. Ruinen stehen zwischen Walnuß- und Feigenbäumen; in
der steilen Felswand oberhalb des Klosters befinden sich zahlreiche Höhlen. Vom
Dach der abgestuften und würfelförmigen Kirche aus erblickt man auf einer
Felsspitze die Ruinen der nahen, aus der Geschichte bekannten Burg „KaPat
Jedid" („Neue Burg") und die Ebene darunter.
Eine fast
unpassierbare Straße führt am Kloster vorbei bis Sideri. Sie wurde nach dem 2.
Weltkrieg von einer amerikanischen Gesellschaft angelegt, die am Südrand des
Tür 'Abdin erfolglos nach Öl suchte.
Bis zum 1. Weltkrieg
lebten in Mor Abrohom acht Mönche und zwei Diener; die Mönche wohnten in den
Höhlen neben der Kirche. Die heutige christliche Bevölkerung in dieser Gegend
hat keine innere Beziehungen zum Kloster und kann daher über seine jüngste
Geschichte auch nichts berichten.
Quelle: Helga Anschütz – Die Syrischen Christen vom
Tur Abdin
Die
uralte Kirche
Mor Malke
in
Sare birgt
bis zum heutigen Tag noch zwei Denkmäler aus vorchristlicher Zeit: Eine
Stele
mit Orante und aramäischer Inschrift und eine Basaltplatte.
Die historische Mor Malke Kirche
erhielt einen neuen Glockenturm. Die komplette Sanierung der uralten
Dorfkirche wurde Dank Dank der Niederländishen Botschaft in Ankara
denkmalgerecht restauriert und behutsam saniert.
Dieses
Großdorf mit 920 (1015) Einwohnern (150 Familien) (1980: 130 Familien) liegt 15
km westlich der Kreisstadt Idil neben der Straße Mardin - Cizre im
Übergangsgebiet zwischen dem Gebirge und den gewellten Basalt-blockfeldern im
Osten, gerade an den schroffen Abhängen des Wadi Salo, das die Einheimischen
"Schlund der Hölle" oder "Djehenna-Tal" nennen; hier sollen
in persischer Zeit zahlreiche Christen den Märtyrertod gefunden haben. Die
flachgedeckten, festungsartigen Häuser sind aus Basaltblöcken errichtet; ein
Dorfteich spendet bis zur sommerlichen Austrocknung Wasser für Mensch und Vieh.
Hier lebt ein Menschentyp, der nicht nur eine besondere Form des
Turojo-Dialekts spricht, wie Jastrow ermittelte , sondern sich auch äußerlich
von anderen Tur 'Abdin-Bewohnern unterscheidet: Viele Dorfbewohner sind
hochgewachsen und kräftig; sie haben oft rotblonde Haare, helle Augen, eine
lange, gerade Nase, eine hohe Stirn und Rundköpfe. Mehr als 1000 Einwohner sind
nach dem 1. Weltkrieg in den Irak und in den Libanon ausgewandert.
Miden
- Ögündük - Middo - Midun - Midin
Aus geschichtlichen Zeiten sind die alten, kürzlich
restaurierten Kirchen "Mar Jakub Malphono" und "Mar
Juhannan" erhalten geblieben; die Kirchen "Mar Addai", "Mar
Abhai", "Mar Augen", "Mar Bar Sauma", "Mar Heoro",
"Mar Sobo", Joldath Aloho" und "Mar Zoche" liegen
hauptsächlich außerhalb der heutigen Ortsgrenze in Trümmern.
Seit etwa 1972 ist eine größere Zahl der christlichen Einwohner nach Berlin
gezogen. Ihnen folgte Priester Hanna Teber (geb. 1910, Priesterweihe 1953). Als
Dorfpriester ist Melke Tok hiergeblieben (geb. 1933, Priesterweihe 1961). Man
zeigte mir 1968 ein Evangeliar aus dem 18. Jahrhundert mit Silberdeckel. In der
Kirchenschule werden 70 Kinder unterrichtet. Hanna Aydin schätzt die
christlichen Einwohner für 1980 auf 118 Familien.
Miden, obwohl durch die zahlreichen Kirchen als historisch bedeutender Ort
ausgewiesen, war dennoch in der Geschichte nicht so bekannt, weil keine
bedeutenden Persönlichkeiten oder Autoren aus dem Dorf stammten. Im Osten des
Tur 'Abdin war es auch häufigen Kurdenüberfällen aus dem Gebiet jenseits des
Tigris ausgesetzt: 1453 wurde Miden durch Nomaden zerstört, im 15. Jahrhundert
durch Truppen aus Diyarbakir gebrandschatzt. Mitte des 19. Jahrhunderts erlitt
Miden das gleiche Schicksal durch den Kurdenführer Massur Beg aus Bohtan.
Sandreczki fand hier 60 christliche Häuser vor.
Preusser und Sykes glaubten, in Miden besondere Unterscheidungsmerkmale in der
Bevölkerung zu sehen. Der Kunsthistoriker berichtete, ihn habe der
"rotbärtige, chaldäische Priester" des "christlichen
Kurdendorfes in seine unsaubere Hütte gastlich aufnehmen" wollen. Wie er,
so hielt auch der Engländer und Geheimdienstler Sykes die hier lebenden
Christen für Kurden und "sehr fanatisch".
Quelle: Helga Anschütz, Die syrischen Christen vom Tur Abdin, 1984
Ist
der Hauptort des Turabdin und seit 1478 Bischofssitz. Es liegt in etwa 1000 m
Seehöhe in einer hügligen Landschaft mit Wiesen, Äckern und Weinbergen. Midyat
galt als die einzige Stadt der Türkei mit einer mehrheitlichen christlichen
Bevölkerung, in der es neben acht Kirchen nur zwei Moscheen gab.
Jetzt
ist es mit der nahe gelegenen Stadt Estel verbunden, wodurch der muslimische
Anteil erheblich zunahm. Durch die Auswanderung der Christen änderte sich das
Verhältnis der Moscheen und Kirchen. Heute leben in Midyat noch ungefähr
hundert (?) christliche Familien, von denen manche aus den umliegenden Dörfern
zugewandert sind. Fünf schlanke Kirchtürme und zwei Minarette prägen die die
Silhouette des Stadtbildes. Die Bischofskirche Mort Schmuni erhielt ihre
jetzige Gestalt am Ende des Vorigen Jahrhunderts: Von einem Hof, der die Kirche
Umgibt, erreicht man die Pfarrschule und die bescheidenden Amtsräume des
Bischofs.
Dem
Zentrum am nächsten liegt die reich verzierte Kirche Mor Barsaumo, die 1943 auf
ihren alten Fundamenten in traditioneller Form wiederaufgebaut wurde. Am
südöstlichen Stadtrand steht die älteste, 1960 mit altem Baumaterial
wiederaufgebaute Kirche Mor Akhsnoyo (der syrische Name für Philoxenos). Von
den Beiden auf einer Erhebung erbauten Kirchen ist Mor Scharbel, ein Bau mit
edlen Proportionen, die südlichere; sie wurde 1965 wieder errichtet. Am
höchsten Punkt der Stadt erhebt sich die um 1900 erbaute protestantische Kirche
als die größte aller Kirchen der Stadt Midyat ist bereits im 9. Jahrhundert v.
Chr. in assyrischen Annalen als Höhlenstadt Madiat erwähnt, wovon sich der
heutige Namen ableitet.
Auch,
dass die ersten Christen in Höhlen gelebt haben. Im Laufe der Geschichte wurde
die Stadt vielfach bedrängt und zerstört, zuletzt in den Wirren während des
Ersten Weltkrieges. Ein Drittel der Bevölkerung wurde getötet und viele Häuser
lagen in Trümmern. Erst nach 1930 gab es einen neuerlichen Aufschwung: Häuser
und Kirchen wurden wieder aufgebaut, die Zahl der Christlichen Einwohner fing
wieder an zu wachsen. Die meisten Familien gehörten der Syrisch-orthodoxen
Kirche an, einige waren syrisch-katholisch oder protestantisch. In
wirtschaftlicher Hinsicht ist Midyat Zentrum des Handels und bekannt durch
seine Silberschmiede und Filigranarbeiten. Midyat ist das Zentrum des
christlichen Turabdin und Sitz eines Erzbischofs.
Durch
vielfache Bedrohungen in der Vergangenheit, angefangen von der Verfolgung der
Christen in Mesopotamien durch die byzantinischen Kaiser, zogen es die Bischöfe
vor, in den Klöstern zu leben. Oft waren sie zugleich auch deren Äbte. So lebt
auch Erzbischof Timotheos Samuel Aktas im Kloster Mor Gabriel. Doch an hohen
Festtagen und bei offiziellen Anlässen begibt er sich in die Kirche Mor Schmuni
in Mydiat. Schmuni ist der Name, der in der syrischen Tradition der Mutter der
sieden makkabäischen Brüder gegeben wurde, die ihre Söhne, anstatt ihnen
zuzureden ihren Glauben zu verleugnen und ihr Leben zu retten, zum Martyrium
ermunterte .
Es war
ein Mann namens Johannes und seine Frau Rafka (Rebecca), sie war die Schwester
des Heiligen Mor Avgin. Sie waren sehr Reich aber leider zeugungsunfähig. Sie
beteten zu Gott dass er Ihnen einen Sohn schenken möge. Nach sehr intensiven
Beten, Fasten und Hilfe an den Bedürftigen schenkte Ihnen Gott einen Sohn. Sein
Name war Malke. Mor Malke ist im Dorf Kluzmo im Jahre 295 geboren. Als er
erwachsen war wollten seine Eltern dass er heiratet. Kurz vor seiner Trauung
flieh Mor Malke und ging zu seinem Onkel Mor Avgin. Bei seinem Onkel wurde er
zum Mönch geweiht. Nach 4 jährigem Aufenthalt bei seinem Onkel ging er mit
seinem Freund Elisha nach Jerusalem um die Heilige Stadt zu sehen und von den
Orten gesegnet zu werden. Kurze Zeit später gingen sie dann für 3 Jahre in die
Wüste Ägyptens. Nach ihrer Rückkehr zu Mor Avgin gingen sie nach Nsibin zum
Bischof Mor Jakob, da wurden Mor Malke und Elisha zu den Mönchpriestern
eingeweiht. Auf ihrer Rückreise trennten sich ihre Wege und jeder ging in eine
Höhle, um zu beten und zu fasten.
Eines Tages schickte der König Konstantin von Konstantinopel, dem heutigen
Istanbul, seine Diener mit einem Brief zu Mor Malke. Nachdem die Diener eine zeitlang
suchte, fanden sie ihn schließlich und gaben ihm den Brief, in dem geschrieben
stand: Dass er sich so schnell wie möglich zum König begeben möge, um die
Tochter des Königs vom Teufel zu befreien. Mor Malke schickte die Diener schon
einmal vor. Sie erwiderten ihm, dass sie eine schwere Strafe erwarten würden,
falls der König sie nicht mit Mor Malke antreffen sollte. Mor Malke versprach
ihnen, dass sie zusammen vor dem König auftreten würden. Also machten sich die
Diener ohne Mor Malke auf dem Rückweg. Mor Malke blieb 30 Tage und 30 Nächte in
seiner Heimat. Als der dreißigste Tage verstrichen war backte er einem Brot für
die Eucharistiefeier und machte sich auf den Weg zum König. Plötzlich und wie
ein Wunder fand er sich bei den Dienern des Königs wieder, einen Kilometer vor
der Stadt Konstantinopel. Als sie vor dem König auftraten gab der den König von
dem noch warmen Eucharistiebroten.
Der König bat Mor Malke er solle seine Tochter helfen. Als man die Tochter des
Königs holte sah Mor Malke das sie vom Teufel besessen war. Er stand auf und
begann zu beten. Nach dem Gebet vertrieb er den Teufel aus der Tochter und
befahl dem Teufel sich nicht vom Fleck zu rühren. Nachdem der König dies sah
wollte er ihn reichlich beschenken. Mor Malke lehnte dies jedoch ab. Mor Malke
blieb eine Woche beim König und heilte alle Kranken. Als er dann gehen wollte
bat er den König um etwas. Der König antwortete ihm: "Bitte um was du
willst, bis zur Hälfte meines Reiches werde ich dir geben." Da verlangte
der Heilige nach einem Brunnenhals den niemand benutzte. Der König jedoch
wunderte sich und fragte: "Was er damit wolle und wer ihn den ganzen Weg
tragen solle." Mor Malke bat einfach nur um den Stein und der König solle
sich keine sorgen machen wer ihn trägt. Dann befreite er den Teufel und befahl
ihm diesem Stein um seinen Hals zu tragen und ihn die ganze Strecke zu tragen
ohne ihn abzulegen. Und sie machten sich auf den Rückweg zurück in das Kloster,
wobei der Satan den ganzen weg die Last des Steines auf seinem Hals trug.
Eines Tages kam ein Mann aus Arkah und brachte seinen Sohn Shlemun zu Mor Malke
um bei ihm zu dienen. Mor Malke lehnte dies zunächst ab, da der Junge noch zu
jung und nicht reif genug dafür war. Da sagte der Junge: Herr, lass mich es
doch versuchen und beobachte mich! Falls ich dir nicht genug dienen kann, dann
kehre ich zu meinem Elternhaus zurück. Da nahm er ihn auf, lehrte ihm das Leben
des Mönchtums und nach sieben Jahren wurde er zum Mönch. Als Mor Malke spürte
das sein Tod nah kam, rief er alle Mönche zum Gebet.
Da nahm er Weihrauch und sie beteten alle zu Gott: "Oh Gott, du
barmherziger König aller Könige erhöre das Gebet deines Dieners der dich zu
diesem Zeitpunkt bittet. An den Orten wo man meinen Namen zur Andacht erwähnt,
an diesen orten soll es keine Hungersnot und keine Plagen geben. Jeder der
meinetwegen einen Tag sondert und ein Andachtsfest veranstaltet, der soll keine
Blinden und keine Behinderten in seinem Haus haben. Jedes Dorf, der für mich
ein Andachtstag schenkt, dort soll weder Hunger noch Plagen, weder Tod und noch
andere jegliche Schäden herrschen. Gib ihnen Reichtum, Wohlstand, Segen und
viele lange Lebensjahre und sie sollen in Frieden Leben.
Nach diesem Gebet entschlief der Heilige mit 92 Jahren zum Herrn und er wurde
ehrenwürdig von Mönchen und Bewohner beigesetzt. Sein Schüler Shlemun hat ihn
den 1. September als Gedenktag ausgesondert. Der Heilige ist im Jahre 315 nach
Christus in seinem Kloster gestorben und dort beigesetzt worden.
Die heutige Situation des Klosters Mor Malke:
Heute leben im Kloster 2 Mönche 4 Nonnen und ca. 10 - 15 Schüler. Das Kloster
befindet
Das älteste Kloster im TUR ABDIN ist Mar Augin, das an
den Abhängen des Izlo-Gebirges erbaut wurde. Der heilige Augin gilt als der
Begründer des monastischen Lebens im TUR ABDIN und als dessen zweiter
Missionar. Mor Augin lebte zu Konstantinos Zeiten, also im 3. Jahrhundert.
Er war bekannt für seine Teufelsaustreibungen, rettete ein Kind aus den Klauen
der wilden Wölfe im tiefen Wald und auch die von ihm bestandene Feuerprobe
lässt ihn nicht in Vergessenheit geraten. Mor Augin hatte 72 Schüler (Jünger),
darunter waren Heilige wie z.B. Mor Isayo.
Das heute bedeutendste Kloster des Tur Abdin ist das ca. 25
km südöstlich von Midyat gelegene Kloster
Mar Gabriel. Den Namen erhielt es von dem
Abt Gabriel, der im 7. Jh. das Kloster erneuerte. Der ursprüngliche Name wird
wohl einfach Kloster von Qartamin (Kartamin ist ein kleines Dorf in der Nähe
des Klosters), es gibt aber auch Belege für Mar Samuel oder Mar Simeon. Samuel
war der sagenhafte Gründer, der sich um 395 n.Chr. in der Gegend des heutigen
Klosters niedergelassen hat.
Das Kloster brachte es bereits kurz nach seiner Gründung zu
einiger Berühmtheit, besonders in der Zeit, als Theodosius II. (408-550) es kräftig finanziell unterstützte. Durch eine
Schenkung von Kaiser Anastasios (491-518) konnte der Ausbau der Hauptkirche finanziert werden. Die früheste Bauphase muss aber um 397 liegen.
Heute präsentiert sich die Hauptkirche allerdings stark renoviert. Bei ihr
handelt es sich ebenfalls um ein Querschiffgebäude mit Tonnengewölbe. Neben
Ausschmückungen aus jüngerer Zeit ist ein Deckenmosaik im Ostschiff zu
bewundern, das aus Goldtesserae gebildet ist. Man datiert es in das 6. Jh.
Nordwestlich der Hauptkirche ist die sogenannte Kuppel der Theodora zu sehen. Es handelt sich hierbei um einen oktogonalen
Ziegelsteinbau mit 10,5 m Durchmesser, der sich auf mächtige Steinpfeiler
stützt. Bedeckt wird dieser Raum von einer Kuppel aus Ziegelsteinen mit einem
Oculus. In den Ecken des Baus sind Apsiden eingelassen, während sich an den
Seiten rechteckige Nischen anschließen. Dieser Bau ist wahrscheinlich zunächst
freistehend errichtet und erst durch nachträgliche Anbauten in den gesamten Klosterkomplex
eingebunden worden. DIe Funktion ist nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Man
nimmt jedoch aufgrund der Nähe zur Küche an, dass er auch als Speisesaal
genutzt wurde. Aber er kommt auch als Baptisterium oder Versammlungsraum für
die Mönche in Frage.
Ganz im Westen der Klosteranlage befindet sich die Marienkirche (die ebenfalls El Adhra genannt wird). Sie geht auf das Ende des
5. Jhs. zurück. Heute sind ihre Innenwände weiß getüncht und mit Wandgemälden
jüngerer Zeit versehen worden. Ursprünglich handelt es sich bei der Kirche um
eine dreischiffige Anlage mit mächtigen Steinpfeilern, die das Hauptschiff von
den Seitenschiffen trennen. Allerdings haben wir hier keine Quer- sondern eine
Längsschiffkirche vor uns. Vorbei am Grab des Metropoliten Johannes (dem 1984 verstorbenen Vorgänger des gegenwärtigen Metropoliten)
gelangt man in das Kellergeschoss, in dem sich mehrere Grablegen befinden. Aus
dem Boden ragen noch zwei Sarkophagdeckel heraus. Bei dem einen handelt es sich
um das Grab des
Hl. Samuel, des Klostergründers aus dem 4.
Jh., bei dem anderen um das Grab
Gabriels, des Klostererneuerers aus dem 7.
Jh.
Mor Timotheos Samuel Aktas, jetziger Abt des Klosters Mor Gabriel und Erzbischof von Tur Abdin:
Nachdem er in Amerika Theologie studiert hat,
kehrte er in den 70er Jahren ins Kloster zurück und wurde 1973 Abt. Im Jahre
1985 wurde er zum Bischof von Tur Abdin geweiht. Er und Malfono Isa Garis
brachten neues Leben in die Mauern. Gruppen von jungen Leuten kamen ins
Kloster, um sich religiös weiterzubliden. Darüberhinaus ermöglichte ihnen
Bischof Aktas eine Allgemeinbildung an der Mittelschule. Täglich brachte er die
Studenten zu den öffentlichen Schulen in Midyat.
Er hat die Erneuerung und Vergrößerung der Klostergebäude weitergeführt und mit
staunenswertem Eifer einige neue Gebäude hinzugefügt.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, das Kloster zu
unterstützen bietet die Internetseite www.aktionmorgabriel.de
Deiro Mor Abrohom
wird manchmal mit dem Kloster gleichen Namens bei Midyat verwechselt. Es ist
als das „Große Kloster auf dem Berg Izala" in die syrische
Kirchengeschichte eingegangen und wurde nach seinem Gründer Abrohom von
Kaschkar (gest. 588) benannt.
Hier war ein Zentrum
des ostsyrischen Mönchswesens. Das Kloster liegt etwa 40 km nordöstlich
oberhalb von Mirab an einem steilen Abhang; aus seiner Schule gingen mehrere
bekannte Persönlichkeiten hervor.
Heute ist nur das
hohe Tonnengewölbe der Kirche mit einem Altarbogen und Säulen erhalten, die
reiche Ornamente aufweisen. Ruinen stehen zwischen Walnuß- und Feigenbäumen; in
der steilen Felswand oberhalb des Klosters befinden sich zahlreiche Höhlen. Vom
Dach der abgestuften und würfelförmigen Kirche aus erblickt man auf einer
Felsspitze die Ruinen der nahen, aus der Geschichte bekannten Burg „KaPat
Jedid" („Neue Burg") und die Ebene darunter.
Eine fast
unpassierbare Straße führt am Kloster vorbei bis Sideri. Sie wurde nach dem 2.
Weltkrieg von einer amerikanischen Gesellschaft angelegt, die am Südrand des
Tür 'Abdin erfolglos nach Öl suchte.
Bis zum 1. Weltkrieg
lebten in Mor Abrohom acht Mönche und zwei Diener; die Mönche wohnten in den
Höhlen neben der Kirche. Die heutige christliche Bevölkerung in dieser Gegend
hat keine innere Beziehungen zum Kloster und kann daher über seine jüngste
Geschichte auch nichts berichten.
Quelle: Helga Anschütz – Die Syrischen Christen vom
Tur Abdin
Die Mutter-Gottes-Kirche ist
auch die älteste christliche Kirche, die nach
aramäischen Bewohnern von Hah von den aus Betlehem zurückkehrenden
Königen
gebaut wurde.
In Nusaybin, an die Zeynel Abaidin-Moschee angebaut wurde, ist etwa 1900 Jahre
alt. Im Kirchenkeller befindet sich eine grantisteinerne Grabstaette mit den
Gebeinen des Jakob.
Eine geheimnisvolle Stadt in Südostanatolien. Die Stadt
der verschiedenen Kulturen und Religionen. Die berühmteste Stadt im alten
Mesopotamien. Jede Kultur und jede Religion hat ihre Spuren hinterlassen. Auf
einem Berg angesiedelt empfaengt diese Stadt recht stolz ihre Besucher....
Sie dürfen sich nicht wundern, wenn nach dem Aufruf des
Muezzins plötzlich die Glocken einer Kirche laeuten. Denn neben Moscheen gibt
es auch reichlich Kirchen und Klöster in dieser geheimnisvollen Stadt. Wenn Sie
die unendlichen kleinen Gassen entlanglaufen, haben Sie das Gefühl, als ob die Zeit
stehengeblieben ist. Die Schönheit der Architektur der Haeuser, die
terrassenartig an den Haengen des Berges aufgereiht sind, haben so manchen
Filmemacher inspiriert. Der harte Winter und der heisse Sommer machen diesen
Haeuser, die stummen Zeugen der Geschichte, nichts aus. Wer weiss, was sie uns
allen erzaehlen könnten, haetten sie nur die Gabe der Sprache. Die
Beschriftungen auf den Steinen der Haeuser werden noch etliche Historiker und
Archaeologen beschaeftigen.
In Mardin gibt es eine grosse christliche Gemeinde, die
arabisch spricht. Mardin war lange Zeit Bischofssitz. Deshalb befindet sich
dort bis heute noch eine alte und wertvolle Bibliothek. Auch die alte
Bischofskirche weist auf diese alte Tradition und auf die grosse Bedeutung von
Mardin für die syrischen Christen hin. In deieser Stadt befindet sich auch die
Kirche St. Michael. Sie soll in die Anfaenge des Tur Abdin, "Berg der
Knechte Gottes", zurückgehen und gehört zu den aeltesten Kirchen im Tur
Abdin.
Im Altertum war der Name von Mardin "Marida".
In der Herrschaft der Römer und Byzantiner hatte Mardin
keine besondere Bedeutung für diese Zeit. Im 7.Jh.n.Chr. beginnt die islamische
Geschichte der Stadt durch di Omaijaden. Die Seldschuken nahmen auch Mardin wie
die meisten anderen Staedte in dieser Region im 11 Jh. unter ihre Herrschaft.
Auch der Tur Abdin, befindet sich in der Naehe von Mardin. Es ist die Heimat
der syrisch-orthodoxen Christen, and der syrisch-irakischen Grenze gelegen, im
Südosten der Türkei. Dieses Gebiet gehört zum "Urgestein" der
ökumenischen Bewegung weltweit und ist eines der aeltesten Zentren des
christlichen Glaubens. Die Sprache dieser Christen ist ein Dialekt des
Aramaeischen, der Muttersprache Jesu.
Die Landschaft ist bergig und steinig, der Boden ist
trocken und dürre, daher der Name "Berg der Knechte". Dieses Gebiet
war einst das Land der Klöster. In der Blütezeit soll es über 80 Klöster
gegeben haben; heute sind es nur noch wenige, die erhalten und bewohnt sind:
u.a. Kloster Deir Zafaran, Kloster Mar Melki, Kloster Mar Jakub, Kloster Mar
Gabriel. Die Kirchen und die Klöster in den Dörfern stammen aus dem 5. bis 7.
Jahrhundert, einige sind sogar aelter. Mitte des 7. Jh. machten sich die
Auswirkungen des Islam bemerkbar, 1640 wurde Mardin von den Arabern erobert. Die
arabischislamische Kultur gewann an Boden, die arabische Sprache wurde führend.
Der Einfluss der arabischislamischen Kultur blieb auch unter den Türken
erhalten; zu Beginn des 12. Jhs. kamen die Artuken in Mardin an die Macht. Ein
herausragendes Beispiel artukischer Baukunst ist die Ulu-Moschee.
Befindet sich in Mardin Zentrum, 1. Cadde Cumhuriyet Alani, neben dem Denkmal
Atatürks. Nach der dem Museum gerichteten Inschrift auf dem Portal der Maria
Kirche, das sich an der ostseite des Gebaeudes befindet, wurde das Gebaeude im
jahre 1895 vom Patriarch zu Antakya als Katholisches Patriarch für christliche
Syrier erbaut. Das Gebaeude wurde spaeter als Garnison, Stadtorganisation der
M.S.P., Kooperativengebaeude, Klinik und Polizeiwache benutzt. Das
Kulturministerium kaufte das Gebaeude von der Syrisch-Katholischer Stiftung auf
und entschloss sich im Jahre 1988 das Gebaeude zu restaurieren. Nach der
Restoration wurde es als Museum eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt war das
alte Museum in der Zincirli Medresesi untergebracht, das im 14. Jh. vom
artukischem Sultan Isa errichtet wurde. Das neue Museumgebaeude ist ganz aus
geschnittenem Kalkstein erbaut. Die innere und aeussere Gewölbe, Bogen,
Gelaender und Kapitell sind mitunvergleichlichen Verzierungen versehen.
Die Werke in diesem Museum gehören der periode vom 4. -
7. Jh. v.Chr. an. In die archaeologischen Saele werden Tabletts, Zylinder und
Praegesiegel, Kultgefaesse, Statuetten, metallene Ahlen, Schmuckstücke,
keramiken, Gold-, Silber- und Kupfermünzen, Traenenflaschen und Öllampen aus
der Altbronzezeit sowie aus der Assurischen, urartischen, Altgriechischen,
Persischen, Hellenistischen, Römischen, Byzantinischen, Grossseldschukischen,
Artukischen und der Osmanischen Zeit ausgestellt.
Im etnographischen Saal werden auserlesene Stücke wie
Halsschmuck, Ohrringe, Fussketten, Bekleidungsstücke, Schwerter, Kaffeesets,
Stirnschmuck und Haarschmuck, Armreifen, Badegegenstaende, Gebetsketten,
Heizgegenstaende und Kupferwaren aus Mardin sowie Umgebung ausgestellt.
Pfr. Horst Oberkampf ist
seit zwei Jahren im Ruhestand und kümmert sich nunmehr seit fast 30
Jahren um die syrisch-orthodoxen Christen im Tur Abdin. Er ist
Mitbegründer der „Solidaritätsgruppe Tur Abdin“, die er im Jahr 1993,
zusammen mit Prof. Dr. Hollerweger aus
Linz ins Leben gerufen hat. Ihr Anliegen ist es, den Tur Abdin zu
erhalten, ihn durch Öffentlichkeitsarbeit bekannt zu machen und den
Aramäern im Tur Abdin in schweren, aber auch ruhigeren Zeiten
begleitend zur Seite zu stehen.
Rozuno
(Rosuno)
Am Gedenktag der 40 Märtyrer zu Sebaste, wird für die Hausbewohner je
ein
Rozuno gemacht. Die fertiggebackenen Rozune bringt man als
Segenszeichen auf
die Felder und Weinberge und man gibt sie anschließend den Tieren zum
Futter.
Während man Rozune macht, lässt die Hausfrau eine Geldmünze heimlich in
ein
Rozuno, die Rozune werden an die Hausbewohner verteilt. Denjenigen, der
den
Rozuno mit der Geldmünze zieht, erwartet ein glückliches und
segenreiches Jahr.
Diese Tradition wird mit der Geschichte der Märtyrer aus Sebaste in
Verbindung
gebracht. zurück Index
Sare
– Sari, Sariköy heißt das Dorf in der Provinz Sirnak auf
Türkisch - machte Schlagzeilen in der türkischen Presse, als Anfang
Oktober
2004 die Armee in einer symbolträchtigen Zeremonie die Ortschaft ihren
rechtmäßigen Besitzern übergab. Mit ihrer Vertreibung aus Sare
signalisierte
Ankara, dass die im Hinblick auf einen EU-Beitritt forcierten Reformen
diesmal
nicht nur im Westen des Landes umgesetzt werden müssten, sondern auch
im Osten.
Savur
liegt 48 km nordöstlich von Mardin an der Straße Mardin - Midyat -Cizre. Es
zieht sich einen Bergsattel hinauf, an dessen Fuß der wasserreiche Savur-Cayi
vorbeizieht. Mehrere Quellen entspringen neben seinen Ufern und geben der
Gegend gutes Trinkwasser. Das gewundene Tal von Savur ist reich an Obst-,
Gemüse- und Weinkulturen; überall gedeihen Pappeln.Einige Verwaltungsgebäude,
ein Restaurant und eine Tankstelle stehen neben der Straße. Der Ortskern liegt
2 km oberhalb von Straße und Fluß; die Häuser sind in Terrassen übereinander
gebaut; in der Mitte liegt der Bazar,daneben reckt sich das stattliche Minarett
der Moschee empor. Um den alten Stadtkern gruppieren sich einige moderne
Bauten, zwei Volksschulen und eine Mittelschule, Post, Polizei und
Kreisverwaltung, dazu einige Teehäuser. Die 4983 (4046) Einwohner sprechen den
arabischen Mohallemi-Dialekt; 1978 lebten hier noch drei, 1980 zwei christliche
Familien.
Von
der glanzvollen Vergangenheit der byzantinischen, von Procop erwähnten Festung
„Tsauras" und des späteren Bischofssitzes „Sura/Saura" sind im
heutigen Savur kaum Überreste vorhanden. Auf den umliegenden Hügeln stehen
einige Ruinen aus früheren Zeiten. Der Ort war schon im 5. Jahrhundert
bekannt. In dieser Zeit lebte hier Samuel, der Mitbegründer des Klosters
Qartamin. Er entstammte einer begüterten Familie aus dem benachbarten Dorf
Astin und erhielt seine Priesterweihe durch den Bischof von „Saura". —
Perser töteten bei der Eroberung des Ortes 496 einen Bischof, dessen sterbliche
Überreste man später in das wiederaufgebaute Kloster „Mär Abhai" brachte.
„Sor/Saura" wurde mehrfach als Bischofssitz erwähnt. Nach 1405 eroberten
die Akkoyunlu die Festung „Saura", verloren sie aber ca. 100 Jahre später
an die Osmanen, die ihr Reich bis nach Mesopotamien hin ausdehnten. Um
1526 lebten in Savur bereits mehr Muslime als Christen: 463 gegenüber 74. In
der
Umgebung lag das Verhältnis bei etwa; 3 zu 1 (4 698 Muslime, 1795
Christen). Nach dem Streit mit ihrem Patriarchentrat die Mehrheit der Christen
auch hier zum Islam über.
Schon
immer lag Savur an einer wichtigen Straße und wurde deshalb durch mehrere
Reisende bekannt, die in diesem Tal Baumwolle, Obst, Wein und Bäume vorfanden.
Um 1880 lag der „Kurdenflecken Savur" mit seinen 200 Häusern auf einem
hohen Bergkegel und wurde von einer Burgruine überragt.
Sachau lobte den freundlichen Empfang durch den Agha, der — im Gegensatz zu
seinen Standesgenossen — sogar jegliche Trinkgelder abgelehnt habe. Zwischen
dem Agha und den Christen in dieser Gegend bestand damals ein gutes
Einvernehmen;
deshalb seien hier die Täler auch in einem blühenden Zustand. Im Ort selbst
befanden sich jedoch keine Christen mehr. In der Umgebung waren mehrere Burg-
und Klosterruinen erhalten. Im 1. Weltkrieg blieb der Ort wegen seiner
überwiegend muslimischen Bevölkerung von Zerstörungen verschont.
Quelle: Die Syrischen
Christen vom Tur Abdin- 1985/Helga Anschütz
Die christlichen Syrer bzw. Suryoye sind
ethnisch gesehen Aramäer semitischen Volksstammes, die in Aram Naharaim
(Aram-Nahrin=Mesopotamien) zu Hause sind. Der in der Literatur verwendete
Begriff "Syrer" hat mit der jetzigen politischen Bezeichnung
"Syrien" als arabischer Staat nicht unbedingt zu tun. Die Begriffe
"Syrer" und "Aramäer" sind hier identisch und bezeichnen
ein und dasselbe Volk, sind also ethnisch und nicht politisch-geographisch zu
verstehen. Die Verwendung des Begriffes Syrer für die Aramäer geht auf die
Griechen zurück. Die Griechen bezeichneten das Gebiet "Syria" und
seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, als "Syrer". Mit
Alexander dem Großen (336-323 v. Chr.) fand diese Bezeichnung für die
ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff "Syrer" hat sich
aber erst mit der Christianisierung der Gebiete endgültig durchgesetzt. Die
eigentlichen Bewohner des alten Syrien (Aram) bezeichneten sich selber als
Aramäer, so die berühmten griechischen Historiker und Geographen Poseidonios
und Strabon. Auch die aramäischen Gelehrten sind sich über ihre ethnische
Zugehörigkeit einig.
Die Aramäer Aram-Nahrins (Mesopotamiens) haben bereits in den ersten
Jahrhunderten das Christentum angenommen. Zunächst verbreitete sich das
Christentum von Antiochien bis hin zur zweitgrößten aramäischen
Provinzhauptstadt Edessa, dem bedeutenden Kulturzentrum der Aramäer. Tur-Abdin,
Beth-Zabdai und Umgebung haben das Christentum am Ende des ersten bzw. zu
Beginn des 2. Jh. durch den Apostel Addai (Thaddäus) angenommen. Der
Briefwechsel zwischen dem aramäischen König Abgar V. und Jesus wird von unseren
Kirchenvätern als Zeugnis dafür verwendet, dass die Aramäer bereits zur Zeit
Jesu die Frohe Botschaft angenommen haben. Bis heute wird dieser Tag, der 1.
Oktober, in der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien als der Tag der
Christianisierung der Aramäer und als der Neujahrstag der Aramäer gefeiert. Der
Begriff "Tur-Abdin" ist christlichen Ursprungs und meint so viel wie "Berg
der Knechte (Gottes)" oder "Berg der Einsiedler". Geschichtlich
geht dies auf die aramäischen Mönche und Eremiten (Einsiedler) zurück, die sehr
früh hierher zogen und in Klöstern und Höhlen wohnten.
Die syrisch-orthodoxen Aramäer sprechen einen aramäischen Dialekt, genannt
Turoyo. Turoyo wird nur gesprochen, nicht aber geschrieben. In der Liturgie
wird das Alt-Aramäische verwendet. Die Alt-Aramäische Sprache heißt soviel wie:
"Kthobonoyo" d.h. "Buchsprache, Hochsprache" genannt. Die aramäische
Sprache gehört zum semitischen, besonders dem nordsemitischen Sprachstamm und
wird seit weit mehr als 3000 Jahren gesprochen. Diese Sprache war im 6. Jh. v.
Chr. die eigentliche internationale und offizielle Sprache des Orients. Als
zeugen dieser Sprache des Inschriften und Fragmente aus Papyrus und Pergament
in den großen Museen und Bibliotheken der Welt zu sehen. Diese Sprache ist das
Erbe des aramäischen Volkes, das bis heute seine Muttersprache ist; Aramäisch
war ebenfalls die Muttersprache Jesu Christi in Galiläa. Für viele scheint
diese Sprache gestorben zu sein, da sie hier kaum bekannt ist. Außerdem hat sie
ihre frühere Position verloren. Die aramäische Sprache wurde vor allem durch
die Arabisierung und Islamisierung des Orients verdrängt. Dennoch hat sie sich in
manchen Gebieten des Orients erhalten können, wie z.B. im Tur-Abdin (Südosten
der Türkei) und in Syrien (Aram), Die lange Geschichte des aramäischen Volkes
lässt eine Entwicklung der aramäischen Sprache feststellen; es wird daher
unterschieden zwischen Altaramäisch, Mittelaramäisch und Neuaramäisch.
Seit Beginn der Islamisierung der Araber und vor allem unter der Herrschaft der
Mongolen, Osmanen, Türken und Kurden erlebten die Christen im vorderen Orient
eine ständige religiöse und politische Verfolgung und mussten unter der
Missachtung ihrer Menschenrechte leiden. Zu Beginn unseres Jahrhunderts,
1914/15 wurden über 2 Millionen christliche Armenier und etwa eine halbe
Million Aramäische Christen (Syrisch-Orthodoxe, Syro-Nestorianer, heute
Assyrer, Syro-Chaldäer, Syro-Melkiten und Syro-Protestanten) massakriert.
Allein in den letzten Jahren wurden über 35 syrisch-orthodoxe Christen in der
Region Tur-Abdin umgebracht. Der islamisch-religiöse Fanatismus und türkische
Nationalismus haben bis heute kein Ende genommen. Die Konflikte im Nahen Osten
und vor allem die Veränderung der Menschenrechtssituation im Tur-Abdin zwangen
viele aramäische Christen, ihre Heimat zu verlassen. Seit Beginn der 60er Jahre
nutzten viele die Gelegenheit, als Gastarbeiter in europäische Staaten
auszuwandern. Danach, etwa seit der Mitte der 70er Jahre, als sich die Lage im
Tur-Abdin weiter zuspitzte, mussten viele aramäische Christen fliehen und in
den europäischen Staaten Asyl beantragen.
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien (syrisch: Idto
Suryoyto Trişath Shubħo) ist eine altorientalische Kirche, erwachsen aus
dem altkirchlichen Patriarchat von Antiochia. Nach Jakob Baradai, dem Begründer
der Unabhängigkeit der Kirche, wurden ihre Mitglieder, besonders in der
arabischen Sprache, häufig Jakobiten genannt (arab. Ya‘āqibah oder
Ya‘qūbiyyūn). Da diese Bezeichnung von ihnen heute als verletzend empfunden
wird, sollte sie nicht mehr verwendet werden.
Die Heilige Synode des syrisch-orthodoxen Patriarchats
von Antiochien und Syrien hat auf ihrer Sitzung vom 28. März bis 3. April 2000
beschlossen, die Bezeichnung Syrian Orthodox Church (dt. Syrische
Orthodoxe Kirche) durch Syriac Orthodox Church (dt. Syriakisch Orthodoxe
Kirche) zu ersetzen. Zweck der Umbenennung ist es, die verwirrende
Doppeldeutigkeit des Namens Syrer (Angehörige des Christentums
syrischsprachiger Tradition - Bürger des modernen arabischen Staates Syrien)
und seiner Ableitung „syrisch“ zu vermeiden.
Die Kirche von Antiochien ist nach der Urgemeinde in
Jerusalem die älteste christliche Kirche überhaupt.
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche ging aus den christlichen
Gemeinden der aramäischen bzw. syrischen Bevölkerung hervor, die um die
Zeitenwende Mesopotamien mit seinen angrenzenden Gebieten besiedelte und sich
damit auf die Herrschaftsgebiete zweier miteinander verfeindeter Großreiche
verteilte: Der eine Teil lebte im Römischen (dann Byzantinischen) Reich, der
andere in dem der Parther, die im 3. Jahrhundert von den persischen Sassaniden
abgelöst wurden; und diese Aufteilung unter die verfeindeten Mächte sollte dann
für die aramäische Christenheit auch bald weitreichende Konsequenzen haben.
Für die christliche Mission (wie für die Handelswege,
denen sie folgte) bedeutete die umkämpfte und immer wieder verschobene
Reichsgrenze freilich kein Hindernis; das Christentum breitete sich schnell in
beiden Bereichen des aramäischen Siedlungsgebietes aus. In der Stadt Edessa
(dem heutigen türkischen Şanlıurfa), die östlich des oberen Euphrat, aber noch
auf römischem Boden lag, gab es spätestens seit dem 2. Jahrhundert Christen ,
und ihre Zahl wuchs hier in solchem Maße an, dass im frühen 4. Jahrhundert
(also noch in vor-konstantinischer Zeit) Edessa im gesamten Römischen Reich als
die Stadt mit dem höchsten christlichen Bevölkerungsanteil gelten konnte. In
derselben frühen Zeit hatte die christliche Mission aber auch das aramäische
Siedlungsgebiet östlich der Reichsgrenze erreicht. Auch hier gab es Christen
seit dem 2. Jahrhundert, vielleicht sogar schon (im nordirakischen Bergland)
einige Zeit vorher um die Jahrhundertwende.
Für das Christentum hier wie dort war die Stadt Edessa
als altes Kulturzentrum von gleicher Bedeutung. Denn am west-aramäischen Dialekt,
der in ihr gesprochen und geschrieben wurde (und den wir meinen, wenn wir vom
"Syrischen" sprechen) orientierten sich alle aramäischen Christen. In
dieses "Syrische" wurde alsbald die Bibel übersetzt, es wurde zur
Sprache der Liturgie und nun auch der schnell aufblühenden
christlich-theologischen Literatur, bis sich in dieser dann viel später (im
hohen Mittelalter) das Arabische als die neue Volks- und Kultursprache des
Nahen Ostens durchsetzte. Das Syrische der mesopotamischen Christenheit wurde
so zum „Latein des Orients“. Gläubige, die die Mission unter Angehörigen
anderer Völker gewann (wie etwa unter Iranern), wurden in diese syrische
Sprache einbezogen, und aus der benachbarten Kirche der Armenier ist dann auch
bald zu hören, dass man nicht Theologie treiben könne, ohne syrisch zu
verstehen.
Von dem wenigen, das wir über die älteste Zeit dieses
syrischen Christentums wissen, ist vor allem seine asketische Grundstimmung zu
nennen, der Grundsatz (der zumindest weithin galt), nur Ehelosen oder in
geistlicher Ehe Lebenden die Taufe zu spenden. Daraus entwickelte sich das
aramäische Mönchtum - ganz unabhängig also vom Mönchtum in Ägypten und auch
nicht weniger alt - mit seinen besonderen Eigenheiten. Denn das aramäische
Asketentum, das die Lebensform des einzelnen Eremiten mehr als die klösterliche
Gemeinschaft liebte, wurde durch die krassen Formen seiner leibfeindlichen
Askese berühmt (Symeon Stylites, der "Säulenheilige", war Aramäer).
Aber das aramäische Mönchtum wurde zugleich auch zum Träger geistigen Lebens
und erlangte auch darin Berühmtheit; denn die Klöster, an denen es ungeachtet
der eremitischen Vorliebe nicht fehlte, waren zum großen Teil Zentren der
Gelehrsamkeit mit beachtlichen Bibliotheken.
Trotz ihrer gemeinsamen ethnischen Herkunft und trotz
ihrer gemeinsamen Sprache fand sich die aramäische Christenheit auf Dauer
freilich nicht zu einer gemeinsamen Kirche zusammen. Was die Aramäer in ihrer
weiteren Geschichte kirchlich trennte, hatte dogmatische, aber auch politische
Gründe. Denn die kirchliche und zugleich konfessionelle Grenze, die die Aramäer
bald spaltete, entsprach ziemlich genau der Reichsgrenze zwischen Römern und
Persern, die im 4. Jahrhundert also auch kirchengeschichtliche Bedeutung gewann.
Es blieb nämlich auch für die Christen unter
persischer Herrschaft nicht ohne Konsequenzen, dass der römische Kaiser Christ
und das Christentum auf römischem Boden zur Staatsreligion wurde. Musste doch
nun der zoroastrische persische Großkönig in den Christen seines Reiches
Parteigänger des Reichsfeindes sehen, um deren Loyalität er zumal da fürchtete,
wo sie im Grenzgebiet siedelten. In dieser Situation grenzten sich die Ostsyrer
unter persischer Herrschaft also nun von der Kirche im Nachbarreich ab und
schufen sich im 5. Jahrhundert ihre eigene Apostolische Kirche des Ostens, die
in einem weiteren Schritt dann auch das nestorianische Christus-Bekenntnis
annahm (mit seiner betonten Trennung der wahren göttlichen und der wahren
menschlichen Natur in Christus ) und damit nun auch konfessionell ihren eigenen
Weg ging.
Die Westsyrer im christlichen Römerreich dagegen waren
nun Glieder der römisch-byzantinischen Reichskirche geworden und bildeten einen
nicht unwesentlichen Teil des Reichspatriarchats Antiochia. Aber es kam auch
hier bald zum konfessionellen und kirchlichen Bruch unter den dogmatischen
Auseinandersetzungen, die in der Reichskirche selbst aufbrachen: im Streit auch
hier um die Frage nach dem rechten Verständnis der Person Christi (nach seiner
göttlichen und seiner menschlichen Natur), die unterschiedlich beantwortet
wurde und damit letztlich die Kirche spaltete. Nach jahrzehntelangem Streit und
auch Verfolgungen durch die kaiserliche Staatsgewalt schuf der Bischof und
Mönch Ya'qob Burd'ono (Jakob Baradai, gest. 578) den Seinen eine von der
Reichskirche unabhängige Kirchenorganisation. Damit stand nun eine
„Syrisch-Orthodoxe Kirche“ selbständig neben der „Byzantinisch-Orthodoxen
Kirche“: unter einem eigenen Patriarchen von Antiochia gegen den
reichskirchlichen Patriarchen in dieser Stadt. In der ersten Hälfte des 7.
Jahrhunderts schloss sich der Syrisch-Orthodoxen Kirche dann auch eine kleinere
Gruppe der Ostsyrer auf persischem Boden an, die sich dort der Einführung des
Nestorianismus widersetzt hatte. Ihr Oberbischof, der im Rang unmittelbar dem
Patriarchen folgte, erhielt den in der Christenheit singulären Titel eines
„Maphrian“ mit Sitz in Tagrit (Tikrit) am Tigris, später im Kloster Mor Mattai
nördlich von Mossul.